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True Life Alte Dame: «Ich will mich nicht am Tod festhalten»

Alte Menschen sind auf die Hilfe anderer angewiesen – das denken zumindest viele. Das beste Beispiel für das absolute Gegenteil ist wohl Frau Hof-Meier. Die 95-Jährige könnte nämlich selbständiger nicht sein, wie sie uns bei «True Life» zeigt.

Denkst du in einem deepen Moment übers Altern nach, ist es schwer, dir vorzustellen, was für ein Mensch du mit 90+ sein wirst, oder? Vielmehr macht sich die Angst breit, nicht für dich selber sorgen zu können; denn alte Leute gelten mit abnehmender Sehkraft, schwächeren Körpern oder gar Gedächtnisverlust für viele als unselbständig.

Alles andere als träge und hilflos

Wenn du das nächste Mal über dein altes Ich nachdenkst, stell dir's am besten ein wenig wie Frau Hof-Meier vor. Sie ist 95 Jahre alt und alles andere als hilfsbedürftig. «Ich bette selber, wasche selber, mache selber das Geschirr sauber», erzählt sie stolz, als wir sie in ihrer Wohnung in Basel besuchen.

Ich bette selber, wasche selber, mache selber das Geschirr sauber. Ich mache den ganzen Haushalt!

Und auch die Bewegung bleibt bei Frau Hof-Meier keinesfalls auf der Strecke: «Wenn ich zum Briefkasten gehe, geht's zuerst einen Stock höher, dann in den Keller und erst dann zu meiner Post.» Das sei ihr viel lieber als ins Turnen zu gehen. Ein Erfolgsrezept, wie wir merken: «Der Doktor sagt immer ich würde rennen.» – und das mit 95!

True Life

True Life

SRF gewährt einen vertieften Einblick in Leben und Alltag von «True Talk»-Persönlichkeiten. Im Fokus stehen die ganz persönlichen Geschichten der Menschen, die aufgrund bestimmter Eigenschaften, Vorlieben, Berufe und/oder Merkmale häufig mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Hier findest alle Folgen von «True Life», Link öffnet in einem neuen Fenster.

In die Innenstadt, die sie regelmässig besucht, wird aber nicht gerannt, da tut's auch der Bus. Dort kauft sich Frau Hof-Meier jeden Samstag acht frische Ravioli – und packt an der Theke auch in ihrem Alter eine gehörige Portion Keckheit aus, als sie nicht sofort bedient wird: «Ist hier Selbstbedienung?»

Nach dem Einkauf geht's, ebenfalls jeden Samstag, ins Restaurant, das sie früher regelmässig mit ihrem Mann besuchte. «Als er noch lebte, sagte er zu mir ‹Da gehst du aber weiterhin hin, dann kommst du unter die Leute.›» Das war vor 22 Jahren. Mittlerweile hat die 95-Jährige dort quasi einen Stammplatz und wird sogar mit Namen begrüsst.

Einsamkeit? Fehlanzeige!

Dass sie alleine am Tisch sitzt, stört sie dabei nicht im Geringsten: «Ich kann die anderen so schön beobachten.» Von Einsamkeit also keine Spur. «Die Grüsse der anderen Stammgäste genügt mir», schmunzelt sie.

Denkt Frau Hof-Meier ans Ende des Lebens, wünscht sie sich trotzdem, nicht alleine zu sein – Einsamkeit hin oder her. «Wenn ich nur jemanden habe, der meine Hand hält. Es werden alle älter, es geht allen so. Aber ich will mich nicht am Tod festhalten, sonst mache ich mich kaputt!»

Ich will mich nicht am Tod festhalten, sonst mache ich mich kaputt!

Gut im Schuss, eine kecke Art und nicht zu viele Sorgen – da wünschen wir uns gleich, mit 95 auch ein wenig wie Frau Hof-Meier zu sein.

Frau Hof-Meier bei «True Talk»

Auch die 95-Jährige hat sich schon Vorurteilen gestellt – nämlich denen gegenüber alten Menschen. Ob sie wirklich stinken, keinen Sex mehr haben im Alter und einsam sind?

2 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Ich kann schon heute nicht verstehen, dass sich ein "normal" interessierter Mensch einsam fühlen kann.Ich glaube, das kann nur sein, wenn man sich nicht mehr ins Freie oder in ein Restaurant oder an einen Ort begeben kann, wo es Menschen gibt. Wenn man alt wird, braucht man viel mehr Ruhe als die meisten jungen Leute meinen.Einmal im Tag eine Abwechslung unter Menschen genügt. Vor allem ist man auch im alter nur gern mit Menschen zusammen, welche ähnlich sind; zB. selbstbestimmt oder unbeholfen!
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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Wenn wir uns schon durch das ganze Leben so selbstbestimmt wie möglich, am Leben interessiert +deshalb nicht nur "für andere" einsetzen, können wir es "wenn Gott es will" auch im hohen Alter noch selber bestreiten. Ich glaube jedoch nicht, dass man wenn man in ein Heim muss, noch von geniessen reden kann. Im Alter von 90 wäre es nur wirklich lebenswert, wenn wir durch unsere Kinder behütet leben dürften +natürlich nur, wenn wir immer ein gutes +trotzdem unabhängiges Verhältnis zu ihnen hatten.
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