St. Gallen ist auch ein Weinbaukanton

Die St. Galler können sich rühmen, mit der St. Galler Kalbsbratwurst die Heimat der wohl berühmtesten und vielleicht auch besten Wurst der Schweiz zu sein. Doch wenig bekannt ist, dass man im fernen Osten der Schweiz auch Wein erzeugt.

Das Kantonswappen von St. Gallen.
Bildlegende: Insgesamt sind drei Viertel des St. Galler Reblandes mit roten Sorten bestockt. Gemeinfrei

Im Kanton St. Gallen wird nicht erst seit jüngster Zeit, sondern bereits seit Jahrhunderten Wein angebaut. Wie anderswo in der Schweiz waren es auch hier zunächst klösterliche und später auch weltliche Grundherren, die den Weinbau förderten. Und wie anderswo in der Schweiz betrug die Rebfläche einst ein Vielfaches dessen, was heute kultiviert wird.

Der Rückgang im 20. Jahrhundert

Im Laufe des 20. Jahrhunderts verminderte sich die Rebfläche markant. Dafür gab es mehrere Gründe: So ermöglichte der Ausbau des europäischen Eisenbahnnetzes den Import von billigen und besseren Rotweinen aus dem Süden. Zudem richteten die anfangs des 20. Jahrhunderts erstmals die aus Übersee eingeschleppten Rebkrankheiten grosse Schäden in den Rebbergen an. Der Tiefpunkt war Ende der 1950er Jahre erreicht, als nach den beiden verheerenden Frostwintern von 1955 und 1956 nur noch gerade 132 Hektaren mit Reben bepflanzt waren.

Seither hat sich im St. Galler Weinbau alles nur noch zum Besseren gewendet. Heute werden wieder 210 Hektaren Rebland bewirtschaftet, und vierzig Kelterbetriebe verarbeiten die geernteten Trauben zu einer Vielzahl von Weinen, deren Qualität sich sehen lassen kann.

Drei Hauptanbaugebiete

Der Weinkanton St. Gallen lässt sich in drei Hauptanbaugebiete unterteilen: Angrenzend an die Bündner Herrschaft beginnt bei Bad Ragaz und Pfäfers das Sarganserland, das sich bis nach Weesen am Walensee erstreckt. Am oberen Ende des Zürichsees findet man im Gebiet um Rapperswil weitere Reblagen. Die wichtigste St. Galler Weinbauregion ist jedoch das Rheintal, die von Sevelen bei Sargans über Berneck (mit 40 Hektaren Rebfläche die grösste Weinbaugemeinde des Kantons) bis an den Bodensee reicht.

Hauptsächlich rote Sorten

Wie in der Bündner Herrschaft dominiert auch in den St. Galler Weinbaugebieten der Pinot noir. Dazu kommen kleinere Anteile von diversen anderen roten Sorten wie etwa Merlot oder Zweigelt. Insgesamt sind drei Viertel des St. Galler Reblandes mit roten Sorten bestockt.

Bei den weissen Varietäten steht der Müller-Thurgau (Riesling x Silvaner) im Vordergrund, gefolgt von den internationalen Sorten Chardonnay, Sauvignon blanc und Pinot gris. Vermehrt angebaut werden auch diverse rote und weisse Neuzüchtungen, allerdings nur in Kleinstmengen.

Moderation: Reto Scherrer, Redaktion: Rudolf Trefzer