Bist du sexuell gesund?

Am 4. September ist Welttag für sexuelle Gesundheit, Du hast wohl keine Ahnung, was das bedeutet. Dann wird’s höchste Zeit, dass dich Sexual- und Psychotherapeutin Dania Schiftan aufklärt.

Sexuelle Gesundheit Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Colourbox

Denkst du an «sexuelle Gesundheit», kommen dir wohl als erstes sexuell übertragbare Krankheiten in den Sinn. Keine Angst, ging mir bis vor wenigen Tagen auch so. Vor allem, weil momentan vor allem Chlamydien bei uns stark verbreitet sind. Und eine Krankheit haben, die mich unfruchtbar machen kann? Nein danke. Also heisst sexuelle Gesundheit: verhüten, sich schützen! Oder? Das ist noch lange nicht alles, erklärt Dania Schiftan, selbstständige Sexual- und Psychotherapeutin: «Es gibt zum Beispiel sexuelle Rechte, die sogar im Gesetz verankert sind.»

Zu diesen «sexuellen Rechten» gehören beispielsweise Gleichstellung und Gleichberechtigung: «Wenn jemand wegen seines Geschlechts nicht eingestellt wird, ist das sexuelle Recht verletzt.» Selbst entscheiden zu können, Privatsphäre geniessen zu dürfen und mit Würde behandelt zu werden, machen ebenfalls bedeutende Teile des sexuellen Rechts aus. Dinge, die für uns eigentlich selbstverständlich scheinen – es leider aber noch lange nicht für alle sind.

Sexualität ist lernbar

Neben eben diesen nicht immer eingehaltenen Rechten sei für die sexuelle Gesundheit essentiell, dass sich jeder Mensch als sexuelles Wesen wahrnehmen darf und dies auch tun soll.

«  Sexualität ist nichts Unveränderbares, das man einfach hat. Deshalb ist es wichtig, dazuzulernen und etwas investieren zu wollen. »

Dania Schiftan
Sexual- und Psychotherapeutin

Doch einfach sexuell aktiv zu sein, ist nicht genug: «Wer sexuell gesund lebt, erlebt seine Sexualität mit Freude und kann für sich selbst etwas herausholen, das ihm gut tut.»

Ja, du hast richtig gelesen: Hast du keinen Spass am Sex den du hast – ob alleine oder mit anderen – ist deine sexuelle Gesundheit nicht wirklich auf der Höhe. Aber was klar ist; um Sexualität zu geniessen, muss ich mich in meinem eigenen Körper wohlfühlen. Doch wie erreicht man dieses Wohlbefinden? Ist schliesslich nicht immer ganz einfach… «Je mehr man sich lust- und genussvoll berührt, desto weniger kommt's drauf an, wie man aussieht. Jeder Körper ist anders und grandios, so wie er ist.», versucht Dania Schiftan Mut zu machen. «Aber gerade Trends wie Schamlippenverkleinerungen laufen auf einer völlig anderen Spur als sexuelle Gesundheit», so Schiftan weiter, «denn dabei geht es lediglich um die Ästhetik und nicht ums Spüren.» Und plötzlich hört sich dieses Wohlfühlen ganz einfach an, denn es heisst für mich so viel wie: Stay natural and wank some more!

Damit ist’s aber nicht getan. Wer etwas für seine sexuelle Gesundheit tun will, muss up-to-date sein – das bedeutet auch, mal nachzufragen, ganz egal ob bei Familie, Freunden oder wenn du dich gar nicht traust, im Internet. In der Schweiz gibt’s dafür zum Beispiel die Institution Lilli, eine anonyme Online-Beratungsplattform, auf der dir alle Fragen rund um Sexualität und Gesundheit beantwortet werden. Auch Dania Schiftan findet: Wir dürfen sexuelle Gesundheit nicht vernachlässigen und müssen uns mehr damit befassen – alle. Viel öfters.

Es gibt Nachholbedarf – auch in der Schweiz

Auch wenn du das Gefühl hast, in der Schweiz werde sehr auf die sexuelle Gesundheit geachtet – du liegst falsch. Denk schon nur an die oben bereits erwähnte Gleichstellung.

«  Wir dürfen nicht denken, dass wir an einem Ort leben, an dem sexuelle Gesundheit selbstverständlich ist. Auch bei uns gibt es noch vieles, das Aufklärungs- und Investitionsbedarf hat. »

Dania Schiftan
Sexual- und Psychotherapeutin

«Es ist wichtig, dass wir Sexualität noch mehr in ein positives Licht rücken und aufhören, nur hinter vorgehaltener Hand darüber sprechen. Es passiert immer noch einiges, das gegen die Rechte und die Gesundheit vieler Menschen geht», fordert Schiftan.

Kurz: Sexuelle Gesundheit geht weit über Krankheiten hinaus – und muss mehr zum Thema werden; überall. Denn was nicht besprochen wird, wird sich nicht verbessern.