Game-Review Welches Racing-Game ist das Beste?

Wir vergleichen die drei grossen Rennspiele der Saison: «Forza Motorsport 7», «Gran Turismo Sport» und «Project Cars 2». Welches Auto-Game hat die Nase vorn?

Das Wichtigste in Kürze:

  • «Forza Motorsport 7» sieht toll aus und tönt am besten, bietet am meisten Abwechslung und den leichtesten Einstieg. Es hat aber keinen Geschmack und die «Prize Crates» nerven.
  • Auch «Gran Turismo Sport» beeindruckt technisch, auch wenn es nüchterner daherkommt. Das mit Abstand stilvollste Game der drei. Auch wenn es die kleinste Auswahl an Strecken und Autos bietet, gibt es sich am meisten Mühe, uns beizubringen, wie man schnell fährt. Das Online-Erlebnis ist am ausgefeiltesten.
  • «Project Cars 2» ist eine knochentrockene Rennsimulation mit vielen Strecken und den besten Möglichkeiten bezüglich Wetter, Tages- und Jahreszeit. Aber sehr schwierig, nur für Frustresistente und Selbstmotivierte.
  • Mein Favorit ist deshalb «Gran Turismo Sport».

Wie habe ich gespielt und verglichen?

«Gran Turismo Sport» und «Project Cars 2» auf der Playstation 4 Pro, mit Rennsitz und Lenkrad (Thrustmaster T300RS). «Forza Motorsport 7» auf der Xbox One X, mit dem Controller. Beim Vergleich geht es also nicht darum, welches Game das realistischste ist, sondern wie sich die Games allgemein anfühlen.

Forza Motorsport 7

Was hat mir an «Forza Motorsport 7» gefallen?

Das neue «Forza» ist das Game, mit dem Microsoft die Rechenpower der neuen Xbox One X anpreisen will. Entsprechend brennt Hersteller Turn 10 ein visuelles Feuerwerk ab. Licht, Wasser, Reflexionen sind spektakulär. Ausserdem klingen die Motoren der Autos in «Forza Motorsport 7» am besten.

«Forza Motorsport 7» bietet am meisten Abwechslung: Sehr viele Autos aus unterschiedlichsten Epochen, sehr viele Rennstrecken und sehr abwechslungsreiche Veranstaltungen. Also nicht nur die üblichen Rundrennen, sondern beispielsweise auch Rennlastwagen oder furchterregende Höllenritte in alten 70er-Jahre-Formel-1-Autos.

Das Game versteht sich zwar als Rennsport-Simulation, wie die anderen beiden Games auch – doch es ist klar das zugänglichste für Gelegenheitsspieler, «casuals». Du kann es ernst nehmen und dich vertiefen; du kannst es aber auch nur ab und zu spielen und schnell Spass haben.

Was hat mir an «Forza Motorsport 7» nicht gefallen?

Ich finde, dass das Game keinen Geschmack hat. Die Hintergrundmusik ist schrecklich; der Sprecher, der uns durch den «Forza Driver’s Cup» geleitet, ist aufgeregt und trotzdem langweilig. Und auch die Autoauswahl ist zwar gross und vollständig, aber sehr auf einen Massengeschmack ausgerichtet, ohne erkennbare Handschrift.

Ausserdem ist auch «Forza Motorsport 7» vom Lootbox-Virus befallen. Sie heissen hier zwar «Price Crates» und können aktuell noch nicht für echtes Geld, sondern nur für Spielwährung gekauft werden. Doch Turn 10 hat bestätigt, dass sie planen, später den Echtgeld-Kauf einzuführen. Diese Kisten enthalten zufällige Autos (also eine Lotterie auf bessere Inhalte) und kosmetisches wie Fahrer-Kostüme und Embleme für das Online-Profil.

Und «Mods»: Diese Karten können wir in einem Rennen einsetzen, um dessen Regeln anzupassen und dafür mehr In-Game-Geld und Erfahrungspunkte als Belohnung zu erhalten. Also beispielsweise ein Tag- zu einem Nachrennen machen oder mindestens zwei perfekte Überholmanöver pro Rennen fahren und dann 30 Prozent mehr Credits als ohne Mod erhalten. Wurde die Mod eingesetzt, verbraucht sie sich und verschwindet.

In «Gran Turismo Sport» oder «Dirt 4» gibt es diese Idee ebenfalls: das Rennen schwieriger machen und dann bessere Belohnungen erhalten. Doch in diesen Games können wir das jederzeit und völlig frei nach Wunsch einstellen. In «Forza Motorsport 7» brauchen wir dazu aber die Mod-Karten, die wir nur zufällig finden und die sich verbrauchen.

Man hat hier also absichtlich eine tolle Idee so umgebaut, dass wir regelmässig «Prize Crates» kaufen müssen, um sie zu nutzen. Wer sich der Mechanik verweigert, erlebt weniger Abwechslung und macht langsamere Fortschritte im Spiel. Und wer regelmässig Mods einsetzt, ist ständig damit beschäftigt, die richtige Mod auszuwählen und einzusetzen, um Belohnungen zu optimieren. Das verdirbt mir den Spass am Rennfahren.

Gran Turismo Sport

Was hat mir an «Gran Turismo Sport» gefallen?

«Gran Turismo Sport» ist «Forza» visuell mindestens ebenbürtig. Während letzteres bei Wettereffekten leichte Vorteile hat, sind die Auto-Interieurs bei «Gran Turismo Sport» etwas detaillierter modelliert. Stilistisch sehe ich Unterschiede: Während «Forza» bei Licht und Ton sehr auf Dramatik setzt – Bass! Laut! Kontrast! Warm! – ist «Gran Turismo» nüchterner, zurückhaltend. Das Licht ist kühler, der Sound neutral; was mir persönlich besser gefällt.

Früher war «Gran Turismo» das bestkuratierte Museum schneller Autos. Diese neue Version hat diesen Anspruch auf historische Vollständigkeit nun aufgegeben und den Fuhrpark stark reduziert.

Ich hatte im Vorfeld befürchtet, dass «Gran Turismo Sport» deshalb seine Seele verliert. Das Gegenteil ist der Fall. Das Game spiegelt die persönliche Entwicklung des Autors Kazunori Yamauchi, der sich nun halt mehr für Motorsport interessiert. Seine Handschrift bleibt aber sichtbar.

«Gran Turismo Sport» ist extrem didaktisch. Kein anderes Rennspiel gibt sich so viel Mühe, dich zu einem guten Rennfahrer zu machen. In Prüfungen und Herausforderungen dekonstruiert das Game schnelles Fahren, bringt uns Gas geben und Bremsen bei, zeigt, wie sich das Verhalten des Autos verändert bergauf oder bergab, geht einzelne Streckenabschnitte, Beläge und Autotypen durch. Und im Gegensatz zu früheren Versionen ist das nun alles optional.

Klar, wer Tutorials hasst und Handbücher verachtet, fühlt sich hier wohl gegängelt. Doch ich mag ein schönes Kürsli und schätze dieses geführte Lernen sehr.

Der Modus der Online-Rennen gegen echte Fahrer ist hier am ausgefeiltesten, mit einem Kalender und Rennwochenenden. «Gran Turismo Sport» vermittelt am besten das Gefühl, dass wir alle gemeinsam an einer Rennserie teilnehmen und um die Wette fahren.

Ausserdem versucht «Gran Turismo Sport», uns auch online zu gutem Fahren zu erziehen. Insbesondere hämmert das Game ein, dass Motorsport ein No-Contact-Sport ist. Berührungen im Rennen werden bestraft. Was sich zu Beginn immer wieder ungerecht anfühlt, weil ich ja nie an der Berührung Schuld war, sondern der andere einfach in mich reingefahren ist! Doch wir sollen lernen, nicht nur unsere Rennlinie, sondern auch die anderen Fahrzeuge im Auge zu behalten und Platz zu lassen – uns zum Gentleman Racer zu entwickeln.

Ohnehin ist «Gran Turismo Sport» das stilvollste der drei Games. Das Design der Oberfläche oder der Ladescreens sieht edel aus, die Musik ist modern, entspannt, cool. Im neuen Fotomodus namens «Scapes» können wir unsere Autos in unzählige echte Fotos spektakulärer Schauplätze setzen und dem Car Porn fröhnen. Die besten Aufnahmen können wir mit anderen Spielern teilen.

Und dank dem Projekt «Vision Gran Turismo» sind im Game Autos, die wir nirgends sonst fahren können: Prototypen und Concept Cars von echten Herstellern wie Bugatti, Nissan, Aston Martin, McLaren oder Mercedes speziell für das Game entworfen.

Was hat mir an «Gran Turismo Sport» nicht gefallen?

«Gran Turismo Sport» bietet deutlich weniger Strecken und Autos als die Konkurrenz. Hier ist zu hoffen, dass später per Download noch weitere nachgeliefert werden.

Ausserdem gibt es kein dynamisches Wetter oder Tageszeit. Die wählen wir zu Beginn eines Rennens aus, danach verändern sie sich nicht mehr. Regenrennen gibt es bis jetzt nicht, abgesehen von einigen speziellen Prüfungen. «Forza» oder «Project Cars» sind hier klar weiter.

Project Cars 2

Was hat mir an «Project Cars 2» gefallen?

«Project Cars 2» weiss wie schon der Vorgänger sehr genau, was es sein will: eine knochentrockene Motorsport-Simulation für Selbstmotivierte.

Das ist ein hartes Game, nah an der Simulation. Es bietet sehr viele echte Strecken und Rennserien. Gerade auch kleinere, nicht nur die weltbekannten.

Unseren Rennwagen stellen wir ideal ein mit der Hilfe eines Renningenieurs: Wir können beispielsweise beklagen, dass der Wagen untersteuert und unser Renningenieur weiss dann, wie er die Bremsbalance verändern muss. Im Rennen ertönt aus dem Lautsprecher des Playstation-Kontrollers die Stimme des Spotters, der uns warnt, wenn hinter uns im toten Winkel ein Auto Druck macht oder uns lobt, wenn wir eine Sektorbestzeit gefahren sind.

Für jede Strecke haben wir unzählige Einstellungsmöglichkeiten. «Project Cars» bietet dynamisches Wetter und Tageszeit, jede Strecke gibt es dazu in jeder Jahreszeit. Wir können also beispielsweise im Frühling vom schönsten Wetter in ein Gewitter fahren oder in der Nacht durch Schneefall schlittern. Auch «Forza» bietet dynamische Rennen, doch «Project Cars 2» hat hier die Nase vorn.

Wasser und Schnee auf der Strecke sind aussergewöhnlich gut simuliert. In einem Regenrennen bilden sich mit der Zeit Pfützen auf der Strecke; wenn wir mit nur einem Reifen durch eine solche Pfütze fahren, spüren wir das tatsächlich. Weil «Project Cars» auch das Force Feedback am Lenkrad deutlich stärker einsetzt als «Gran Turismo», ist das Fahren anstrengender – wie echt halt.

Was hat mir an «Project Cars 2» nicht gefallen?

«Project Cars 2» ist das schwierigste der drei Games. Und es bringt dir nichts bei. Du musst selber herausfinden, wie du schneller fährst. Besonders zu Beginn des Games knallte ich deshalb immer wieder in Frustbarrieren. Das muss man aushalten wollen.

Das Setup der Autos ist unnötig umständlich, es ist zu viel Mikromanagement nötig. Beispielsweise ist selbst in Rennserien, die nie länger als fünfzehn Runden dauern, standardmässig Benzin für vierzig oder mehr Runden im Tank, was wir dann jedes Mal von Hand korrigieren müssen.

Zumindest auf den Konsolen ist «Project Cars 2» ausserdem nicht gleich schön anzusehen wie «Forza» oder «Gran Turismo».

Der Gewinner: «Gran Turismo Sport»

Welches der drei Rennspiele spiele ich auch nach diesem Vergleich weiter? Ganz klar «Gran Turismo Sport». Das Game gibt sich am meisten Mühe, aus mir einen guten Rennfahrer zu machen. Es riskiert am meisten, indem es sich von der Formel der letzten sechs Ausgaben radikal verabschiedet. Und es ist mit Abstand das stilvollste Game und der angenehmste Aufenthaltsort.

«Gran Turismo Sport» ist für Playstation 4. «Forza Motorsport 7» ist für Xbox One und Windows PC. «Project Cars 2» ist für Playstation 4, Xbox One und Windows PC.

Brrrrrrrrrrääääämmmmm!

  • Welches Racing-Game ist dein Favorit?

  • Gran Turismo Sport

    42%
  • Forza Motorsport 7

    23%
  • Project Cars 2

    36%
  • 132 Stimmen wurden abgegeben