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Liechtensteiner Sagen Fesselnde Sagen aus Liechtenstein

Loretta Federspiel ist im Fürstentum Liechtenstein aufgewachsen. Als Kind wurden ihr viele Geschichten aus ihrer Umgebung erzählt. Dies so real, dass sie alles für wahr hielt. Erst später wurde ihr bewusst, dass es sich dabei um Sagen handelte. Heute erzählt sie selber mit Leidenschaft.

Legende: Video Audioporträt der Sagenerzählerin Loretta Federspiel abspielen. Laufzeit 4:21 Minuten.
Vom 04.06.2018.

Aufgewachsen ist Loretta Federspiel in Mauren, an der Grenze zum Vorarlberg. Als Kind hörte sie immer wieder Geschichten aus ihrer Gegend. Dies oft ganz nebenbei, wenn sich die Bevölkerung aus dem Dorf traf. Manchmal dachte sie, dass sich die Erzählungen gleich neben ihrem Haus abspielen würden.

Erzähl-Talent im Lehrerseminar entdeckt

Dass Loretta Federspiel selber ein Talent im Geschichten erzählen hat, merkte sie zum ersten Mal in ihrer Ausbildung zur Lehrerin. Als sie zusammen mit ihren Klassenkameradinnen an einem Abend das Klassenzimmer reinigen mussten, begann sie, eine Geschichte von Teilhard de Chardin zu erzählen. Alle hörten gespannt zu, und sogar ihre Lehrerin zog sie in ihren Bann.

Um erzählen zu können braucht es Zuhörer, eine gute Geschichte und eine angenehme Atmosphäre.
Autor: Loretta FederspielSagenerzählerin

Auch als ausgelernte Lehrerin begeisterte Loretta Federspiel ihre Schülerinnen und Schüler mit ihrem Erzähltalent. Ein Märchen oder eine Sage lebhaft erzählen zu können hat sie im Gespür. Die heute 75jährige wurde immer professioneller in ihrer Erzählkunst.

Das spezielle an den Liechtensteiner Sagen ist, dass sie oft mit der Landesgrenze zu tun haben.

Loretta Federspiel erzählt Liechtensteiner Sagen

  • «S'Tüfelsloch»

    Der Teufel machte für einen Bauern die Mäh- und Heuarbeit, für die er seine Seele verlangte, wenn er vor dem Ave Maria Läuten fertig würde. Der schlaue Pfarrer von Bendern aber liess die Glocke früher läuten. In seiner Wut schleuderte der überlistete Teufel den Wiesbaum über den Rhein in die gegenüberliegende Felswand. Durch dieses Loch in der steilen Felswand über dem Berg zwischen Sax und Gams fällt abends ein Sonnenstrahl auf Bendem.

  • «Dr Schatz of Schloss Guatabärg»

    Auf der Burg Gutenberg, die auffällig in der Rheinebene auf einem Felshügel steht, ist ein Schatz verborgen, der von einer Jungfrau gehütet wird Alle hundert Jahre erscheint sie mit dem Schatz und hofft auf ihre Erlösung. Ein junger Mann sollte sie an ihren Zöpfen dreimal ohne einen Laut und ohne sie anzusehen herum schwingen. Aber der Bursche schafft es nicht und so vergehen wieder 100 Jahre, bis sich die Jungfrau mit ihrem Schatz zeigt.

  • «Kiarcha of Masescha»

    Der Papst schenkte dem heiligen Theodul, dem erstem Bischof des Wallis, eine Glocke. Aber der Bischof konnte sie nicht tragen, weil sie sehr schwer war. Deshalb hat er den Teufel dazu gezwungen, für ihn die Glocke über die Alpen zu tragen. Als die Neuansiedler ihre erste Kirche bauen wollten, wurde das Fundament immer wieder abgetragen. Ein freilaufendes Ochsengespann zeigte ihnen dann den richtigen Platz für ihren Kapellenbau.

  • «S Plankner Fölli»

    Das Land Liechtenstein hat 11 Gemeinden. Die Einwohner haben neben ihrem Gemeindenamen auch einen Übernamen. Die Bewohner von Planken, wahrscheinlich Nachkommen der Walser, sind zu ihrem «Plankner Fulli» gekommen, weil einer von ihnen ein Fohlen aus einem Kurbisei ausgebrütet hat.