Baumfällen im grossen Stil

In Kanada baut Christian Volk ein Holzfäller-Unternehmen auf. Seine Spezialität sind Waldrodungen in steilem Gelände. Mit einer Seilwinde gesichert, fährt er mit seiner tonnenschweren Maschine in Hänge mit bis zu 60 Prozent Gefälle. Diese Methode ist in Kanada bisher gänzlich unbekannt.

Christian Volk und sein Holzernter Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Maschinenpflege Christian Volk repariert die «Holzernter» fast immer selbst. SRF

SRF DOK: Was ist der Unterschied zwischen der Holzwirtschaft in der Schweiz und Kanada?

Christian Volk: In unserem Dorf Clearwater leben fast alle von der Holzwirtschaft. In Kanada ist Holz ein Rohstoff. In der Schweiz steht eher die Waldpflege im Vordergrund. Der Druck der Öffentlichkeit ist in der Schweiz sehr hoch. Wenn ein Wald nicht feinsäuberlich und optisch ansprechend von Waldarbeitern verlassen wird, dann gibt es gleich negative Presse. Zudem sind die Dimensionen in Kanada viel grösser. Allein in der Provinz British Columbia wird pro Jahr fast 20-mal mehr Holz geerntet als in der Schweiz.

Wie hat sich dein beruflicher Alltag verändert?

Hier in Kanada wird unsere Technologie der Steilhangernte sehr geschätzt. Allerdings ist der Verdienst knapper als in der Schweiz. Die Margen sind hier viel kleiner, entsprechend müssen wir auch effizienter arbeiten. Fehlentscheidungen beim Maschinenkauf können bereits das wirtschaftliche Ende bedeuten. Und hier in Kanada ist niemand da, der einen auffängt. Dann kommt einfach der Bankrott.

Dafür ist der Druck der Öffentlichkeit weg. Wir sind weit draussen im Wald, dort kommen keine Spaziergänger vorbei und wir können ungestört arbeiten. Das geniesse ich.

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«Cut some trees...»

0:55 min, vom 6.1.2017

Welchen Gefahren seid ihr im Steilhang ausgesetzt?

Was wir machen ist grundsätzlich sehr sicher. Wir können ohne Probleme in Gefällen von bis zu 60 Prozent Bäume fällen. Wir sind jedoch auch schon an unsere Grenzen gekommen – oder sogar etwas darüber hinaus. Einmal sind wir in einen Hang gefahren, der eine Steigung von 85 Prozent über 100 Meter aufwies. Das war schon heikel. Das werden wir in Zukunft nicht mehr machen.

Bis jetzt ist noch nie etwas Gröberes passiert. Nur kleinere Vorfälle hat es schon gegeben. Zum Beispiel als das Seil am Vollernter gerissen ist und dieser danach 20 Meter unkontrolliert den Berg runterrutschte. Da sind alle mit dem Schrecken davongekommen.

Kanadischer Wald Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schweizer Technik in Kanada Waldroden im Steilhang SRF

Ihr seid ja jeweils über eine Stunde Autofahrt vom nächsten Dorf entfernt. Was geschieht, wenn sich doch jemand verletzt?

Wenn etwas passiert, müssen wir den Verletzten selber zurück ins Dorf bringen. Die Rettungskette ist nicht wie in der Schweiz. Es gibt keine Helikopter, die in den Wald kommen und Arbeiter retten. In ganz British Columbia gibt es nur einen Helikopter mit einer Winde zur Bergung. Und die Krankenwagen können nicht in den Wald fahren. Sie fahren nur auf geteerten Strassen, also bis an den Dorfrand. Darum müssen wir auch entsprechend ausgerüstet sein. Wir haben einen Rettungsbarren in einem speziell ausgestatteten Auto und ein Notfall-Kit. Wir müssen auch Kurse besuchen, damit wir die Erstversorgung auf dem Weg ins Dorf gewährleisten können.

Ihr holzt riesige Flächen unberührten Waldes ab. Ist das nachhaltig?

Man muss das im Verhältnis sehen. Die Dimensionen hier sind nicht vergleichbar mit der Schweiz. Zudem wird jede Fläche im darauffolgenden Jahr wieder aufgeforstet. Und diese Aufforstungen werden ganz genau überwacht. Und nur diejenigen Sägewerke, welche erfolgreich wieder aufforsten, bekommen auch neue Lizenzen. Man muss sich also um eine mögliche Erosion keine Sorgen machen. Die kanadischen Behörden kontrollieren ganz genau und kennen kein Pardon.

Kann man mit solch grossen Maschinen überhaupt rücksichtsvoll mit der Natur sein?

Das müssen wir! Besonders achten wir auf die einheimischen Vogelarten und die Gewässer. Das ist den kanadischen Behörden wichtig. Sie machen strenge Kontrollen. Bachläufe dürfen nicht beschädigt oder verändert werden, das Wasser darf nicht verschmutzt werden, Brutbäume von Vögeln werden markiert und dürfen nicht gefällt oder beschädigt werden. Wer sich nicht daran hält, muss hohe Geldbussen bezahlen.

Familie Volk Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Glücklich in Kanada Familie Volk schätzt das Leben in Kanada – beruflich und privat. SRF

Was sind deine Wünsche für die Zukunft?

Jetzt sind wir noch im Aufbau und machen viele Neuinvestitionen. Zusätzlich konnten wir unser Vertragsvolumen verdoppeln. Durch diese Vergrösserung liegt eine anstrengende Phase vor uns. Wir müssen jetzt alles doppelt so schnell hinbekommen. Es wird sicherlich ein zähes Jahr, da muss man sich nichts vormachen. Ich hoffe aber, dass sich danach alles einpegelt, wir gute Angestellte haben, die auch bleiben und dass ich irgendwann auch noch einen guten Mechaniker finde, damit ich nicht immer alle Reparaturen machen muss.

Es klingt, als ob viel beruflicher Druck auf euch zukommt. Was wünschst du dir privat?

Das Leben hier gefällt uns sehr gut, und wir geniessen es definitiv! Ich hoffe, dass ich weiterhin Freizeit habe und diese mit meiner Frau Simone und unserem Sohn Gion geniessen kann. Und dass Geschäftliches und Privates weiterhin so gut zusammenpassen wie bisher. Aber vor allem, dass wir alle gesund bleiben. Das ist sowieso das Allerwichtigste.

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Tonnenschwere Maschinen verschifft über Belgien nach Kanada

1:49 min, vom 6.1.2017

Sendungen zu diesem Artikel

  • SRF 1 20.01.2017 21:00

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  • SRF 1 13.01.2017 21:00

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    Patrica und Romano Tschudi machen Bekanntschaft mit der eher lauen Arbeitseinstellung auf Bali, Familie Volk erlebt eine böse Überraschung mit ihrem Visumsantrag und Tobias und Michael erfahren, dass die Uhren auf Fuerteventura anders ticken, als in der Schweiz.

  • SRF 1 06.01.2017 21:00

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