Miriam (22): Aus einer Diät wurde in drei Wochen Magersucht

Miriam erzählt ihren Leidensweg, der mit einer Diät angefangen hat, und in eine Magersucht mündete. Zwanghaftes Sporttreiben und Depression waren die Folgen.

Miriam hatte eine schöne Kindheit und wuchs wohlbehütet in ländlicher Gegend auf. Ihre Leidenschaft gehörte dem Fussball. Mit ihrer schlanken Figur war sie eigentlich immer zufrieden.

Mit 14 trifft sie eine folgenschwere Entscheidung: Sie fängt eine Diät an. Warum, weiss sie bis heute nicht genau.

«  Ich habe weniger einem Ideal, sondern eher den Zahlen nachgeeifert »

Miriam verzichtet eine gewisse Zeit auf Schockolade. Dann auf alles Süsse. Neben dem Fussballtraining macht sie auch zusätzlich jeden Tag Sport. Innerhalb von nur drei Wochen verliert sie 4 Kilo. Das gefällt ihr und erfüllt sie mit Stolz.

Ein Alltag aus Qual und Verzicht

Doch genau das wird ihr zum Verhängnis. Sport ist nicht mehr Spass sondern Zwang. Alles dreht sich nur noch ums Essen. Ihr Leben wird von Zahlen bestimmt – je niedriger diese auf der Waage sind, desto besser. Darunter leiden auch Miriams Beziehungen. Abendessen mit der Famillie enden meist im Streit. Sie vernachlässigt ihre Freunde und diese geben es irgendwann auf, Miriam für irgendwelche Verabredungen zu fragen.

«  Es war, als ob ich eine innere Stimme im Kopf hatte die sagt: Mach, mach, mach! »
Zusatzinhalt überspringen

S.O.S. – Sick of Silence

S.O.S. – Sick of Silence

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.

Jeden Dienstag, 18-19 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.

Die körperlichen Anzeichen werden irgendwann unübersehbar. Miriams Periode fällt aus, weil sie zu leicht ist. Ihre Hausärztin macht die Diagnose: Anorexia nervosa, Magersucht.

Aus Zwang wird Spitzensport

Miriam macht jeden Tag Sport, teils bis zur Erschöpfung. Als sie in den Ferien in Frankreich an einem Rennen teilnimmt und gewinnt, merkt sie, dass sie gut ist. Sie beginnt bei einem grösseren Leichtathletikverein zu trainieren. Ihre Disziplin und Leidensbereitschaft ermöglichen es ihr bald das Laufen als Spitzensport zu betreiben.

Dies hat gute und schlechte Folgen. Die Guten: Sie hat einen strikten Trainingsplan, den sie einhalten muss, auch darfs sie nicht unter ein gewisses Gewicht fallen. Die Schlechten: Magersucht ist im Laufsport sehr verbreitet, vor allem bei Läuferinnen. Denn: je leichter, desto schneller ist man. Ein toxisches Umfeld für Miriam.

Aus Mager- wird Esssucht

«  Ich hatte die Grenze überschritten. Ich hatte meine eigenen Regeln gebrochen. Ab dann artete es völlig aus. »

Trotz ihrer Disziplin und Verbissenheit, fängt Miriam irgendwann an, sich ab und zu mit etwas Süssem zu belohnen. Anfangs nur an Tagen, an denen sie ein besonders hartes Training hatte oder einen Wettkampf. Aber aus einem Tag in der Woche wird irgendwann jeden Tag. Aus einem Cookie, regelrechte Fressattacken.

Miriam beginnt Gewicht zuzunehmen und fällt in einen Teufelskreis: durch die Gewichtszunahme erbringt sie nicht mehr die üblichen Leistungen im Training, dies führte zu Frustration, was in einer Fressatttacke endet, was wiederum zu Gewichtszunahme führt. Irgendwann bringt sie aus Frust die Motivation nicht mehr auf, ins Training zu gehen. Sie hört mit dem Laufsport auf und fällt in ein riesiges Loch. Denn ohne Sport hat sie nichts mehr worüber sie sich definieren kann – so glaubt sie.

«  Ohne Sport wusste ich nicht mehr wer ich war »

Aber nicht nur ihr psychischer, sondern auch ihr körperlicher Zustand verschlechtert sich immer mehr. Miriam ist konstant müde und völlig antriebslos. Sie beginnt ein Studium, schläft aber in den Vorlesungen immer wieder ein.

Miriam sucht schliesslich einen Arzt auf, der diagnostiziert, dass sie depressiv ist. Ein Schock für Miriam.

Der Prozess, die Depression zu akzeptieren, ist schliesslich der Schlüssel, der Miriam einen Ausweg aus dem tiefen Loch ermöglicht. Mithilfe von Johanniskraut (einem pflanzlichen Psychopharmaka) und Psychotherapie geht es Miriam nun endlich besser.