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Battle-Royale Warum «Fortnite» grösser wird als «PUBG» je war

Virtuelle Hunger Games sind unter Gamern gerade voll im Trend. Der letzte Überlebende auf der Insel sein, das wollten letztes Jahr Millionen Spieler in «PlayerUnknown's Battlegrounds» (PUBG). Nun will auch «Fortnite» diese Last-Man-Standing-Erfolgswelle reiten – mit überwältigendem Erfolg.

Roh, roher, Battle Royale

Das «Battle Royale»-Genre ist ein Multiplayer-Spiel, das nur eine Regel kennt: Wer als Letztes übrig bleibt, gewinnt. Ein Genre, das seine Fans bis vor Kurzem vor allem unter Liebhabern fand. Doch spätestens seit den Büchern und dem Film zu «Hunger Games» (dt. «Die Tribute von Panem») müsste jedem klar sein, dass in diesem brutal anmutendem Konzept viel Potential steckt.

Das dachte wohl auch das südkoreanisches Gamingstudio Bluehole, das Adam Greene, auch bekannt als PlayerUnknown's, ein einmaliges Angebot machte. Der Mann, der bis zu jenem Zeitpunkt für viele dieser Liebhaber-Battle-Royale-Spiele verantwortlich war, soll sein Traumspiel mit dem Bluehole-Team entwerfen.

Anfangs 2017 war «PlayerUnknown's Battlegrounds» auf Steam erhältlich. Obwohl erst in der frühen Entwicklungsphase, entstand ein riesiger Hype mit einer treuen und rekordverdächtig grossen Fangemeinschaft. Diese zahlte nicht nur bereitwillig für ein unfertiges Spiel, sondern drückte auch bei so manchem Pixelzucken auf dem Bildschirm die Augen zu.

Vom Jäger zum Gejagten

Das Game ist nun offiziell erschienen, im Dezember 2017 haben sich über drei Millionen Spieler gleichzeitig auf den Schlachtfeldern von «PUBG» getroffen. Das ist nur eine dieser Traumzahlen, die Bluehole im letzten Jahr ausweisen konnten. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Im September 2017 ist mit «Fortnite: Battle Royale» ein ernst zu nehmender Konkurrent auf den Bildschirmen erschienen.

Und «Fortnite» wächst schnell und bedrängt so den Platzhirschen «PUBG». Nicht zuletzt deswegen werfen die «PUBG»-Entwickler den Fortnite-Leuten vor, ihre Spielererfahrung einfach kopiert zu haben. In der Zwischenzeit spricht der Erfolg von «Fortnite» für sich: Mitte Januar loggten sich bereits zwei Millionen Spieler gleichzeitig auf den Servern ein.

Und die Zeichen stehen gut, dass «Fortnite» im 2018 sogar noch grösser wird als es «PUBG» je war. Dafür sprechen gleich mehrere Gründe.

Im Vergleich zu PUBG ist Fortnite ...

In PUBG startet man im Militärflugzeug - in Fortnite im Partybus... das verdeutlicht wie unterschiedlich diese Spiele sind.
Legende: Militärlook vs. Comicstil: Zwei Stile, selbes Spielprinzip. Screenshot, SRF Digital

... vielfältiger ...

Das Spielprinzip von «PUBG» fokussiert nur auf ein Ziel: Waffen und Ausrüstung sammeln, mein Team überlebt, alle anderen sterben. Schlicht, einfach, brutal – das liebt die eingefleischte Fangemeinde. Änderungen? Unerwünscht: Die im Dezember neu eingeführte Wüstenkarte Miramar beispielsweise haben viele bereits wieder deinstalliert.

In «Fortnite: Battle Royale» gibt es jedoch mehr zu tun als Waffen zu sammeln und zu schiessen. Der grösste Unterschied ist die Spitzhacke von «Fortnite». Ähnlich wie in Minecraft lässt sich alles auf der Karte komplett abbauen. Dafür gibt es Baumaterialien, die man anderswo wieder einsetzten kann. Idealerweise, um ein Fort zu bauen, wie der Name bereits verrät, doch der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sammeln, schiessen UND bauen also.

Mit wenigen Bauelementen kann man sich in Fortnite alles mögliche zusammenbauen - ganz nach dem Lego Prinzip.
Legende: Der Turmbau zu Babel Jeder kann bauen, was er will: Eine Treppe? Ein Fort? Ein Aussichtspunkt? Kein Problem! Screnshot, SRF Digital

... abwechslungsreicher …

Wer in den umtriebigen Online-Kämpfen an seine persönliche Frustbarriere fährt, dem bietet Fortnite auch eine entspannte Alternative. Der Modus «Fortnite: Rettet die Welt», ist das ursprüngliche Kerngame und bereits Monate vor «Fortnite: Battle Royale» erschienen. Hier spielen wir ebenfalls mit einem Team, jedoch gegen den Computer: Wir müssen unsere Basis gegen computergesteuerte Zombies verteidigen.

... knackiger...

Die Insel, über der wir in «PUBG» mit 99 anderen Mitspielern abspringen, ist rund 64 km2 gross und bietet sehr viel Platz zum Taktieren. Wir können einen VW-Bus fahren, ein Motorrad stehlen oder ein Schnellboot kapern, um uns über das Schlachtfeld zu bewegen. Auch wenn sich der Spielbereich im Laufe des Spiels immer weiter eingrenzt, geht eine Runde locker auch mal 30 Minuten oder mehr.

Die beiden Karten von PUBG und Fortnite im Vergleich.
Legende: Ganz andere Dimensionen: Die Insel in PUBG ist rund 8 Mal so gross wie die in Fortnite, was auch für ein ganz anderes Spieltempo sorgt. Screenshot, SRF Digital

In «Fortnite» trifft man viel schneller auf seine 99 Mitspieler. Die ganze Insel misst nur rund 1 km2. Somit ist man eigentlich immer im Gefecht oder kurz davor. Fahrzeuge sind da überflüssig. In 30 Minuten schnell ein paar Runden zocken? Mit «Fortnite» kein Problem.

... massentauglicher...

In «PUBG» gibt es nicht viel zu lachen: Mit Militärausrüstung kämpfen wir möglichst gut getarnt durch die Landschaft und sammeln passende Mündungsaufsätze, Visiere oder Munitionshalter für unsere Waffen. Dabei sind die Animationen weder schön noch laufen sie rund. Doch wer «PUBG» spielt, dem sind andere Dinge wichtig.

In «Fortnite» weht ein anderer Wind. Das ganze Spiel ist im Comicstil gehalten und es gibt lustige Weihnachts- oder Discokostüme. Wie gut eine Waffe ist, entscheiden hier nicht die passenden Aufsätze, sondern ob sie grau, grün, blau, violett, orange oder gar golden sind. Ja, «Fortnite» kommt ziemlich bunt daher für ein so «brutal» anmutendes Spiel. Und damit auch jedem klar ist, dass man es nicht ganz so eng sieht, wird ständig getanzt, Link öffnet in einem neuen Fenster!

Ernst in «PUBG», Spass in «Fortnite»: Das wirkt sich auch auf die Massentauglichkeit aus. Während «PUBG» erst ab 16 Jahren freigegeben ist, kann «Fortnite» bereits ab 12 Jahren gespielt werden und verfügt somit allein deswegen über eine grössere Zielgruppe.

... und das Killerargument zum Schluss!

«Fortnite: Battle Royale» ist free-to-play! Das macht es natürlich schwer, einen Zahlenvergleich mit «PUBG» überhaupt zu rechtfertigen. Aktuell kostet nur der «Fortnite: Rettet die Welt»-Modus. Doch auch das soll sich 2018 mit dem offiziellen Release ändern, denn noch ist das Game in seiner Early-Access-Phase. PUBG hingegen ist mittlerweile offiziell erschienen, kostet rund 30 Franken und ist erst noch auf weniger Plattformen verfügbar als «Fortnite».

Wie sieht die Zukunft aus?

Wahrscheinlich wird «PUBG» also bald von «Fortnite» überholt. Das dürfte bei diesen Voraussetzungen auch nicht erstaunen. Auf was «PUBG» bisher aber immer bauen konnte, ist seine starke Community, die wohl auch in Zukunft geduldig abwartet und vor allem zu ihrem PlayerUnknown's hält, dem ursprünglichen Erfinder des Games.

In Zukunft wird wohl auch noch mehr Konkurrenz ein Stück des Kuchens abhaben wollen. Seit kurzem kursieren Gerüchte, dass auch das neue «Red Dead Redemption 2» mit einem Battle-Royale-Modus ausgestattet sein soll.

Ich denke, es hat mehr als genug Platz für mehrere solcher Spiele und, um schliesslich doch noch eine Battle-Royale-Analogie einzubauen: Möge das bessere Game gewinnen!

«Fortnite» läuft auf PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows und MacOS. «PUBG» läuft auf Windows und der Xbox One.

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