Ein enges Band zu den Aborigines

Weshalb Miriam Landolt die Kultur der Aborigines in ihrem Ferienresort an die Touristen weitergeben will, hat sie nicht zuletzt einem über hundertjährigen Clan-Leader zu verdanken.

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«Ich will diese Völker zusammenbringen»

2:22 min, vom 6.2.2015
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«Auf und davon»

«Ziel in Sicht», Folge 5, Freitag, 6. Februar 2015, 21.00 Uhr, SRF1

SRF DOK: Wie kam es zum Kontakt mit den Ureinwohnern?

Miriam Landolt: Als ich mit knapp 20 Jahren das erste Mal Australien bereiste, besuchte ich zuerst meinen Cousin. Dort lernte ich seinen Nachbarn kennen – der Bruder von Janette, die unser Resort für drei Monate geführt hat und deren Familie bis heute unsere besten und engsten Freunde hier in Australien sind.
Janette baute verschiedene Ausbildungsprogramme für die Aborigines der Küste auf und hatte engen Kontakt zu den Communities und den Ältesten. Sie nahm mich mit an verschiedene Treffen mit den Ältesten. Und irgendwie hat es sich ergeben, dass einer der Clan-Leader, Uncle Lenny, ein über Hundertjähriger, wollte, dass ich möglichst viel von ihnen lerne. So durfte ich mit ihm und im Laufe der Zeit mit vielen anderen Ältesten auf einen Weg gehen.

Was fasziniert Dich so an ihrer Kultur?

Wie viele andere indigene Völker haben sie einen sehr tiefen Respekt vor der Natur – sie und die Aborigines behüten sich gegenseitig. Das Kollektiv ist ausserdem viel wichtiger als das Individuum, jeder hat einen Platz, mit all seinen Stärken und Schwächen.

Kulturprogramm mit den Aborigines Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Miriam Landolt begrüsst erste Schweizer Gäste zum Kulturprogramm mit den Aborigines. SRF

Die Aborigines leben ihre Spiritualität, jeder Gedankengang, jede Handlung hat Konsequenzen auf die Gemeinschaft und wird entsprechend gewichtet. Für jedes Wissen, dass du weitergibst, trägst du auch entsprechende Verantwortung.

Als Kinder hatten wir immer engen Kontakt zu Bergbauern, die eine ähnliche Verbundenheit mit der Natur leben. So waren wir auch hier in Australien offen und wollten die oft mit sehr viel Symbolen geprägte Sprache der Aborigines verstehen.

Was können wir westlich geprägten Menschen von den Ureinwohnern lernen?

Dass wir das, was uns nährt, hüten. Dass wir die alten Menschen und Wissensträger unserer Kultur und Zeit respektieren und uns vielleicht ein wenig mehr nach unserer Berufung fragen. Jede Seele hat eine Bestimmung und ist Teil einer Gemeinschaft, welche uns braucht. Alles im Leben hat einen Sinn, und es ist an uns, diesen Sinn zu erkennen und uns darin und damit weiterzuentwickeln.

Die Alten, auch die Verstorben, werden geehrt und stehen mit uns in Verbindung. Sie helfen uns, zu lernen und das Richtige zu tun – wenn wir nur hinhören.

Zum Videoausschnitt: Uncle Bill ist ein Waranu-Ältester. Er lebt ein paar Stunden südlich vom Anwesen der Landolts und pflegt enge Freundschaften mit den Gumbaynggirrs, dem Stamm, zu dem Uncle Lenny gehörte.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 06.02.2015 21:00

    Auf und davon
    Ziel in Sicht

    Staffel (2015), Folge 5

    Im Ferienresort in Australien begrüsst Miriam Landolt die ersten Schweizer Gäste zum Kulturprogramm mit den Aborigines. Ehemann Jules hingegen arbeitet weiter an der Finanzierung des Anwesens. Seine neue Idee: Er möchte das Geschäft erweitern.