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Serien «10vor10»-Weihnachtsserie: Transasia

In sieben Folgen berichtet «10vor10» von einer einzigartigen Reise der Gegensätze. Die Türkei sucht den Anschluss an Europa und gibt sich westlich, während im Iran eine strenge Sittenpolizei darüber wacht, dass sich alle Frauen verschleiern.

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Legende: «10vor10»-Weihnachtsserie: Transasia SRF

29. Dezember 2008 – 9. Januar 2009

  • Istanbul : Ein Stück Stoff zerreisst ein Land – die Kopftuchfrage

    Kein anderes Land in Europa hat strengere Kopftuchgesetze als die Türkei: In allen öffentlichen Gebäuden ist das Kopftuch verboten. Eine Frau mit Kopftuch erhält in den chicen Istanbuler Restaurants keinen Platz. Trotzdem tragen in der Türkei rund zwei Drittel der Frauen Kopftuch. Die Anwältin Fatma Benli kämpft vor Gericht für das Recht auf Verschleierung, während Mustafa Karaduman das grosse Geschäft damit macht. Der grösste Kopftuchfabrikant der Region lässt seine Tücher an Modeschauen präsentieren: Zum Beispiel von Topmodels wie Tugba Özay, die sich für andere Kunden auch einmal nackt ablichten lässt.

  • Kayseri: Flüchtlingslager in Boomtown

    «Der Winter dauert hier so lange, dass uns gar nichts anderes bleibt als sehr viel zu arbeiten». So erklärt Berna Ilter den wirtschaftlichen Erfolg der 900'000-Seelenstadt Kayseri im türkischen Hochland. Ilter ist erfolgreiche Produzentin von Matratzenbezügen und gibt über 120 Menschen Arbeit. Kayseri ist aber auch die Hauptstadt der Flüchtlinge aus dem nahen Iran. Sie verstecken sich, gehen kaum nach draussen, da sie sich vor Spitzeln des iranischen Geheimdienstes fürchten. Flüchtling Omid sagt es so: «Im Iran gilt mein Glaube als religiöse Verfälschung. Die Iranische Regierung duldet es nicht, dass sich unsere Religionsgemeinschaft weiter ausbreitet. Entweder werden wir eingesperrt und gefoltert oder zur Flucht gezwungen.»

  • Van: Sprengstoff auf Schiene – Türkisches Militär im PKK-Gebiet

    Immer wieder stoppt der Transasia Express im Kurdengebiet stundenlang. Das türkische Militär sucht im sogenannten «Tal des Todes» die Schienen nach Sprengstoff ab. Lokführer Niyazi Tartan nimmt es gelassen, vergleicht sich mit einem Cowboy im wilden Westen und denkt über den Sinn des Todes nach. In der Gegend von Van leben überwiegend Kurden. Sie dürfen ihre Sprache nicht sprechen, und wer den Begriff Kurdistan ausspricht, landet vor Gericht. Das «10vor10»-Team besucht eine mausarme Familie, die von einem sogenannten Ehrenmord betroffen ist und erlebt dabei erschütternde Momente.

  • Zug der Angst – Hinter den Vorhängen iranischer Couchettes

    «Die Sittenpolizei bringt Dich ins Gefängnis, wenn Du den Schleier nicht trägst.» Das erzählt eine Iranerin dem «10vor10»-Frauenteam im Transasia Express. Nach tagelanger Reise brechen einige Reisende das Schweigen und fassen Vertrauen. In einem Land, das das Frauenhaar verdecken lässt, sagt eine Friseurin: «Ich hasse den Schleier, ich fühle mich mit ihm als ob ich kein Mensch wäre. Ich würde ihn gerne ablegen, habe aber Angst vor der Gewalt. Die Regierung nimmt mir alles weg, was meine Person ausmacht.» Im Zug sind viele Iraner, die nach zwei Monaten Arbeitserlaubnis aus der Türkei nach Hause zurückkehren. Die Verspätung summiert sich: Jetzt wird klar, weshalb in keinem Bahnhof eine Uhr zu sehen ist.

  • Eine Frau gegen Ahmadinedschad – ungleicher Kampf um das Amt

    Jetzt gilt es ernst mit dem Kopftuch: Das «10vor10»-Team Susanne Wille, Patrizia Laeri und Eliane Ruckstuhl ist im Iran angekommen. Aufpasser überall, kaum Menschen, die sich zu sprechen getrauen. Die elfjährige Meriem Fikri möchte Lehrerin werden, sie schläft sogar mit Kopftuch und zieht am Morgen den Tschador darüber. Rafat Bayad ist eine mutige Frau, sie will Präsidentin Irans werden und tritt gegen Mahmud Ahmadinedschad an. Im «10vor10»-Interview sagt sie: «Ich persönlich bin mit den Methoden Ahmadinedschads nicht einverstanden. Ich würde nicht versuchen Amerika zu belehren. Meiner Meinung nach sollte Herr Ahmadinedschad nicht so sprechen, weil er auf diese Art den Amerikanern einen Vorwand schenkt.»

  • Gas und Öl – der Stoff aus dem iranische Machtträume sind

    Nach langen Verhandlungen gelingt es dem «10vor10»-Reportageteam, im iranischen Ölministerium ein Interview zu erlangen. Raffineriechef Nuraldin Shahnazi Zadeh gibt freimütig zu, dass der Iran trotz riesigem Ölreichtum Benzin importieren muss, weil das Land zu wenig Raffinerien betreibt. Die Wogen gingen hoch, als Bundesrätin Micheline Calmy Rey (mit Kopftuch) einen Gasdeal mit dem Iran abschloss. Darauf angesprochen sagt Zadeh diplomatisch: «Nun, alle Länder brauchen doch einander. Wir brauchen die Schweiz, die Schweiz braucht uns. Das iranische Öl gehört doch allen Menschen. Wir werden Öl und Ölprodukte exportieren in alle Länder, damit wir alle Freunde werden.»

  • Unter dem Schleier hoffnungslos verwestlicht – Teheran Paradox

    Endlich erreichen Susanne Wille und ihr Team die Millionenstadt Teheran. Der westlichen Besucherin wird schnell klar gemacht, dass sie hier genau drei Sachen fürchten muss: Dass ein schreckliches Erdbeben die Stadt erschüttert, strenge Sittenwächter sie verhaften oder sie im Verkehr umkommt. Durch das Verkehrschaos chauffiert das Team dann eine abgebrühte Taxifahrerin: «Teheran ist ein einziger grosser Parkplatz.» In der Hauptstadt Irans findet das Leben im Verborgenen statt: Beten und Schleier draussen, Parties und Drogen drinnen. Das Prinzip heisst «List». Das System wird permanent überlistet. In keiner andern Sprache gibt es so viele Wörter für List beziehungsweise für «Betrug».