«Oben das Feuer, unten der Berg» von Reinhard Jirgl

Büchnerpreisträger Reinhard Jirgl erzählt in eigener Sprache und mit eigener Rechtschreibung von einem Berliner Kriminalkommissar, der einen vierfachen Frauenmörder sucht. Er stösst dabei auf Staats-Verbrechen der DDR und der Bundesrepublik. Seine Recherchen enden in einer unerwarteten Wende.

Porträt eines Mannes mit Brille.
Bildlegende: Der Autor Reinhard Jirgl für seinem neuen Roman «Oben das Feuer, unten der Berg» eine eigene Rechtschreibung, einen eigenen Satzbau und eine eigene literarische Form entwickelt. Annette Pohnert/Carl Hanser Verlag

„Ich wollte dieses Land von seinen Verbrechen her verstehen, sagt der Kriminalkommissar im Revier am Berliner Alexanderplatz und spricht damit das Programm des Romans aus. Jirgl untersucht nicht nur die Verbrechen und die Gewalt, die typisch waren für die DDR, in der er 1953 geboren wurde. Ihn beschäftigen ebenso die Gewalt erzeugenden Verhältnisse des heutigen Deutschland. Und er konstatiert zuletzt, dass die einst von Europa exportierte Gewalt zurückkehrt auf den alten Kontinent.

Im Grunde enthüllt der Berliner Kriminalkommissar eine Familientragödie: Eltern die in der DDR verhaftet werden, weil sie die Nazi-Vergangenheit eines Parteisekretärs aufdecken. Ein Sohn, der im Gefängnis geboren wird, in Heimen verwahrlost und zum Killer wird. Eine Tochter, Historikerin, deren Arbeiten auch nach der Wende unwillkommen sind. Und zwei deutsche Staaten, die im Verborgenen einträchtig zusammenarbeiten, wenn es gilt, Killerkommandos zu beschäftigen.

Jirgl mutet dem Leser, der Leserin, einiges zu. Er hat eine eigene Rechtschreibung, einen eigenen Satzbau und eine eigene literarische Form entwickelt. Hat man sich da aber einmal eingelesen, erlebt man Erstaunliches, Schreckliches – und auch Zartes. In jedem Falle aber Anrührendes!

Buchhinweis:
Reinhard Jirgl. Oben das Feuer, unten der Berg. Hanser, 2016.

Autor/in: Felix Schneider