Stimmenzähler: Anekdoten aus dem langweiligsten Job der Welt

Es gibt wichtige Jobs, die aber total unspannend sind. Stimmenzähler zum Beispiel. Was machen die eigentlich? Wir haben gleich zwei Jungs im Team, die sich damit auskennen: Danias und Luca. Und die erzählen, wie das so ist als Stimmenzähler. (Vorsicht: Der Artikel könnte Spuren von Humor enthalten!)

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Bildlegende: Stimmenzähler: Die reinste Folter oder lohnt sich dieses Jöbbli am Ende noch? Keystone

Könntest du die Wahlergebnisse manipulieren?

Luca Bruno arbeitet seit 10 Jahren als Stimmenzähler in der Stadt Basel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Luca Bruno arbeitet seit 10 Jahren als Stimmenzähler in der Stadt Basel. SRF

Luca Bruno: Ehm, ich glaube schon. Wir sind immer 150-200 Stimmenzähler. Wenn ich da einfach einen Stapel Zettel verschwinden lassen oder reinschmuggeln würde, das würde wohl nicht auffallen. Aber so etwas würde ich nie machen!

Danias Dietziker: Ich habe in der kleinsten Gemeinde des Kantons Zug gezählt. Das sind rund 1300 Stimmberechtigte. Auf der Strasse grüsst man sich und sowieso: Man kennt sich. Rechtschaffene Bürger machen so etwas nicht.

Was schreiben Leute auf die ungültigen Stimmzettel?

Danias Dietziker verdiente sich als Stimmenzähler während der Gymi-Zeit ein Sackgeld dazu. Und zwar in Neuheim, der kleinsten Gemeinde des Kantons Zug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Danias Dietziker verdiente sich als Stimmenzähler während der Gymi-Zeit in Neuheim ZG ein Sackgeld dazu. SRF

Luca: Ich glaube, ich hatte noch nie einen Stimmzettel mit einem positiven Statement drauf in der Hand. Da stehen nur Sachen wie «raus mit den Ausländern», «Ich wähle Hitler», «Ich wähle Roger Federer» oder «Diese Abstimmung - nur über meine Leiche!».

Danias: Ich erinnere mich nicht an einen ungültigen Stimmzettel. Einmal hatten wir die gleiche Handschrift auf zwei Zetteln. Da mussten wir schnell diskutieren. Aber sonst war alles superkorrekt.

Welche Qualifikationen muss man als Stimmenzähler mitbringen?

Luca Bruno: Man muss Hände haben und es ist sicherlich von Vorteil, wenn man lesen kann. Sonst wird es dann bereits bei einfachen Abstimmungen relativ schwierig.

Danias Dietziker: Man muss sich in regelmässigen Abständen gute Gesprächsthemen ausdenken können, damit man sich nicht stundenlang anschweigt (so nach dem Motto: «Und, laufts?» - «Ja, s'mues gäll, s'mues...»). Sonst vergeht die Zeit nie und man setzt irgendwann Schimmel an.

Ist Stimmenzähler der langweiligste Job der Welt?

Luca: Stimmenzähler ist definitiv der langweiligste Job der Welt.

Danias: Es wird viel rumgesessen und es passiert relativ wenig. Das stimmt.

Lohnt es sich wenigstens aus irgendwelchen Gründen?

Luca: Man verdient über 30 Franken in der Stunde und es gibt sogar noch ein kostenloses Mittagessen. Was will man mehr?

Danias: Was? Mittagessen gibts bei euch?! Bei uns gab's das nicht. Aber ich habe schon für weitaus weniger Geld gearbeitet. Man kann sich da wirklich einen schönen Zustupf verdienen.

Was hast du aus deiner Zeit als Stimmenzähler fürs Leben gelernt?

Luca: Nichts.

Danias: Dass der Stimmenzähler ebenfalls ein politisches Amt ist, mit einer 4-jährigen Legislatur und nicht einfach ein Handlanger, der Sisyphuss-Arbeit verrichtet. Obwohl....