Punks aus Langeweile

Diese Woche erscheint das Erstlingswerk des Schweizer Regisseurs Juri Steinhart. «Lasst die Alten sterben» ist ein satirisch-provokatives Porträt über eine Jugend, die in einer von Konsum und Social Media geprägten Welt nicht weiss, wohin mit ihrem Frust und ihrer Energie.

Um das geht's

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Bildlegende: Social-Media, Party, Langeweile Kevin vor seiner Verwandlung zum Punk Lomotion

Kevin ist 21 und das, was man als einen typischen Vertreter der «Generation-Selfie» bezeichnen könnte. Sein Alltag besteht aus Social Media, Partys, Herumhängen und belanglosen One-Night-Stands.

Als er sein Medikament gegen ADHS absetzt, erscheint ihm als Entzugserscheinung ein Punk, der ihn dazu anstachelt, sein altes Leben aufzugeben.

Kevin zerschmettert sein Smartphone und gründet mit seinem Kumpel Manu eine Kommune, in der sie den Lebensstil der 80er-Jahre-Punks nachahmen.

Kevins Punk-Idylle wird aber schnell zerstört, als plötzlich sein Vater in der Kommune auftaucht und die Jugendlichen mit einer wichtigen Frage konfrontiert: Was ist eigentlich euer politisches Anliegen?

Das hat funktioniert

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Bildlegende: Alt-Punker vs. Neopunk Kevins Vater stellt sich als radikaler als sein Sohn heraus Lomotion

Endlich! Ein Schweizer Film mit viel Sex, Drugs und Rock'n'Roll. «Lasst die Alten sterben», der mit einem kleinen Budget in nur 20 Tagen gedreht wurde, ist energiegeladen und provoziert gekonnt.

Die Energie verdankt der Film vor allem auch dem grossartigen, jungen Cast rund um Max Hubacher («Der Verdingbub», «Nachtzug nach Lissabon»).

Das hat nicht funktioniert

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Die Fakten

Die Fakten

Regisseur: Juri Steinhart
Cast: Max Hubacher, Julian Koechlin, Flurin Giger, Regula Imboden
Kinostart:12.10.2017

Kevins Freund Manu, der aus dem nichts zum Punk wird, Kevins Vater, der plötzlich in der Kommune auftaucht und radikaler wird als die jungen Punks selber – was die Figuren zu ihren Taten motiviert, ist oft nicht schlüssig.

Ebenfalls fragt man sich, woher Kevins plötzliche gesellschaftskritische Einsichten kommen (die wir durch etwas predigthafte Monologe erfahren). Kevins Verwandlung vom Smartphone-Hipster zum subversiven Revolutionär passiert viel zu schnell und wirkt desshalb unrealistisch.

Fazit

Regisseur Juri Steinhart möchte mit «Lasst die Alten sterben» auf die fehlende Politisierung der Jugendlichen in Wohlstandsländer wie der Schweiz aufmerksam machen. Ein wichtiges Thema. Schade, dass der Film nur bei der Provokation bleibt und die eigentliche Message nicht wirklich klar wird.

Dieser Film ist für

Fans von Coming-Age-Filmen und Leute, die sich für gesellschaftskritische Themen interessieren. Waschechten Punks könnten die Möchtegern-Revoluzzer aber ziemlich schnell auf den Sack gehen.

Rating

3 von 5 Punkten.