«The Get Down» auf Netflix: Reise zu den Anfängen des Hip-Hops

Baz Luhrmann, Regisseur von «Moulin Rouge!», «Romeo + Juliet» und «The Great Gatsby», präsentiert seine erste TV-Serie für den Streaming-Giganten Netflix: «The Get Down» beleuchtet das New York Ende der 1970er Jahre und die aufkommende Hip-Hop- und Disco-Kultur. Ein ziemliches Chaos.

Musikfans haben es nicht einfach. Zwar werden wir momentan mit einer Welle von grossartigen TV-Serien überflutet, von einer anständigen Serie, die im Musikbusiness angesiedelt ist, fehlt jedoch jede Spur.

So stellte sich die hoch angepriesene HBO-Serie «Vinyl» als «Hurr! Hurr! Das war damals noch RICHTIGE Musik!!!111»-Nonsens heraus und wurde völlig zurecht nach nur einer Staffel abgesetzt, Cameron Crowes «Roadies» dümpelt derzeit ebenfalls nur so vor sich hin und «Empire» ist, naja, halt «Empire»...

«The Get Down»: Jetzt gibt Netflix den Ton an

Jetzt versucht sich auch Streaming-Gigant Netflix an einer Musikserie. Für «The Get Down» hat man sich dabei keinen Geringeren als Baz Luhrmann, Regisseur von Filmen wie «Moulin Rouge!», «Romeo + Juliet» oder «The Great Gatsby», ins Boot geholt.

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Bildlegende: Shaolin Fantastic (rechts) nimmt DJ-Unterricht bei keinem Geringeren als Grandmaster Flash David Lee/Netflix

Da Luhrmann allerdings noch nie fürs Fernsehen gearbeitet hat und mit den Produktionsgegebenheiten einer TV-Serie nicht vertraut war, entwickelten sich die Dreharbeiten zu einem totalen Desaster: Sage und schreibe 120 Million Dollar wurden während der Produktion verbraten.

Ausserdem sorgen zahlreiche Produktionsstopps dafür, dass am Freitag nicht die komplette erste Staffel, sondern lediglich die ersten sechs Episoden zum Streamen verfügbar sein werden. Eine (unfreiwillige) Premiere für Netflix: die zweite Hälfte der ersten Staffel soll irgendwann 2017 folgen.

DJing, MCing & Graffiti: Das ist Hip-Hop

Inhaltlich ist «The Get Down» am Ende der 70er-Jahre im New Yorker Stadtteil Bronx angesiedelt.

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Bildlegende: Die Bronx Ende 70er-Jahre: Der Afro darf nicht fehlen. Netflix

Wir schreiben die Geburtsstunde des Hip-Hops. Im Zentrum der Serie stehen Protagonisten aus drei der vier Eckpfeiler des Hip-Hops: «Books», der zu einem der allerersten MCs avancieren wird, Ex-Sprayer «Shaolin Fantastic», der eine DJ-Karriere anstrebt, sowie der aufstrebende Graffiti-Künstler «Dizzee», gespielt von Will Smiths Sohn Jaden.

Dazu kommen der hochreligiöse Pastor Ramon Cruz (Giancarlo Esposito a.k.a. Gus Fring aus Breaking Bad) und seine Tochter Mylene, die Disco-Sängerin werden möchte (Spoiler Alert: keine gute Kombination!). Und dann hätten wir da noch Francisco Cruz, einen lokalen Politiker, der dem vernachlässigten Stadtteil mehr Gehör bei der Regierung verschaffen möchte. Womit wir auch schon beim Hauptproblem wären: Diese Serie ist ein einziges Durcheinander!

Ein riesiges Durcheinander

Grundsätzlich ist es ja keine schlechte Idee, eine Serie mit möglichst diversen Charakteren und heterogenen Storylines anzusiedeln. Leider unterscheidet sich der Tonfall zwischen den einzelnen Handlungssträngen derart fest, dass das Endprodukt ein undurchsichtiges Wechselbad der Stimmungen ist.

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Bildlegende: Let's Disco! Auch die Ladies kommen in «The Get Down» nicht zu kurz. Netflix

So wirkt der Charakter «Shaolin Fantastic» beispielsweise wie direkt aus einem Blaxploitation-Film importiert, während alle Szenen mit Jimmy Smits' Francisco Cruz dermassen überzeichnet sind, dass sie viel besser in einer Telenovela aufgehoben wären.

Magischer Realismus ist ein beliebtes Stilmittel von Luhrmann, das hier aber nur begrenzt funktioniert. Vielleicht liegt das aber auch an den limitierten Fähigkeiten der Schauspieler. Allen voran jene von Jaden Smith, der in etwa so viel Charisma besitzt, wie ein Stück Holz und zu keinem Zeitpunkt den Anschein erweckt, als ob er die Wörter, die er da gerade spricht, auch wirklich versteht.

Wenigstens stimmt die Musik

«The Get Down» blüht vor allem in den ultralebendigen Musikszenen auf. Immer dann, wenn Luhrmann in der ersten Episode auf Dialoge verzichtet und die Kamera durch chaotisch-hyperlebendige Partyszenen durchschleust, erreicht die Serie ihre wenigen Höhepunkte.

Wenigstens weiss der Soundtrack zu überzeugen: Disco-Klassiker, Hip-Hop-Beats und einzelne Deep Cuts, wie beispielsweise das mehrmals auftauchende «Vitamin C» von Can, machen verdammt viel Freude.

«The Get Down» ist schön anzusehen und drei Folgen (das ist alles, was wir im Vorfeld zu sehen bekamen) reichen definitiv nicht aus, um ein abschliessendes Urteil über eine solch wildwuchernde Serie zu fällen.

Trotzdem: Mit Hinblick auf die chaotischen Produktionsumstände, kann hier nur eine bedingte Empfehlung abgegeben werden. 6 von 10 Punkten.

Die ersten 6 Folgen der ersten Staffel von «The Get Down» sind ab Freitag, 12. August auf Netflix verfügbar.