Game-Review «XCOM 2: War of the Chosen»: Aus gut wird noch besser!

Wer gerne Strategie-Spiele hat, der ist an «XCOM 2» wohl nicht vorbeigekommen. Jetzt gibt es eine umfangreiche Erweiterung, die inoffiziell als «XCOM 3» gehandelt wurde: neue Missionen, neue Fraktionen, neue Gegner und dazu der alt bewährte rundenbasierte Klassiker, der sich erneut behauptet.

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Mario + Rabbids Kingdom Battle

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Am gleichen Tag wie «War of the Chosen» erschien, hat auch Ubisoft seine Vorstellung von einem rundenbasierten Taktikspiel veröffentlicht. Was dabei herauskam ist eine vereinfachte Version von XCOM, die wir hier ebenfalls getestet haben.

Es ist eines der besten rundenbasierten Strategiespiele und wir sind uns alle einig, dass es jeden seiner Preise zu Recht verdient hat: Die «XCOM»-Reihe glänzt mit taktischer Tiefe, einer idealen Mischung aus Zeit zum Nachdenken und Druck und einem Meta-Game inklusive Geschichte, das man auch nach vielen Spielstunden noch nicht zwingend begriffen hat.

Jetzt ist «War of the Chosen» erschienen, die bisher umfangreichste Erweiterung. Hier die wichtigsten Änderungen ─ und nein, das ist keine abschliessende Liste:

  • Drei neue spielbare Fraktionen: Schnitter, Scharmützler und Templer.
  • Die Auserwählten («the chosen») sind mächtige Aliens, die in der Form von Attentäterinnen, Hexern oder Jägern daherkommen.
  • Die Verlorenen («the lost») eine Art Zombies, welche uns eine Bonusaktion ermöglichen, sofern wir sie ausschalten.
  • Neue Gegner: Advent Soldaten mit Feuerwerfern, die sogenannten Purifikatoren. Hinzu kommen Phantome und Priester.
  • Mit dem neuen Freundschaftssystem können sich befreundete Soldaten gegenseitig unterstützen.
  • Das Erschöpfungssystem und diverse Traumata beeinflussen unsere Soldaten nachhaltig.
  • Es können neue Technologien erforscht werden und neue Räume gebaut werden.

Ein umfangreiches Paket also, welches das Entstauben von XCOM 2 definitiv rechtfertigt. Eigentlich schmerzt dabei nur eines: die vollen 40 Franken, die für diese Erweiterung auf den Tisch gelegt werden müssen. Denn wir haben doch erst letztes Jahr 55 Franken für das Original «XCOM 2» bezahlt, das wir für die Erweiterung natürlich brauchen.

Wer hat noch nicht, wer will nochmal?!

Es gibt nicht viele Spiele, die so gut sind, dass man sie mehrmals nacheinander spielen will, doch «XCOM 2» ist genau so eine seltene Perle. Ein hoch komplexes Spiel, das man erst nach und nach anfängt zu begreifen. Mit der Erkenntnis, kommt der Ehrgeiz und so will man es mit jedem weiteren Durchlauf, immer noch besser machen...

Das Grundgerüst bleibt auch mit der Erweiterung dasselbe: Wir suchen nach wie vor die beste Strategie, um die Welt vor der Übernahme der Advent Aliens zu retten. Dazu gehören nicht nur die rundenbasierten Einsätze, sondern eine ganze Reihe von schwierigen Entscheidungen, welche uns helfen sollen, den Weltuntergang abzuwenden.

Wer «War of the Chosen» startet, muss eine neue Kampagne beginnen, somit sind auch Neueinsteiger nicht benachteiligt. Kaum gestartet fallen mir kleine optische Updates sofort ins Auge und ich bilde mir sogar ein, dass auch bei den Soundeffekten noch einmal nachgebessert wurde. Doch das sind alles Nebensächlichkeiten, denn schon bald ändern sich die grossen Dinge und die ganze Hauptgeschichte bekommt neue Nebenzweige.

Eine Frau mit Kapuze, ihre Maske hat Elena freundlicherweise abgenommen, um sich vorzustellen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Elena Dragunova Spitzname: Outrider Screenshot SRF Digital

Beispielsweise tauch Elena Dragunova auf, eine Scharfschützin der Schnitterfraktion, welche unsichtbare und lautlose Infiltrationsspezialisten sind. Eine Gruppe von Aussenseitern, welche bereits seit den Anfängen der Advent-Alien-Invasion unermüdlich Wiederstand leistet. Bisher haben sie die Isolation der Zusammenarbeit mit unserer XCOM-Fraktion vorgezogen. Das ändert sich mit «War of the Chosen».

Nur eine von insgesamt drei neuen spielbaren Fraktionen, welche viel frischen Wind für alte XCOM-Hasen bieten müsste. Als Neueinsteiger hatte man es mit XCOM aufgrund seiner Tiefe noch nie leicht. Das ändert sich auch nicht mit der Erweiterung, welche das ohnehin komplexe Spiel noch ausbaut und dabei gewohnt wenig erklärt.

Kein Platz für Casuals

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Iron Man Mode: Tot bleibt tot

Wem das alles noch nicht hardcore genug ist, der darf sich gerne am (wie manche sagen) einzig wahren XCOM Modus veruchen. Im Iron Man Modus bleiben gefallene Soldaten tot, weil wir nur einen einzigen Spielstand speichern und nach einem Tod nicht auf einen früheren zurückgreifen können.

Einfach kurz zur Entspannung ein Ründchen spielen, das liegt bei XCOM schlicht und einfach nicht drin. Nur schon das Meta-Game, also die Bewirtschaftung der eigenen Basis mit all ihren Forschungsprojekten und Baumöglichkeiten sowie das Auswählen der Aufträge ist eine Strategie, die wohl durchdacht sein sollte.

Bis man das im Griff hat, wird wohl der ein oder andere Neustart von Nöten sein, denn das Spiel gibt keine Tipps. Die Erweiterung verkompliziert auch diese Ebene mit neuen Baumöglichkeiten und Forschungsprojekten, erklärt aber genauso wenig, wie bereits im Original.

Persönlich wünsche ich mir an dieser Stelle ja schon lange ein Erklärstück von Seiten des Spiels, doch XCOM überlässt die Tüftler und Strategen lieber sich selbst. Das ist im Grunde genommen auch was Tüftler und Strategen wollen, ansonsten hätten sie ja nichts mehr zum herumstudieren.

Noch mehr taktische Tiefe

Bereits «XCOM 2» war ein äusserst kompetentes rundenbasiertes Strategiespiel. Die Grundlagen sind solide. Es ist wichtig, Gegner zu flankieren und unsere eigenen Soldaten in Deckung zu halten. Wir müssen sie in möglichst optimaler Reihenfolge einsetzen, beispielsweise zuerst mit dem Grenadier eine Deckung zerstören und erst dann mit dem Scharfschützen schiessen, um dessen Trefferchance zu erhöhen.

Die Feinheiten sind sehr vielschichtig. Angefangen bei den Fähigkeiten der einzelnen Soldaten und deren Zusammenstellung. Mit jeder Beförderung können wir eine neue Fähigkeit erlernen, die Frage ist dabei stets welche. So können wir einen Scharfschützen beispielsweise auf die lange Distanz spezialisieren. Oder stattdessen seine Fähigkeiten im Umgang mit einer Pistole verbessern, um ihn gegen Flankenangriffe abzusichern.

All das wird mit der Erweiterung noch einmal komplizierter. Einerseits, da die neuen Soldaten-Fraktionen auch neue Fähigkeiten einführen. Andererseits, da Soldaten nun auch klassenfremde Fähigkeiten erlernen können. Aber auch weil Soldaten nun Freundschaften schliessen und somit ihre Kollegen im Kampf mit einer Bonusaktion begünstigen können.

Komplizierter wird es auch auf der Seite der Gegner, denn neue Über-Aliens fordern neue Strategien. Viele lösen keinen Feuerschutz mehr aus, bei dem unsere Soldaten schiessen, sobald unsere Gegner sich bewegen.

Verlorene sind nichts anderes als Untote. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Verlorenen aka. die Zombies Screenshot SRF Digital

Bei den neu eingeführten Verlorenen müssen wir uns gar überlegen, ob wir sie vielleicht noch ein wenig am Leben lassen wollen. Denn sie greifen auch Aliens an und lenken sie somit von uns ab. Getötete Verlorene gewähren uns allerdings eine Bonusaktion. Nur eine weitere von ohnehin unzählig vielen schweren Entscheidungen, die dieses Spiel von uns einfordert.

Mit anderen Worten: «War of the Chosen» bietet noch mehr Platz für taktische Finessen und ist somit genau das richtige für das anspruchsvolle XCOM-Publikum!

«XCOM 2: War of the Chosen» ist ab 16 Jahren freigegeben, kostet rund 40 Franken und ist auf PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows, Linux und Mac OS erschienen.

PS: Wer das Konzept hinter XCOM interessant findet, sich allerdings nicht an diesen schweren Schinken heranwagen will, für den ist am gleichen Tag «Mario + Rabbids Kingdom Battle» erschienen.