Fantasy Basel Cosplay zwischen Softerotik und Handwerk

Die Cosplayerin Tabitha Lyons stellt raffinierte Requisiten her, zeigt aber auch viel nackte Haut in sozialen Medien. Der Basler Kureiji kam dank Softerotik-Cosplay zu dieser Subkultur. Wo hört denn beim Cosplay das Handwerk auf, wo beginnt die Softerotik? Beide zeigen: die Übergänge sind fliessend.

Brüste verkaufen sich auch im Cosplay gut: Profi-Cosplayerinnen wie Jessica Nigri oder Yaya Han zeigen ihre Ausschnitte und Beine auf sozialen Medien, viele ihrer Kostüme sind noch aufreizender als im Original – Klicks garantiert. Doch im Cosplay geht es nicht nur um Ausschnitte, Brüste und nackte Haut. In den Wettbewerben etwa stehen die Kunstfertigkeit und die Präsentation im Vordergrund.

Weniger nackte Haut, bitte

Auch die Fantasy Basel stellt das handwerkliche Geschick ins Zentrum: «Wir wurden von Cosplayerinnen und Cosplayern gebeten, zum Beispiel auf Facebook nicht nur offenherzige Bilder zu zeigen», wie die Medienverantwortliche Sabrina Stoffel bestätigt. Dass die Veranstalter also den Cosplay-Teil weniger mit Brüsten bewerben, sondern mit der Handwerkskunst.

Darauf fokussieren auch verschiedene Workshops an der Convention. Das kleine Unternehmen Artyfakes aus England stellt professionelle Requisiten her, ein Familienbetrieb, der aus Tabitha Lyons und ihren Eltern besteht. In einem Workshop an der Fantasy Basel zeigen sie und ihr Vater, wie aus wenigen Materialien ein kunstvolles Schwert entstand.

Lyons: Authentische Kostüme sind am wichtigsten

Eine Cosplayerin stellt einen Videospielcharakter dar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tabitha Lyons als D.Va aus Overwatch SRF Digital

Auch Tabitha Lyons ist seit 2012 Cosplayerin: Für die Fantasy Basel präsentiert sie sich an ihrem Stand in verschiedenen Outfits, verkauft Bilder von Fotoshootings und lässt sich mit Fans ablichten. Am ersten Tag erscheint sie im engen Bodysuit von D.Va, einer «Overwatch»-Figur. «Ich versuche, im Vorfeld das Publikum einer Convention einzuschätzen, was genau ausgestellt wird. Danach entscheide ich mich für das Outfit. Ein Schwerpunkt hier sind Games, und so habe ich D.Va ausgewählt», erklärt sie die Wahl für den ersten Tag an der Fantasy.

Bei ihren Kostümen steht die Authentizität im Vordergrund. Kostüme abzuändern wie Yaya Han oder Jessica Nigri, damit sie sexier erscheinen, kommt für sie beim Cosplay nicht infrage. Ist das Original jedoch schon leicht bekleidet – was häufig vorkommt –, so übernimmt sie das auch, etwa bei ihrem Cosplay von Red Sonja. Diese trägt eine «Bikini-Rüstung», ein fast schon legendäres Kleidungsklischee für Frauenfiguren.

Mehr Haut erlaubt beim «Modeling»

Wo sie hingegen viel Haut zeigt, ist beim «Modeling», wie sie es selber bezeichnet: Fotoshoots, bei denen sie aufreizend posiert, und die auf ihren Körper fokussieren, anstatt auf die Kostüme. Die Resultate publiziert sie auf Instagram oder via andere Kanäle. Und das ist für sie in Ordnung – als ehemalige Tänzerin präsentiere sie gerne ihren Körper.

Die offenherzigen Fotos sind jedoch nicht nur reiner Spass: Sie generieren online viel mehr Klicks als Bilder von wirklich kunstvollen Requisiten. «Es nervt mich und meinen Vater, wenn ein Porträt von mir viel mehr Reaktionen erzeugt, als ein Foto von einem Requisit, das monatelange Arbeit bedeutete», meint sie.

Lyons lacht, wird aber gleich wieder ernst: Denn so funktioniere das Geschäft nun mal. Artyfakes ist ein kleiner Familienbetrieb von drei Personen, der überleben muss. «Wir müssen beides tun, sonst schaut sich niemand die Requisiten an – letztlich gilt: Sex sells», erklärt sie. Und so ist sie auf den sozialen Medien sowohl in aufreizender Pose zu sehen, als auch beim Requisitenbau im bequemen, verfleckten T-Shirt.

Der Kniff scheint jedoch zu funktionieren, Interessierte mit aufreizenden Bildern zum Cosplay und den Requisiten zu locken. Kureiji, mit bürgerlichem Namen Sandro Chiaravalle, ist genau so zum Cosplay gekommen: Die sexy Bilder haben ihn angezogen.

Ein sexy Pikachu. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sexy Cosplay Ein von Jessica Nigri inspiriertes Pikachu-Kostüm. SRF Digital

«Ich habe viele Jessica-Nigri-Videos und andere geschaut. Ihre Outfits haben mich wirklich umgehauen, und ich dachte, whoa!, das will ich auch machen!».

Es hat funktioniert: Seit ein paar Jahren ist er begeisterter Cosplayer, entwirft selber Kostüme, bastelt in seiner Freizeit pausenlos an Requisiten und amtet mittlerweile auch als Jury-Mitglied bei Wettkämpfen.

«  Came for the boobs, stayed for the cosplay »

Sandro Chiaravalle
Kureiji Cosplay

Er ist sich jedoch durchaus bewusst, dass der Körperkult im Cosplay zu unfairen Situationen führen kann. Ein Beispiel: «Eine Cosplayerin hatte nicht den gleichen Körper wie die Originalfigur, hatte aber eine Top-Rüstung, handwerklich echt hervorragend. Ein paar Meter weiter stand eine andere, die sich – böse gesagt – einen lieblos gebastelten Fetzen übergeworfen hatte. Um diese mit mehr Haut scharten sich alle, und diejenige mit dem besseren Cosplay war alleine».

Cosplay: Spass haben ist am wichtigsten

Auch wegen der Fantasy Basel ist die Cosplay-Szene einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden – sie ist professioneller geworden und damit auch diverser.

Ein Drache mit Kufen und riesigen Flügeln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Warten für den Cosplay Contest Höhepunkt des Tages ist der Cosplay Contest, bei dem sehr aufwendige Kostüme auf der Bühne präsentiert werden. SRF Digital

Das heisst auch: Die Übergänge zwischen Cosplay, Softerotik und Porno sind fliessend, je nachdem, was bei dieser Diversität im Vordergrund steht.

Ein beliebtes Porno-Genre sind etwa solche mit Gamefiguren – gerade «Overwatch» (2016) hat letztes Jahr wieder zahlreiche Pornofantasien beflügelt. Und D.Va gehört da ebenso dazu wie der Evergreen Lara Croft.

Das wäre das andere Extrem der Softerotik-Bilder von Nigri und Co. Beim Cosplay hingegen stehen für Kureiji und Tabitha Lyons vor allem eins im Vordergrund, wie beide immer wieder betonen: Spass haben! Egal, welcher Körper, egal welche Figur, jede und jede soll Spass daran haben, das eigene Werk zu präsentieren und in der Lieblingsfigur herumzulaufen. Und das war auch an der Fantasy Basel gut zu erkennen.