Auswandern nach Fuerteventura: Ein erster Versuch

Vor sechs Jahren waren Tobias Bayer und Michael Paris schon einmal nach Fuerteventura ausgewandert. Ihr Ziel war auch damals: Sich selbstständig machen und ein Geschäft aufbauen. Die spanische Wirtschaftskrise hat ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Vertröstet mit Ausreden

2:04 min, vom 6.1.2017

SRF DOK: Wann hattet Ihr zum ersten Mal die Idee auszuwandern?

Tobias Bayer: Die hatten wir schon recht früh. Michael war noch nicht lange in der Schweiz, da hatten wir schon beide ein Gefühl und fragten uns: Was könnten wir tun? Wir sahen in uns beiden etwas Kreatives und wollten etwas Selbstständiges machen.

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Die neue Staffel

«Auf und davon» – Vorfreude und Abschiedschmerz, Folge 1, am 6. Januar 2017, 21.00 Uhr, SRF 1

Und was gab den Anstoss, den Traum in die Tat umzusetzen?

Er ist nach und nach gewachsen. Wir reisten regelmässig nach Fuerteventura in die Ferien, fast jedes Jahr. Wir merkten: Fuerteventura ist ein guter Ort zum Leben, und um ein eigenes Geschäft aufzubauen, weil Fuerteventura immer 10 bis 20 Jahre hinter den anderen kanarischen Inseln herhinkt. Da gibt es Potential, um etwas Neues aufzubauen. Wir wussten damals aber noch nicht genau, was und in welchem Rahmen es sein sollte.

In welche Richtung gingen die Überlegungen?

Uns schwebten verschiedene Dinge vor: Eine Bar, ein kleines Hostel oder ein Bed and Breakfast. Je nachdem was sich ergeben würde. Den Gedanken mit dem Hostel bzw. dem Bed and Breakfast hatten wir aber recht schnell verworfen, weil es sehr schwierig war, ein geeignetes Objekt zu finden.

Der erste Job auf Fuerteventura: Tobias macht Kundenumfragen am Flughafen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der erste Job auf Fuerteventura: Tobias macht Kundenumfragen am Flughafen SRF

Wie seid Ihr vorgegangen?

Wir vermieteten unsere Eigentumswohnung in der Schweiz und zogen dann für ein halbes Jahr zu meinen Eltern, um alles zu kündigen und noch etwas Geld auf die Seite zu legen.

Dann reisten wir mit Sack und Pack auf die Insel, um erstmal Land und Leute besser kennenzulernen, Spanisch zu lernen und die Insel auszukundschaften. Wie ist das preislich? Was muss man in etwa rechnen, wenn man selber etwas aufbaut? Nach drei bis vier Monaten fingen wir an zu jobben, auch um Einheimische kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln.

Am Flughafen in Fuerteventura machten wir Kundenumfragen auf Deutsch, Spanisch, Englisch und Französisch. Ich begleitete Inseltouren mit dem Bus und übersetzte auf Französisch. Ausserdem fuhr ich als Chauffeur kleine Minibusse über die Insel. Michael jobbte in einem Hotel an der Rezeption und ich in einem Immobilienbüro, das Villen vermietete. Dort habe ich mich um die Gästebetreuung gekümmert. Das Ziel war aber immer, uns selbstständig zu machen.

Michael erkundet die Inselhauptstadt Puerto del Rosario Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Michael erkundet die Inselhauptstadt Puerto del Rosario SRF

Das klingt nach einem gelungenen Start.

Uns ist eigentlich nur die spanische Wirtschaftskrise in die Quere gekommen. Anstatt dass es hier bergauf ging, sah man wie jede Woche ein, zwei Restaurants, Geschäfte oder Bars dicht machten. Es gab eine Inselflucht – auch von allen anderen Inseln der Kanaren. Die Leute gingen heim, winkten ab und fanden «Jessesgott», jetzt ist nicht die Zeit, um ein Geschäft zu eröffnen.

Das hat uns ein wenig eingeschüchtert. Wir fanden, okay, das ist vielleicht doch nicht der richtige Zeitpunkt. Wir hätten zwar einfach weiter arbeiten können. Michael im Hotel und ich im Immobilienbüro. Wir hätten unseren Lohn gehabt von je 1000 Euro im Monat. Damit wären wir hier gut durchgekommen. Aber wir haben gemerkt, wir kommen so nicht weiter. Und so haben wir nach 10 Monaten die Zelte wieder abgebrochen.

Die Unterkunft muss ins Budget passen

1:37 min, vom 6.1.2017

Wie war es für Euch damals in die Schweiz zurückzukehren?

Wir hatten nicht das Gefühl, gescheitert zu sein. Oder dass der Traum geplatzt war. Es ist von Fuerteventura bis in die Schweiz eine fünftägige Reise mit dem Auto. Je näher wir der Schweiz kamen, desto mehr sprachen wir beide davon, dass wir irgendwann wieder gehen würden. Und bevor wir richtig daheim waren, war beiden klar, dass wir das Projekt Fuerteventura nur auf Eis gelegt hatten.

Und 2016 seid ihr es also nochmals angegangen...

Richtig. Und nun wussten wir auch, dass wir etwas mehr Geld sparen müssen und erst gehen, wenn wir das passende Lokal gefunden haben. Denn uns war klar: Ein drittes Mal wandern wir nicht aus.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 06.01.2017 21:00

    Auf und davon
    Vorfreude und Abschiedsschmerz

    Staffel (2017), Folge 1

    Patrica und Romano Tschudi wagen den grossen Schritt. Auf Bali eröffnen sie ein Gästehaus. Familie Volk will sich in Kanada mit einem Holzfäller-Unternehmen eine neue Existenz aufbauen. Und Tobias Bayer und Lebensgefährte Michael Paris eröffnen auf Fuerteventura eine Bar. Der Abschied steht bevor.