Irrwitz und Widersprüche in Dubai

Will man in einer Stadt leben, in der man bei 50 Grad Ski fahren kann? In einer Stadt, in der Händchen halten verboten ist, genauso wie das Zusammenleben als unverheiratetes Paar? Kann man hier glücklich werden? Reto Maccioni sagt ja. Monika Maccioni und ihre Töchter sagen nein.

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Familie Maccioni in Dubai und Bülach

42 min, aus DOK - Auf und davon vom 13.5.2016

In Dubai wird ein Hochhaus nach dem anderen aus dem Boden gestampft. Inzwischen sind es 916. Um eine scheinbare Natürlichkeit herzustellen, sind die Wolkenkratzer mit tausenden von Palmen umgeben. Für Touristen ein faszinierender Anblick. Aber wie ist es, in einer so künstlichen Welt zu leben? Praktisch unmöglich sei es, sagen Monika Maccioni und ihre Töchter Selina und Chiara. Sie kehrten in die Schweiz zurück. Die Familie lebt nun getrennt, die Eltern sind geschieden.

Kamera filmt Mona Vetsch in Dubai Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dreharbeiten in der Wüstenmetropole SRF

Geht nicht, gibt’s nicht in Dubai

Die Metropole am Persischen Golf strotzt vor Superlativen. Sie ist Heimat des höchsten Gebäudes der Welt, des luxuriösesten Hotels und bald auch der grössten Shopping-Mall. Die heute 17-jährige Selina und ihre Mutter Monika fühlten sich trotz der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, die Dubai bietet, eingeschränkt. Selina konnte im weitläufigen Dubai kaum selbständig etwas mit Kolleginnen unternehmen. Die Eltern mussten sie immer mit dem Auto bringen und abholen. Das Schulsystem sei auf Studieren ausgerichtet, sagt Selina. Sie aber wollte etwas Handfestes lernen.

Und auch Mutter Monika konnte nicht das machen, was sie wollte: Arbeiten. Als Expat-Frau bekam sie keine Arbeitsbewilligung. Chiara, die Jüngste der Familie, fand sich in dieser ungewohnten Welt besser zurecht. Als ihre Mutter und ihre Schwester zurück in die Schweiz zogen, ging sie dennoch mit. Da ihr Vater Reto als Pilot oft auf Reisen ist, wäre sie häufig alleine gewesen.

Reto Maccioni mit seinen beiden Töchter Selina und Chiara in Dubai. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Reto Maccioni mit seinen beiden Töchter Selina und Chiara in Dubai (2009). SRF

Trotz Hitze fehlt es an Wärme

Dubai – die Antithese von Geborgenheit. Trotz Temperaturen bis 50 Grad fehlt es an Wärme. Es ist ein Ort, um zu arbeiten. Dann geht man wieder. Über 80 Prozent der Bevölkerung sind Ausländer. Eingebürgert wird hier praktisch niemand.

Reto Maccioni hat einen Weg gefunden, sich in Dubai heimisch zu fühlen. Auch weil er immer wieder gehen kann. Als Pilot ist er oft unterwegs, er erlebt die Stadt in erträglicher Dosis. Ein Zurück in die Schweiz wäre für ihn aus beruflicher Sicht schwierig. Eine vergleichbare Anstellung fände er kaum.

Dubai – eine Stadt irrwitziger Widersprüche

  • Dubai besitzt eine Skihalle. Die überdimensionale Kühltruhe ist derart beliebt, dass bereits eine zweite gebaut wird – mit einer 1,2 Kilometer langen Indoor-Piste. Ein weiterer Weltrekord.
  • Die Polizeiautos von Dubai sind Luxuskarossen: Das Blaulicht blinkt an Bugattis, Lamborghinis und Ferraris. Dass die Wagen ein wenig mehr Benzin verbrauchen, ist egal. Ein Liter Benzin kostet umgerechnet rund 45 Rappen.
  • Einheimische sterben früher oder später aus. Die bevölkerungsstärksten Nationen in Dubai sind Indien und Pakistan. Um Einheimischen einen Anreiz für Nachwuchs zu geben, werden Geburten mit bis zu 25‘000 Franken belohnt.
  • Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Dubai ein staubiger Platz mit wenigen Lehmhäusern. Die angrenzende Wüste war das Reich der Beduinen und ihren Kamelen. Heute ist Dubai eine Betonwüste.
  • Grundrechte, wie etwa Meinungsäusserungs- oder Medienfreiheit, sind eingeschränkt. Es wird stark in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger eingegriffen. Die digitale Kommunikation wird strikt kontrolliert.

Familie Maccioni in Dubai und Bülach

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 13.05.2016 21:00

    Auf und davon
    Familie Maccioni in Dubai und Bülach

    Auf und davon Spezial, Folge 6

    In dieser Folge reist die Mona Vetsch zu Familie Maccioni nach Dubai – und nach Bülach. Die Auswanderung ins Wüstenemirat am Persischen Golf war kein Schritt ins Glück, sondern führte zur Trennung.