Hollywood und das stumme Geschlecht

Zwei amerikanische Datenjournalisten haben 2000 Filmdrehbücher analysiert. Das Ergebnis: Frauen dürfen in Filmen viel weniger sprechen als Männer. Noch immer gibt es in Hollywood einen tiefen Graben zwischen Mann und Frau. Die Gleichstellung ist hier wohl noch nicht angekommen...

Eine Comic-Frau mit einer leeren Sprechblase. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hier sollte eigentlich etwas stehen. Aber die weibliche Sprechzeit war schon aufgebraucht. Flickr

Eine Tabelle, die zeigt, das Filme, in denen Frauen mehr als 90% der Sprechzeit haben, rar sind. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Sprechzeit aufgeteilt nach Geschlecht. Filme, in denen Frauen mehr als 90% der Sprechzeit haben, sind rar. Polygraph

Hanah Anderson und Matt Daniels vom Online-Medium Polygraph haben 2000 Drehbücher nach Sprechzeit und Geschlecht analysiert - und dabei Personen mit mehr als 100 Wörtern berücksichtigt. Das Ergebnis: Frauen sprechen in Hollywood deutlich weniger!

Frauen schweigen öfter

In 22 von 30 analysierten Disney-Filmen haben männliche Figuren mehr Sprechzeit. Selbst in Filmen mit einer weiblichen Hauptfigur! Ähnlich verhält es sich mit romantischen Komödien. 58% der Wörter werden von Männern gesprochen, inklusive solcher mit weiblichen Hauptdarstellerinnen. Anderson und Daniels nennen als Beispiel «Pretty Woman» und «10 Dinge, die ich an dir hasse»: 52% der Sprechzeit gehören den männlichen Figuren. In rund 1500 Filmen von den 2000 sprechen Männer mehr, Frauen in rund 200.

Eine Tabelle. Mehr nicht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Beim Alter gibts auch Unterschiede. Junge Frauen dürfen mehr sprechen als alte, bei den Männern ist es umgekehrt. Polygraph

Je älter, desto stummer

Die beiden Autoren haben ausserdem festgestellt, dass die Sprechzeit bei männlichen Schauspielern mit dem Alter zunimmt (siehe Bild). Bei Schauspielerinnen ist es genau umgekehrt.

Frauen verdienen auch weniger

Im Zuge eines Hackerangriffs auf Sony wurde 2014 bekannt, dass die weiblichen Schauspielerinnen bei der Produktion von «American Hustle» deutlich weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen. Die Haupt(!)darstellerin Jennifer Lawrence wurde nur mit 7% am Gewinn beteiligt, die Co-Stars Christian Bale, Jeremy Renner, Bradley Cooper und David O. Russell dagegen mit 9%.

Frauen erhalten allgemein weniger Rollen

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Achtung:

Die Daten von Anderson und Daniels seien laut eigenen Angaben nicht repräsenativ, da die Drehbücher nach Verfügbarkeit ausgewählt wurden und im fertigen Film allenfalls noch Dialogszenen herausgeschnitten oder verändert wurden.

Eine Studie der USC Annenberg in Amerika untersuchte 700 Filme von 2007 bis 2014: Nur 11% hatten eine gleiche Rollenverteilung. Im Jahr 2014 waren in 100 Filmen beispielsweise nur 28,1% der Rollen weiblich. Nur 21 Filme davon hatten eine weibliche Hauptfigur und keine Frau war über 45.

Genug von Stereotypen

Auch der Filmproduzent Ross Putmann («First Girl I loved») hat genug von der stereotypischen Frauendarstellung und twittert unter @femscriptintros Auszüge aus Drehbüchern, in denen Frauenrollen beschrieben werden. Die Quintessenz: Frauen müssen schön sein, selbst wenn sie gerade vermöbelt wurden.