«I See You»: Mit ihrem neuen Album gehen The xx auf Nummer sicher

Wir waren mehr als ready, dem britischen Trio The xx endgültig die Indie-Krone aufzusetzen. Jetzt, wo wir ihr drittes Album «I See You» aber in voller Länge kennen, müssen wir die Krone wieder in den Schrank zurückstellen. Leider. Für dieses Album gibt es höchstens eine Bronzemedaille.

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Bildlegende: «I See You»: Wir wissen nicht so recht... Young Turks

In Kürze:

  • Wer, wie, wo, was? The xx aus London veröffentlichen ihr drittes Album «I See You».
  • Das muss mich interessieren, weil… The xx eine der wenigen Indie-Bands sind, die es in den letzten 10 Jahren zu grösserem Ruhm geschafft haben. Du wirst ihnen ausserdem diesen Sommer garantiert auf zahlreichen Festivals über den Weg laufen. Und dann möchtest du ja vorbereitet sein, oder?
  • Diese Tracks müssen auf deine Playlist: «Say Something Loving», «Dangerous», «On Hold», «I Dare You»
  • Das klingt ähnlich wie: Chet Faker, London Grammar, Young Marble Giants

«I See You»: Gelingt die Bewährungsprobe?

The xx sind eine ziemlich grosse Nummer im Musikzirkus. Und das völlig zurecht. Kaum eine andere Indie-Band schreibt so sexy Songs wie die drei Musiker aus London.

Mit «I See You», dem dritten Studioalbum, kommt jetzt die grosse Bewährungsprobe: Landen The xx den dritten Volltreffer? Schaffen sie sogar den Sprung in den Mainstream?

Für die erste Single «On Hold» gab es auf alle Fälle schon mal zwei verdiente Daumen nach oben. Und «Say Something Loving», die zweite Vorabsingle mit dieser verdammt wohlklingenden Textzeile «Say something loving / I just don't remember the thrill of affection», war sogar noch besser!

Auch die ersten Töne von «Dangerous», dem ersten Track von «I See You», erwecken den Anschein, dass der Wind ab sofort in eine ganz neue, erfrischende Richtung bläst. Huch, sind das wirklich The xx? Die klingen ja so... fröhlich und beschwingt!

Leider verfliegt diese Anfangseuphorie ziemlich schnell. Die beatlose Ballade «Performance» langweilt und «Lips» wäre theoretisch ein ziemlich nettes Kapitel für das The-xx-Songrepertoire... der Track ist aber nur ein lauwarmer Aufguss von «Loud Places», das auf dem 2015 erschienenen Soloalbum von Produzent Jamie xx erschienen ist.

Gefangen in der eigenen Komfortzone

So bleibt am Ende die Ernüchterung. Ja, auf «I See You» hat es ein paar gute Tracks, die es garantiert in Parfümwerbungen und auf haufenweise «Emotional Indie»-Spotify-Playlisten schaffen werden. Trotzdem wünscht man sich, dass die Band in Zukunft die eigene Komfortzone öfters verlassen und weniger «Business as usual» abliefern wird.

«I See You» ist zweifelsohne ein solides Werk. Schliesslich hat sich die Band ein musikalisch derart sicheres – und nach wie vor auch einzigartiges – Fundament aufgebaut, so dass es schlussendlich gar keine grosse Rolle spielt, wie sicher der zweite Stock oder das Dach gebaut wurde.

Mit dem anrüchigen Doppelgesang von Romy Madley Croft und Oliver Sim, sowie den makellos zeitgemässen Produktionen von Produzent Jamie xx wird die Band IMMER Punkten können – und trotzdem kommt einem bei «I See You» immer wieder ein hochbegabter Schüler in den Sinn, der sich bloss mit dem Allernötigsten zufrieden gibt und sich mit einem 4er-Schnitt durch die Schule mogelt.