Game-Review «Dishonored: Death of the Outsider»: Munteres Morden mit Meagan

«Dishonored 2» (2016) begeisterte schon die ganze Digital-Redaktion – nun erhält Nebenfigur Meagan Foster ihre eigenes Kapitel. Als Auftragsmörderin führt sie ihren letzten, grossen Auftrag aus: Einen Gott ermorden. Das ist zwar mehr vom Gleichen, trotzdem fordern wir: Mehr Meagan, bitte!

Nochmal vorneweg: «Dishonored: Death of the Outsider» bietet nicht viel Neues.

Alles andere ist wert, hier erwähnt zu werden.

Schliesslich spielen wir Billie Lurk, die uns im Hauptgame «Dishonored 2» als einarmige und einäugige Walfängerin Meagan Foster zur Seite stand. Diese Beschreibung allein klingt abenteuerlich genug für ein eigenständiges Game. Aber Foster ist noch mehr: Das Ende von «Dishonored 2» deckte auf, wer sie tatsächlich war – Billie Lurk, aufgewachsen in der Gosse, aufgezogen von ihrem Mentor Daud, aufgestiegen zur gefürchtetsten Auftragsmörderin von Karnaca.

Mit Billie kehren wir nun nach Karnaca zurück und suchen Daud, mit dem wir in guten alten Zeiten die Stadt unsicher machten. Doch «gut» ist vorbei, Daud ist nun wirklich alt und bittet uns um einen letzten Job: den Outsider töten, einen Gott, der uns schon in «Dishonored 2» besserwisserisch auf die Nerven ging.

Vertraute Welten, vertraute Spielweise

Was folgt, sind die üblichen Eckpunkte einer klassischen, linearen Handlung, angereichert mit einem Schuss Mythologie: Mysteriöser Kult, Menschenversuche, Bankraub, Abstecher in das Abwassersystem, fanatische Gläubige.

Standardelemente, wie sie in viel zu vielen anderen Games vorkommen. Auch das Leveldesign beeindruckte mich kaum. Ich vermisste die Innovation, mit der mich «Dishonored 2» immer wieder überraschte, die verschachtelte Villa des Erfinders Kirin Jindosh etwa. Letztlich sind diese Grenzen aber in Ordnung: «Death of the Outsider» ist ein Zusatz und kein komplettes Spiel.

Auf dem Dach des Royal Conservatory Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wir kehren auch zu bekannten Orten zurück, etwa das «Royal Conservatory». Screenshot SRF Digital

Trotzdem bin ich einfach gerne in dieser Welt, schleiche durch die Strassen, erfahre mehr über das Leben in Karnaca und ergötze mich an den wunderschönen Steampunk-Interieurs. In «Death of the Outsider» bewegen wir uns vor allem in einem unbekannten Stadtteil, kehren aber auch an vertraute Orte zurück und sagen den ausgestopften Eulen des königlichen Archivs Hallo. Es gibt also einiges zu entdecken.

Munteres Meucheln

Auch die Spielweise ist etwas anders: Billie Lurks neue Fähigkeiten passen zu ihrer Rolle als Mörderin. Beispielsweise kann sie in Geisterform Gegner auskundschaften, und im Gegensatz zum vollen Game entwickeln sich ihre Fähigkeiten nicht weiter. Optionale Verträge ergänzen die Hauptmission, ein guter Grund, noch länger in dieser schönen Welt zu verweilen.

Ein Wächter sehen wir durch Wände hindurch, golden eingefärbt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit «Foresight» können wir Gegner ausspähen. Screenshot SRF Digital

Der französische Entwickler Arkane hat die Spielmechanik also weiter verfeinert und poliert, was für ein weiteres Dishonored-Kapitel sinnvoll erscheint. Die unbegrenzte Freiheit hingegen ist geblieben, dass wir Missionen auf jede nur erdenkliche Art erfüllen können – einer der Gründe, weshalb ich die Dishonored-Reihe so mag.

Eine weitere Änderung betrifft ebenfalls die Spielweise: In «Dishonored 2» beeinflussten unsere Handlungen über ein «Chaos-System» auch den weiteren Spielverlauf. Egal, ob wir nun viele Gegner mit viel Brimborium töten oder ungesehen herumschleichen und sie nur bewusstlos schlagen – in «Death of the Outsider» hat das keine Konsequenzen mehr.

Mehr Billie, bitte

Doch: Das «Chaos-System» verfehlte bei mir von Anfang seine Wirkung. Viel mehr beeinflusste die Hintergrundgeschichte der Figuren, wie ich sie spielte, so auch bei Billie Lurk. Sie, die im Gegensatz zur Regentin Emily Kaldwin ihre Kindheit mit den Ratten teilte und mit Daud gemeinsam die Unterwelt rockte.

Billie Lurks Fähigkeiten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Billie Lurk hat weniger Fähigkeiten als Emily Kaldwin bzw. Corvo Attano, dafür gleich von Anfang an alle. Screenshot SRF Digital

Ihre Herkunft verleitete mich dazu, das Game anders zu spielen als mit Emily: Um einen verheissungsvollen Auftrag zu erfüllen, mordete ich mich fröhlich durch einen gesamten Level, statt Rücksicht auf die eigenen Untertanen zu nehmen, wie ich es mit Emily getan hätte. Die Geschichte einer Figur, die meine Spielweise prägt: klasse!

Billie Lurk ist aber auch wegen eines anderen Trends bemerkenswert: Es scheint, als würden grosse Entwickler mit Zusatzkapiteln wie «Death of the Outsider» testen, ob sich Action-Games mit nur weiblichen Hauptfiguren auf dem Markt bewähren. Etwas Ähnliches sahen wir schon beim neusten Zuwachs der «Uncharted»-Reihe, in der das Frauen-Duo Nadine und Chloe zeigt, wie Abenteuer erleben richtig geht. Wenn das also die Vorboten für noch mehr Action-Games mit solchen Frauenfiguren sind, dann ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Das Add-on beendet zudem laut Arkane den gesamten Erzählbogen rund um Emily, ihren Vater Corvo und den Outsider. Das neue Kapitel dient also in mehrfacher Hinsicht auch als Experiment für zukünftige Games der Dishonored-Reihe. Und falls dies noch mehr Billie Lurk bedeutet, falls «Death of the Oustider» die köstliche Vorspeise war für ein üppiges Festmahl eines kompletten Billie-Lurk-Abenteuers, kann ich nur sagen: Nachschlag, bitte!

«Dishonored: Death of the Outsider» läuft auf Windows, PS4 und der Xbox One. Es läuft auch ohne das Hauptgame «Dishonored 2».