Zum Inhalt springen

Header

Audio
Stimmen im Kopf: So fühlt sich eine Psychose an
Aus Rehmann vom 25.05.2020.
abspielen. Laufzeit 40:10 Minuten.
Inhalt

Rehmann Stimmen im Kopf: So fühlt sich eine Psychose an

Melati (27) erlebte eine psychotische Episode, hörte Stimmen in ihrem Kopf und litt unter Wahnvorstellungen, die sie nicht mehr von der Realität unterscheiden konnte. Mit Robin Rehmann spricht sie darüber.

Dass irgendetwas nicht ganz mit ihr stimmt, merkt Melati (27) im Sommer 2019 an einem Festival. Sie fühlt sich unwohl und hat das Gefühl, dass alle Menschen sie misstrauisch anschauen und schlecht über sie reden. Als das Gefühl kurz darauf wieder auftaucht, schwört sich Melati: «Ich lasse die Finger von THC-lastigem Material». Seit sie 22 ist, kifft sie regelmässig und überzeugt, dass das einen Zusammenhang hat.

Die erste psychotische Episode

Zu diesem Zeitpunkt ist es stressig in ihrem Leben: Sie trennt sich kurz vorher von ihrem Freund, muss umziehen und arbeitet Vollzeit als Kleinkinderzieherin. Zudem lernt sie einen neuen Mann kennen, ihr «Gspusi», wie sie ihn liebevoll nennt. Damals erlebt sie ihre erste psychotische Episode.

Ich dachte, ich hätte die besten Ohren der Welt.

Die Stimme ihres Gpusis ist es, die sie als Erstes in ihrem Kopf hört. Zuerst denkt sie, dass es Gedanken an ihn sind. Die Stimme sagt wunderschöne Dinge zu ihr, motiviert sie und zeigt ihr seine Liebe. Melati hört seine Stimme immer und überall, zum Beispiel durch die Wände bei ihren Nachbarn und sie ist überzeugt, dass er immer in ihrer Nähe ist. «Ich dachte, ich hätte die besten Ohren der Welt, weil ich alles hören konnte.»

Der Alltag fällt ihr immer schwerer, einfache Abläufe wie das Autofahren funktionieren nicht mehr ganz so gut und in ihrem Job ist sie überfordert. «Mein Hirn hat einfach gestockt.»

Ich hielt alles für ein Experiment, bei dem alle um mich herum mir etwas vorspielten.

Als Melati eines Tages glaubt, dass die Polizei sie verfolgt, geht sie zu ihren Eltern. Sie ist überzeugt, dass ihr Handy verwanzt ist, ist unruhig und versucht, die Stimmen zu orten, die sie hört.

Am nächsten Morgen bringen ihre Eltern sie in die psychiatrische Klinik. Da sich Melati weigert, Medikamente zu nehmen, kommt sie in die geschlossene Abteilung. Sie ist überzeugt, dass alles eine grosse Verschwörung gegen sie ist: «Ich hielt alle Angestellten für Schauspieler, die mein Gspusi bezahlt hatte, um ein Experiment an mir zu inszenieren.» Das versichert sie auch den Menschen, die sie besuchen. «Aber alle waren sehr einfühlsam mit mir.»

S.O.S. – Sick of Silence

S.O.S. – Sick of Silence

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.

Jeden Dienstag, 18-19 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.

Mit Medikamenten und Gesprächen zur Besserung

In der Klink wird vor allem ein Pfleger zu Melatis engster Bezugsperson. Ihn überhört sie damals auch, wie er zu anderen sagt, er versuche es nochmals, sie zur Medikamenteneinnahme zu bringen. «In diesem Moment machte es bei mir klick», erzählt sie und fügt an: «Weil ich ihm vertraute, wurde mir bewusst, dass es wohl besser ist, wenn ich die Medikamente einnehme.»

So lässt sie sich doch noch darauf ein und nimmt jeden Morgen ihre Tablette. Von da an darf Melati in die offene Abteilung der psychiatrischen Klink wechseln. «Das war eine riesige Erleichterung für mich, ich war glücklich wie ein Honigkuchenpferd.»

Dank dem Medikament und Gesprächen mit der Psychiaterin und Mitarbeitern der Klink fängt die junge Frau an, wieder klare Gedanken zu fassen: «Ich konnte mit der Zeit unterscheiden, was Realität ist und was nicht.»

Fast wieder die «Alte»

Bis sie wieder völlig klar ist, dauert es etwa eine Woche. Ihre Medikamente nimmt Melati immer noch regelmässig und fühlt sich heute wieder fast wie die «Alte», wie sie selbst sagt. Trotz eines kleinen Rückfalls im Januar glaubt sie, dass sie irgendwann wieder einen normalen Alltag ohne Medikamente führen kann.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.