Farmer in Kanada – ein hartes Leben

Die Kanada-Auswanderer Sandra und Duncan Gano schätzen an Kanada, was viele Schweizer hier vermissen: Weite und Freiheit. Doch sie mussten auch lernen, dass die Freiheit ihren Preis hat.

Sandra und Duncan Gano Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sandra und Duncan Gano sind glücklich über ihren Neustart SRF

Mit rund einer halben Million Schweizer Franken, ihrem ganzen Ersparten, kauften Duncan und Sandra eine Farm am Lake Manitoba. Sie wollten als selbständige Bauern vom Kälberverkauf leben. Sie seien schon recht blauäugig gewesen, resümiert Sandra heute. Sie hatte als ausgebildete Hotelfachangestellte kaum Ahnung von der Landwirtschaft, während Duncan immerhin auf einem Bauernhof aufgewachsen ist.

Plackerei statt Unabhängigkeit und Freiheit

Regenfälle und Mückenplagen im Sommer. Harte, lange Winter. Zu fast keiner Jahreszeit fanden die beiden Neu-Farmer etwas Ruhe. Die beiden schufteten auf ihrer Farm, kamen aber auf keinen grünen Zweig.

Sandra und Duncan mussten ihren ganzen Jahreslohn innerhalb einer Viertelstunde auf der jährlichen Viehauktion verdienen: «Deine Kälber kommen rein und du kannst nur hoffen, dass zwei Käufer sich gegenseitig hochsteigern.» In Kanada ist die Landwirtschaft um einiges härter als in der Schweiz. 2010 entschloss sich das Paar, den Hof zu verkaufen. Der Traum vom selbstständigen Bauernleben, von Unabhängigkeit und Freiheit liess sich nicht verwirklichen.

Doch eine Riesenüberschwemmung machte ihnen 2011 einen Strich durch die Rechnung: Wer kauft schon einen Hof, der unter Wasser steht? Und so schrumpfte ihr Konto von 500'000 auf 500 Franken. Erst drei Jahre später gelang es ihnen, den Hof zu verkaufen. Mit happigem Verlust, den sie aber mit einem Gewinn beim Kälberverkauf ausgleichen konnten.

Duncans Leidenschaft – das Fliegenfischen

2:24 min, vom 6.5.2016

Zweiter Anlauf am Fuss der Rocky Mountains

Ganos wagten einen Neuanfang. «Irgendwo nahe an einem Fluss, wo es entweder Lachs oder Forellen gibt und ich meinem Fliegenfischen-Hobby nachgehen könnte. Auf dem Land, aber näher bei einer Ortschaft, in der man regelmässig Freunde treffen kann», das wünschte sich Duncan. Einen solchen Ort fand das Paar 1000 Kilometer entfernt von Manitoba, im 250-Seelen-Ort Lundbreck, am Fuss der Rocky Mountains. Kurze, milde Winter, warme Chinook-Winde, keine Mücken.

Sandra und Duncan schmunzeln heute über ihre schweren Zeiten: «In Kanada sagt man: 'adversity builds character', Schwierigkeiten festigen den Charakter. Wir haben nun genug Charakter und könnten sogar welchen verkaufen.»

Sandra Gano arbeitet in einem Tierheim

2:13 min, vom 6.5.2016

Zeit für Hobbys und Reisen

Duncan arbeitet jetzt als Handwerker auf dem Bau, Sandra putzt Katzenkisten in einem Tierheim. Sie sind nicht mehr ihre eigenen Chefs, viel verdienen sie nicht, doch das Leben als Angestellte bietet ihnen mehr Freiheiten.

Endlich haben sie Zeit für Hobbys und Winterferien im warmen Südamerika, für Freunde und füreinander. Sie haben sich auch als Paar verändert, sind nicht mehr den ganzen Tag zusammen, haben sich mehr zu erzählen. Nach den harten Zeiten geniessen Sandra und Duncan ihr neues Leben.

Vielleicht, später einmal, möchten sie ein eigenes Bed & Breakfast eröffnen.

Kanada – das «Auf und davon»-Lieblingsland

  • Kanada kam in jeder der sieben «Auf und davon»-Staffeln vor, ausser in der sechsten Staffel (2015).
  • Auch in der nächsten Staffel (2017) spielt eine der Geschichten in Kanada.
  • Familie Schönbächler half Familie Fischer (fünfte Staffe) und Familie Volk (kommende achte Staffel) mit Tipps und Tricks.
  • Sandra und Duncan Gano wohnen neu fast in der Nachbarschaft von Familie Ruckstuhl (siebte Staffel) und wollen sich bald zu einem Barbecue treffen.

Familie Gano in Lundbreck, Kanada

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 06.05.2016 21:00

    Auf und davon
    Familie Gano in Kanada

    Auf und davon Spezial, Folge 5

    Mona Vetsch besucht Sandra und Duncan Gano in Kanada. Dort trifft sie auf ein Paar, das sein Glück erst im zweiten Anlauf gefunden hat.