True Talk Ein paar Knöpfchen drücken: Was steckt hinter dem Beruf «DJ»?

Adrian ist die eine Hälfte des Zürcher DJ-Kollektivs Animal Trainer. Er ist seit Jahren im Geschäft und weiss, was für harte Arbeit hinter dem Beruf «DJ» steckt. Denn es braucht um einiges mehr, als einfach ein paar Knöpfchen drücken zu können.

«Ja, jeder kann DJ werden. Aber nicht jeder kann ein guter DJ werden. Du musst im richtigen Moment die richtigen Songs spielen, du musst die Leute spüren. Das kann nicht jeder», nervt sich Adrian über die Aussage, DJs müssten ja nur ein paar Knöpfchen drücken. Und auch sonst steckt hinter dem Job viel mehr, als man im ersten Moment denken könnte.

Was genau steckt hinter dem Beruf «DJ»?

Ein bisschen Drogen nehmen, Party machen, zwei Stunden nichts tun und dabei noch richtig abkassieren: In etwa so stellen sich viele das Leben als DJ vor. Adrian kann mit diesen Vorurteilen überhaupt nichts anfangen.

«  Zwei Stunden aufzulegen ist Extremsport. »
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«True Talk»

«True Talk»

In unserer Webserie «True Talk» werden Menschen, die aufgrund von bestimmten Merkmalen, Eigenschaften oder Vorlieben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen haben, mit ebendiesen konfrontiert.

«True Talk» siehst du jeweils mittwochs bei uns auf Facebook oder auf dem «True Talk»-YouTube-Kanal.

Zwar sei es schon so, dass DJs oft nur zwei Stunden auflegen, aber: «Diese zwei Stunden sind sehr anstrengend. Es ist laut um dich herum, alle möchten mit dir sprechen und es ist mitten in der Nacht. Ich würde fast behaupten, dass es Extremsport ist.»

Als DJ hast du logischerweise nicht die Ruhe, wie du sie im Büro geniessen kannst. Du bist exponiert, jeder kann dich volllabern und das ist ziemlich anstrengend. Vor allem Songwünsche machen Adrian das Auflegen zur Hölle. «‹Kannst du diesen Song spielen?› – diesen Satz kann ich nicht mehr hören. Das ist wohl der Satz, der jeder DJ hasst.» Doch nicht nur das nervt. Manchmal sind die Leute so voll, dass sie bei Adrian versuchen Bier zu bestellen, weil sie ihn mit dem Barpersonal verwechseln. Autsch.

Diese und andere Extremsituationen nimmt Adrian aber gerne in Kauf. Fliegt er doch um die ganze Welt und bringt massenweise Menschen zum Tanzen. Das heisst, jedes Wochenende mindestens zwei Stunden volle Dosis Euphorie.

«  Ich habe Glück, dass ich meinen Traumjob gefunden habe und mit meiner Leidenschaft Geld verdienen kann. »

«Ich habe Glück, dass ich meinen Traumjob gefunden habe und mit meiner Leidenschaft Geld verdienen kann. Man darf aber nicht vergessen, dass im Hintergrund viele Dinge ablaufen. Man schaut mit Agenten, dem Management, produziert Musik, macht Promo und Weiteres», kontert Adrian auf die Frage hin, ob DJ-sein denn nicht einfach Geldverdienen mit Party heisse. Leuchtet ein, denn das ist ja bei Bands auch nicht anders.

Koks- und Saufgelage? Ehnder weniger!

Dass DJs nicht unbedingt den gesündesten Lebensstil führen ist auch eines der grössten Vorurteile. «Ja, das stimmt», gibt Adrian zu. «Der Schlafrhythmus ist ständig im Ungleichgewicht und durch das man oft unterwegs ist, ernährt man sich auch nicht immer gesund», erzählt er.

Das heisst aber noch lange nicht, dass sie alle immer am Koksen und Saufen seien. «Es sind wenige, die Alkis sind. Aber es ist schon so, dass einem oft Alkohol angeboten wird. Es wird einem Champagner und Wodka hingestellt», erzählt er. Er selbst habe auch Zeiten gehabt, in denen er mehr trank, jedoch verleide einem das ganze Getrinke irgendwann. Ähnlich verhält es sich mit anderen Substanzen: Längst nicht jeder DJ konsumiert sie.

Zusammengefasst: Wer als DJ seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte, hat es um einiges anstrengender, als man es vermuten könnte.