Ein Agriturismo in Italien Happy End in Raten

Erdbeben machten das Agriturismo von Anja Kinsky und Claude Wegmann unbewohnbar. Seitdem leben die beiden Auswanderer im Wohnwagen. Nun hat ihnen die italienische Regierung einen Wohncontainer geliefert – ein erster Schritt in eine bessere Zukunft.

Anja Kinsky und Claude Wegmann wollen trotz Erdbeben und weiterer Erdbebengefahr in Italien bleiben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Anja Kinsky und Claude Wegmann wollen trotz Erdbeben und weiterer Erdbebengefahr in Italien bleiben. SRF

«Endlich ist er da! Wir freuen uns riesig», sagt Claude Wegmann. Während Monaten haben er und seine Partnerin Anja Kinsky auf den langersehnten Wohncontainer gewartet. Der Liefertermin wurde mehrmals verschoben. «Immer wieder vertröstet zu werden, geht an die Substanz.»

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Die vorläufige Bleibe von Anja und Claude

0:57 min, vom 28.4.2017

Weniger Glück für die Pferde

Mit der Unterkunft für ihre Pferde sieht es hingegen weniger rosig aus. Die Erdbebenserie von letztem Herbst hat den Stall unbrauchbar gemacht. Claude Wegmann: «Wir hatten von der Regierung bereits die Zusage für einen neuen Stall.» Aber plötzlich wurde ihnen mitgeteilt, dass nur Kühe neue Ställe bekämen. Für Pferde seien sie ungeeignet.

Einsturz oder Renovation?

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«Auf und davon»

«Anja Kinsky und Claude Wegmann in Italien», 28.4.2017, 21:00 Uhr, SRF1.

Zurück in ihre alten Wohnhäuser können Claude Wegmann und Anja Kinsky nicht. Es wurde ihnen offiziell verboten. Ein Expertenteam bestehend aus Geometern und Ingenieuren prüfte die Bausubstanz ihres Agriturismo. Sie erstellten eine 50-seitige Dokumentation und zogen ein klares Fazit: Die Struktur ist nun so schwach, dass bei einem weiteren Erdbeben alles einstürzen könnte.

Ihre Häuser seien erst wieder bewohnbar, wenn alles renoviert sei. Aber dafür brauchen Claude Wegmann und Anja Kinsky grünes Licht von der Regierung. «Auf dieses müssen wir jetzt mindestens ein Jahr warten. Die Regierung macht nicht so schnell vorwärts», sagt Claude Wegmann. Würden sie vor dem definitiven Bescheid loslegen, gäbe es kein Geld vom italienischen Staat. Das Warten wird zunehmend zum Problem. Claude Wegmann: «Es entstehen Tag für Tag zusätzliche Schäden, die Risse in den Wänden werden noch tiefer.»

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Schäden am Agriturismo

1:33 min, vom 28.4.2017

Abwarten und Hoffen

Grundsätzlich wären sie dem Warten, dem «dolce far niente» nicht abgeneigt. Sie haben die letzten Jahre genug gearbeitet. «Aber ich werde in ein paar Jahren sechzig. Uns läuft die Zeit davon.» Falls sie im kommenden Jahr mit Renovieren beginnen, könnten sie in ihrem Agriturismo in drei bis fünf Jahren wieder Gäste empfangen. Es ist Anja und Claude zu wünschen.

    • Erdeben in Italien

      Die Erdbebenserie in Mittelitalien beginnt am 24. August 2016. Dabei kommen 299 Menschen ums Leben. Im folgenden halben Jahr bebt die Erde immer wieder – besonders heftig in Norcia am 30.Oktober 2016 mit einer Stärke von 6,6. Das ist eines der stärksten Beben überhaupt in Italien. Im Januar 2017 lösen vier Beben eine Lawine aus. Dadurch wird ein Hotel in den Abruzzen verschüttet. 29 Menschen sterben. Die Erdbebenserie der letzten 9 Monate richtet Schäden von über 23,5 Milliarden Euro an.

      0:39 min vom 28.4.2017

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 28.04.2017 21:00

    Auf und davon
    Anja Kinsky und Claude Wegmann in Italien

    Auf und davon Spezial, Folge 2

    In der zweiten Folge erlebt Mona Vetsch, wie eine Idylle durch eine Katastrophe zerstört wird. Bei ihrem ersten Besuch bei Anja Kinsky und Claude Wegmann auf ihrem Agriturismo ist alles noch in bester Ordnung. Doch dann erschüttert eine Serie von Erdbeben Italien.