E-Sports «League of Legends» beschwört Drachen und begeistert Millionen

Die LoL-World-Championship 2017 war der grösste E-Sport Anlass, den die Welt gesehen hat. Insgesamt 80 Tausend Zuschauer haben am Samstag im Olympiastadion in Peking das Spektakel verfolgt, bei dem sogar ein Drache vom Stadion-Dach geflogen ist.

Vor 2 Jahren hat die Weltmeisterschaft in Frankreich stattgefundne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: World Championship in Frankreich Nicht nur in Asien ist E-Sport beliebt! Keystone

Es war ein spektakuläres Finale der «League of Legends»-Weltmeisterschaft, obwohl von Anfang an klar war, dass auch in diesem Jahr wieder ein südkoreanisches Team gewinnen wird. Bereits zum fünften Mal in Folge geht der Pokal in das Land der Morgenstille, daran hat sich auch 2017 nichts geändert.

Nichtsdestotrotz gab es vergangenen Samstag ein paar Überraschungen im Finale. Angefangen vom virtuellen Drachen, der plötzlich vor den Augen der 80 Tausend Zuschauer im Olympiastadion erschien bis zum Ausgang der hart umkämpften Spiele mit bitteren Tränen.

Denn zum allerersten Mal hat der dreifache Weltmeister, das Team SK Telecom T1 (SKT), nicht gewonnen. Der Gegner, das Team Samsung Galaxy (SSG), ebenfalls aus Südkorea und ebenfalls bereits Weltmeister (2014), wurde zwar als Underdog gehandelt, war dann im Finale aber klar überlegen.

Nach einem Monat voller Wettkämpfe rund um die Weltmeisterschaft, hat das Team SSG sich gegen 23 Konkurrenten aus insgesamt 13 Nationen erfolgreich durchgesetzt. Sie nehmen nicht nur den Weltmeisterschaftstitel erneut nach Südkorea mit, sondern auch 1,7 Millionen USD. Ein Schweizer Spieler war allerdings auch in diesem Jahr wieder in keinem Team vertreten.

Spielend Geld verdienen

Auch wenn die Weltmeisterschaft dieses Jahr in China stattfindet, ist die Popularität des E-Sports schon lange kein asiatisches Phänomen mehr. 43 Millionen Zuschauer verteilt über die ganze Welt schauten letztes Jahr übers Internet zu, als das Finale in L.A. ausgetragen und in 18 Sprachen übertragen wurde.

Das Finale wird im sogenannten Vogelnest stattfinden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Olympia Beijing National Stadion Der Austragungsort fürs Finale am Samstag war ausverkauft. Keystone

Auch das berühmte «Vogelnest», das Olympiastadion in Peking, wo das Finale am Samstag stattfand, war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Nie zuvor hat ein E-Sport-Anlass so ein grosses Stadion gefüllt.

Sympathisch: Riot Games, die Macher von League of Legends, spenden rund 25 Prozent aus den Einnahmen an drei Charities. Welche Organisation wieviel Geld erhält, dafür konnten die League of Legends Spieler online abstimmen.

Aus Spiel wird Ernst

Statt arbeiten oder lernen den ganzen Tag gamen – das klingt verlockender als es ist. Denn aus Zeitvertreib wird für die Profis harte Arbeit. Neben täglich stundenlangem Training am PC müssen die Gamer auch an ihrer Kondition arbeiten und auf die Ernährung achten – so wie Athleten in anderen Sportarten eben auch. Gamen auf professionellem Level ist Spitzensport.

Hinzu kommt die psychische Belastung und der Druck der Öffentlichkeit. Faker, aus dem Team SKT, der als weltbester «League of Legends»-Spieler gehandelt wird, ist nach der Niederlage im Finale in Tränen ausgebrochen.

Mittlerweile dürfte er aber wieder lächeln können. Nur einen Tag später hat er auf der Live-Streaming-Plattform Twitch den Rekord für den meistgesehenen Live-Stream gebrochen. Über 245'000 Zuschauer sahen dem überwiegend schweigenden Südkoreaner zu, wie er erstklassiges «League of Legends» spielt.

E-Sport begeistert Millionen und kann mit dem «realen» Spitzensport mithalten, das sehen offenbar auch die Organisatoren der olympischen Spiele 2024 in Los Angeles so. Sie überlegen sich, auch E-Sport als Disziplin ins Programm aufzunehmen. So will man bei einem jüngeren Publikum punkten und das Interesse für den traditionsreichen Anlass wecken.

Während die Amerikaner noch zögern, haben die Chinesen bereits entschieden: An den Asian Games 2022 in China gibt es eine E-Sport-Medaille zu gewinnen.