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True Life «Ich lasse mich nicht von meiner Einschränkung definieren»

Von seiner Zerebralparese lässt sich der 25-jährige Oli nicht unterkriegen, ganz im Gegenteil: Er hat einen Job, eine eigene Wohnung und ist mehrheitlich selbstständig unterwegs. Bei «True Life» nimmt er uns mit in seinen Alltag. Oli, wir ziehen unseren Hut vor dir!

Seit er ein «junger Bursche» gewesen sei, wünsche er sich eine eigene Wohnung, erzählt Oli. Vor Kurzem ist dieser Traum für den 25-Jährigen in Erfüllung gegangen. Ganz alleine ist er nicht, denn im Alltag warten so einige kleine Hürden, die er mit seiner Zerebralparese nicht überwinden könne – zum Beispiel das Zubereiten seines Frühstücks oder das Duschen: «Das dauert etwa eineinhalb bis zwei Stunden.»

Mein Betreuer Robert ist für mich wie ein zweites Paar Hände.

Unterstützt wird Oli von Robert, seinem Betreuer. Robert wohnt in derselben Wohnung uns ist für ihn da, wenn er ihn braucht. «Wenn ich am Arbeiten bin, hat Robert frei. Das haben wir so abgemacht.»

Jung und ambitioniert

Anders, als du es vielleicht erwarten würdest, lebt Oli nämlich nicht ganzheitlich von Geld der IV. Zu 50 Prozent arbeitet er im Treuhandbüro seines Vaters. «Warum auch nicht? Es ist schön, ihn hier zu haben», findet dieser. Zudem erweitere es den Horizont aller Mitarbeiter, wenn jemand mit einer Einschränkung eigentlich ganz normal arbeite.

True Life

True Life

SRF gewährt einen vertieften Einblick in Leben und Alltag von «True Talk»-Persönlichkeiten. Im Fokus stehen die ganz persönlichen Geschichten der Menschen, die aufgrund bestimmter Eigenschaften, Vorlieben, Berufe und/oder Merkmale häufig mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Hier findest alle Folgen von «True Life», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Einfach zur Arbeit zu gehen reicht dem 25-Jährigen aber nicht – er ist ziemlich ambitioniert. So hat er im Selbststudium das Handelsdiplom gemacht, studiert momentan online Politikwissenschaften und besucht einen Rhetorik-Kurs. Das hilft Oli, selbständig zu sein.

Diese Selbständigkeit ist für ihn sehr wichtig. Wenn man ihn frage, ob man ihm helfen könne, sei das in Ordnung, wenn aber Leute sagen: «Oh jö, geht es dir gut?» oder «Ist dir etwas nicht wohl?», mag er das überhaupt nicht.

«Wenn ich Hilfe brauche, spreche ich die Leute an.» Lieber versucht er zuerst, Probleme oder Hindernisse selber zu bewältigen: «Es ist jedes Mal eine kleine Errungenschaft, wenn etwas klappt!»

Wenn ich Hilfe brauche, spreche ich die Leute an.

Viel mehr als man auf den ersten Blick sieht

Und Challenges liegen Oli im Blut: «Meine Denkweise und meine Kämpfernatur habe ich von meinen Eltern geerbt.» Wohl genau wegen dieser Einstellung kann der 25-Jährige ein so eigenständiges Leben führen und lässt sich nicht von seiner Einschränkung definieren. Oftmals wird er nämlich auf seinen Rollstuhl und seine körperlichen Einschränkungen reduziert und seinem Charakter wird viel zu wenig Beachtung geschenkt: «There is more to me than meets the eye», meint er, «Die wenigsten sehen andere als Ganzes an. Aber der Charakter macht doch einen Menschen aus, nicht das äussere Erscheinungsbild.»

There is more to me than meets the eye!

Oli bei «True Talk»

Vorurteile gegenüber Menschen mit Einschränkung gibt es mehr als genug. Genau deshalb räumt der 25-Jährige damit auf, denn: Sexualität ist auch bei ihm ein Thema. Und bevormunden muss man ihn auch nicht.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Die Schweiz hat die UN Konvention Behindertengleichstellung unterzeichnet und damit sind die Arbeitgeber gefordert. Niemand darf wegen seiner Behinderung abgelehnt werden. Wo sind nun die freien Stellen? Wir haben tausende geistig absolut hoch entwickelter, aber körperlich eingeschränkter Arbeiter die einen Job suchen. Und die Kosten nur einen Bruchteil eines überflüssigen Chefs oder Kadermitglieds. Warum verpflichtet die IV nicht grosse Arbeitgeber anstatt 60 Jährigen die Rente zu streichen?
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