Lass dich fallen mit «Gravity Rush 2»

Herunterfallen ist in Games normalerweise schlecht. Hier ist es unsere wichtigste Fortbewegungsart. Durch die farbenfrohe Comicstadt zu fallen, ist ein grossartiges Gefühl – und «Gravity Rush 2» deshalb ein wärmstens zu empfehlender Geheimtipp.

Gibt es etwas besseres als fliegen? Ja: Fallen, wohin du willst.

Genau das kann das fröhliche Mädchen Kat, unsere Hauptfigur in «Gravity Rush 2». Es geht so: Mit einem Knopfdruck kann sie die Gravitation aufheben, also an Ort und Stelle schweben. Mit einem zweiten Knopfdruck auf die gleiche Taste biegt sie die Gravitation um: Unten ist neu dort, wo sie gerade hinschaut. Und dort fällt sie dann hin (kannst du noch folgen? Wenn nicht: Let's-Play-Video oben schauen). Schweben, die Richtung der Gravitation ändern, fallen, wieder schweben: Statt zu fliegen, fällt Kat – wohin sie will.

Mit einem weiteren Knopfdruck wird die Gravitation wieder auf «normal» zurückgesetzt. Wie dieses «normal» war, wird immer angezeigt, indem Kats Haare in diese Richtung fallen. Dies und die hervorragende Kamera helfen dabei, dass wir nie die Orientierung verlieren.

Besser als Fliegen

Warum ist das besser als Fliegen? Weil Fliegen ein Kampf gegen die Gravitation ist – der kleinste Fehler kann das Ende bedeuten. Fliegend sind wir also ständig in Gefahr. Kat ist das nie - sie fällt, sie schwimmt also mit statt gegen den Strom, sie kämpft nicht gegen die Gravitation an, sondern nutzt sie für sich.

Kat auf dem Weg zum Markt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Durch die Stadt fallen fühlt sich grossartig an. Screenshot SRF

Selbst wenn uns die Energie ausgeht, um die Gravitation zu verbiegen, passiert meist nichts: Wir fallen etwas nach unten, nur um uns sogleich wieder aufzufangen.

Kaum Gefahr

Wenn wir uns in anderen Games in die Höhe begeben, ist damit immer Gefahr verbunden. Springen wir falsch, fliegen wir falsch, klettern wir falsch, werden wir bestraft. In «Gravity Rush 2» dagegen kann fast nichts schief gehen. Wir fallen ständig, verletzen uns aber nie.

Die Marktstände gehen in die Brüche. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kat im Luftballett, bzw. Kampf. Screenshot SRF

Das ist unheimlich befreiend. Durch die farbenfrohe Stadt Jirga Para Lhao zu sausen, ist eine wahre Freude, die auch nach zwei Dutzend Stunden nichts an Reiz verliert. Im Gegenteil: Je besser wir diese neue Art der Fortbewegung erlernen, desto eleganter können wir durch die Landschaft fallen.

Ebenso gut gefällt (ha!) mir unsere Spielfigur Kat. Sie ist immer fröhlich, grenzenlos optimistisch und selbstlos freigiebig. Ihrer Freundin Raven, zu Beginn noch auf der Seite der Gegner, vergibt sie sofort. Aufgaben erfüllt sie freudig, selbst wenn sie ausgenutzt wird. Und gegen gruslige Monster («Nevi») kämpft sie mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen eines Kindes, das noch nie umgefallen ist.

Farbenfroh und fröhlich

Wo steckt sie das nur alles hin? Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kurze Comic-Sequenzen erzählen die Geschichte: Raven hat Hunger. Screenshot SRF

Die Welt von «Gravity Rush 2» ist in einem farbenfrohen Comic-Stil mit klaren Strichen gehalten. Der Schauplatz ist sommerlich mediterran. In der Geschichte geht es zwar um Bootsflüchtlinge, Fieslinge und Klassenkampf – doch diese Dramen werden leichtfüssig und humorvoll in schönen Comic-Panels erzählt. Auch hier ist kaum etwas richtig gefährlich.

In Storymissionen kämpfen wir oft gegen Monster oder Soldaten. Wir treten sie per Gravitations-Kick oder schleudern Kisten auf sie, in einem spektakulären und zunehmend komplexen Luftballett. Doch besonders in den Nebenmissionen geht es meist recht friedlich zu: Wir fliegen mit einer Möve um die Wette oder machen Fotos für einen übereifrigen Reporter.

Bildergalerie: «Humans of Jirga Para Lhao»

Selfies in der Stadt

Überhaupt geht es viel ums Fotografieren: Bestimmte Personen oder auffällige Gebäude sollen wir finden und mit einer Kamera im Spiel fotografieren, vrituelle Street Photography sozusagen. Diese Game-Kamera können wir ausserdem auf ein Stativ stellen und Kat in verschiedene Kostüme stecken und Gesten machen lassen. Natürlich: Selfies! Mit Filtern und im quadratischen Format, wie wir es uns von Instagram gewohnt sind.

Und wir gehen auf Schatzsuche. Wir erhalten dafür ab und zu Fotos, die andere Gamer von einer in der Stadt versteckten Schatztruhe gemacht haben. Der Hintergrund gibt uns den Hinweis, wo wir suchen müssen.

Kat winkt uns zu. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: So beginnt eine Schatzsuche: Das Foto ist der Hinweis. Humans of Jirga Para Lhao

Wenn wir die Truhe gefunden haben, werden wir aufgefordert, nun unsererseits ein Hinweis-Foto zu machen – und so den Schatzsucher-Kettenbrief fortzusetzen. Mit einer frechen Geste von Kat schicken wir gleichzeitig einen kleinen Gruss an die Mitspieler.

Fallen ist genug

Die meisten dieser Nebenmissionen bedienen sich einer simplen Sammle-sie-alle-Mechanik. Doch was schnell in mühselige Arbeit hätte kippen können, bleibt hier eine wahre Freude. Weil es schlicht so grossen Spass macht, mit Kat durch die Gegend zu fallen.

«Gravity Rush 2» beweist also, dass ein gutes Game weder eine aufwendige Geschichte noch eine komplexe Mechanik braucht. Manchmal reicht es schon, sich gut zu bewegen. Fröhliches Fallen allerseits!

«Gravity Rush 2» ist für Playstation 4 und kostet 60 Franken. Es ist ab 12.