Review «Monument Valley 2»: Schöner geht's kaum

Poliert und gestylt bis in den letzten Winkel, etwas teuer, etwas kurz – aber sehr befriedigend und wunderschön. Der Nachfolger des preisgekrönten Mobile-Hits von 2014 kann zwar nicht wirklich überraschen, aber trotzdem begeistern. Ein Handy-Game für die ganze Familie!

Wie führt man Freundinnen an Games heran, wenn sie dem Medium ferner nicht sein könnten? Man drückt ihnen auf einer Reise ein Tablet mit «Monument Valley» in die Hand. Am Ende Reise ist «Monument Valley» durchgespielt, die Freundin strahlt und ich natürlich auch – wieder jemanden fürs Spielen gewonnen!

Ein animiertes GIF zeigt eine Szene aus dem Game «Monument Valley 2» Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Prespektivenwechsel: Optische Täuschungen und Wahrnehmungswechsel legen Wege frei, die wir zuvor nicht gesehen haben. Screenshot SRF Digital

«Monument Valley 2» dürfte ähnlich effektive Überzeugungsarbeit leisten. Das Gamestudio Ustwo hat am ursprünglichen Konzept nicht viel geändert: Wieder sehen wir Bildtafeln voller architektonischer Wunderfiguren, die an die Bilder von M. C. Escher erinnern.

Wenn wir darin Elemente verändern, ändern wir auch die Perspektive; optische Täuschungen und Wahrnehmungswechsel legen Wege frei, die wir zuvor nicht gesehen haben.

Mutter und Tochter

Im ersten Teil waren wir noch alleine und steuerten Prinzessin Ida durch die Architekturlabyrinthe. Nun sind wir zu zweit: Mutter Ro und ihre Tochter müssen gemeinsam den Weg durch die irrwitzige Landschaft finden.

Schon das alleine ist speziell, wie Lauren Cason von Ustwo in einem Making-Of-Video erklärt: «Muttergeschichten werden nur selten erzählt, und wenn, dann häufig durch die Augen der Kinder. Die Mutter ist also Teil der Geschichte des Kindes, sie hat keine eigene. Wir wollten nun ihre Geschichte erzählen.» «Monument Valley 2» ist also die Geschichte einer Tochter, die am Schluss gereift und erwachsen an der Seite ihrer Mutter steht – erzählt aus Muttersicht.

Wir werden erwachsen

Optisch ähnelt das Game stark seinem Vorgänger. Doch die neue Form der Geschichte hebt den zweiten Teil vom ersten ab. Denn das Thema der Mutter-Tochter-Beziehung führt zu neuen Rätseltypen, die wiederum die Geschichte der beiden Protagonistinnen spiegeln.

Ein Mädchen im roten Mäntelchen verabschiedet sich von seiner Mutter, sie ist in einem Boot. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ohne Worte wird uns eine Geschichte des Erwachsenwerdens erzählt. Screenshot SRF Digital

Zu Beginn des Games folgt die Tochter Ro noch dicht auf den Fersen. Bald jedoch ist sie in der «Papageien-Phase» und kopiert jede Bewegung ihrer Mutter, und sei sie noch so klein. Schliesslich, gegen Ende der vierzehn Kapitel, steuern wir sie selbständig – die Tochter ist erwachsen geworden und steht nun als junge Frau an der Seite ihrer Mutter.

All das wird uns ohne Worte erzählt, wir erfahren es nur anhand der Art und Weise, wie wir die Rätsel lösen. Ustwo gelingt es also, die Erzählung mit der Game-Mechanik zu verflechten, und wir lernen sozusagen mit der Tochter mit – eine Glanzleistung des Gamedesigns!

Auf Glanz poliert

Unterstützt werden wir durch Geräusche, was wir ebenfalls vom ersten Teil her kennen: Bewegliche Architekturelemente klingen je nach Anwendung anders, geben uns Hinweise, wie wir sie drehen und wenden können. So begreifen wir intuitiv, wie diese Elemente funktionieren. Das alles hinterlässt einen ausgereiften Eindruck: Hier hat jemand gefeilt und poliert, bis auch der letzte Winkel gerade war.

Die Perfektion hat aber auch ihren Preis: So ist «Monument Valley 2» mit vierzehn Kapiteln recht kurz und nach ein paar Stunden ist der Spass vorbei – notabene für 5 Franken, ein ziemlicher Batzen im Markt für mobile Games.

Die Tochter steht auf kubischen Baumteilen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Neuerung: Sonnenlicht lässt quadratische Bäume wachsen. Screenshot SRF Digital

Ein weiterer Wermutstropfen sind die Rätsel selbst. «Monument Valley 2» baut neue Rätselformen nicht genügend aus. Vom ersten Teil kennen wir bereits die bewegliche Säule, mit der wir beispielsweise Brücken bauen können. Neu gibt es Pflanzen mit kubischen Blättern, die je nach Sonnenlicht wachsen oder wieder in sich zusammenfallen. Davon hätte ich gerne mehr gesehen, doch das Game belässt es bei ein paar wenigen Lichtblicken.

Einige Spieler beklagen auch, dass in «Monument Valley 2» wie schon im Vorgänger die Rätsel zu leicht seien. Ja, geübte Spielerinnen lösen sie schnell. Dafür behält das Game sein Zielpublikum im Auge: Es ist allen zugänglich. Alle, auch Nichtspielerinnen und -spieler, begreifen die Spielmechanik intuitiv, eine Bildertafel lässt sich innert einer Zugfahrt (wenn nicht sogar Tramfahrt) lösen. Und wer unbedingt ein familientaugliches Game mit in die Ferien nehmen will, bei dem gehört der zweite Teil von «Monument Valley» auf jeden Fall aufs iPhone oder iPad – eine Version für Android-Geräte wird wohl wie beim Vorgänger in einigen Monaten folgen.

«Monument Valley 2» läuft auf iOS und kostet 5 Franken.

«Monument Valley» läuft auf iOS, Android und Windows Phone und kostet rund 4 Franken.