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Auf und davon Krank im Paradies

Nicole Gerstner, die mit ihrer Familie nach Costa Rica ausgewandert ist, spricht von ihrem bisher schwierigsten Moment in der neuen Heimat und darüber, ob ihr Lebenstraum im Ausland deshalb Risse bekommen hat.

Aussicht aufs Meer
Legende: Medizinische Versorgung ist in den Tropen oft nur schwer zugänglich. SRF

Als Nicole Gerstner vor gut einem Jahr mit ihrer Familie nach Costa Rica auswanderte, hätte sie nie gedacht, dass es ihren Mann einmal so, wie sie sagt, «z' Bode jätet»: Er, Mike Wiedmer, der grosse, kräftige Mann, der in der Schweiz selten bis nie zum Doktor musste, ist von heute auf morgen nur noch ein Häufchen Elend, hat unerträgliche Schmerzen am ganzen Körper. Das Thermometer zeigt hohes Fieber an.

«Die lassen dich dort knallhart liegen»

Mike wacht eines nachts auf und wird kurz darauf ohnmächtig. Sie beschliessen, die öffentlichen Klinik in Cobano aufzusuchen: Mike hat Dengue-Fieber.

In den folgenden Tagen muss er täglich sein Blut untersuchen lassen. Doch die Zustände in der Klinik sind – für Menschen, die anderes gewöhnt sind – unhaltbar, niemand fühlt sich verantwortlich für ihn, in der Mittagspause sind alle Angestellten einfach weg. «Die lassen dich dort knallhart liegen», sagt Nicole Gerstner. Mike nimmt innerhalb von wenigen Tagen zehn Kilo ab.

Endlich Erleichterung

«Das war ein Moment, in dem ich mich nur noch zurück in die Schweiz wünschte», sagt die heute 42-Jährige rückblickend. Sie ist allein mit den Kindern, ohne jegliche Unterstützung. Einen Freundes- oder Bekanntenkreis in Costa Rica haben sie damals noch nicht aufgebaut. Nicole ist froh, dass Freunde aus der Schweiz zu Besuch sind und sie tatkräftig unterstützen.

Aus Angst um ihren Mann beschliesst sie, mit ihm eine Privatklinik in San José aufzusuchen – von ihrem Wohnort Santa Teresa eine Tagesreise mit dem Auto. Mike wird dort endlich richtig versorgt, erhält eine Infusion. Sein Zustand bessert sich.

Was dich nicht umbringt

Nicole, Mike und ihre drei Kinder.
Legende: Nicole, Mike und ihre drei Kinder. SRF

Zurück im Alltag habe der Vorfall die Familie nicht hilflos gemacht, findet Nicole Gerstner – im Gegenteil. Das Erlebte habe sie gelehrt, schnell zu handeln, gerade weil medizinische Versorgung in den Tropen nur schwer zugänglich sei. «Heute würde ich nicht lange zögern und direkt den Helikopter nach San José bestellen.»

Aber achtsamer gegenüber Gefahren in der Natur sei sie sicher geworden. Vor allem während der Regenzeit, wenn die Ansteckungsgefahr erhöht ist, schützt sich die Familie mit Moskitonetz und Spray gegen die Stechmücke, die das Dengue Virus überträgt.

Und wenn die Kinder barfuss im Wald herum rennen, ohne sich um allfällige Schlangen zu kümmern, oder auch wenn jemand über Kopfschmerzen und Gliederschmerzen klagt, «dann gehen bei mir immer gleich die Alarmglocken los», betont Nicole Gerstner.

Filmausschnitt «Abenteuerlich ins Glück»

Nicole muss sich hier nicht ihrem Mann, aber auch einer Patientin annehmen. Nachbarin Carla hat Schmerzen am Arm, daher fährt Nicole mit ihr zum Arzt. Soll Carla zum Spezialisten nach San José oder nach Nicaragua, dem Heimatland von Carla, wo die Behandlung günstiger ist als in Costa Rica?

Legende: Video «Behandlung fast so teuer wie in der Schweiz» abspielen. Laufzeit 2:03 Minuten.
Vom 13.02.2015.

«Auf und davon»

«Abenteuerlich ins Glück», Folge 6, Freitag, 13. Februar 2015, 21.00 Uhr, SRF1

Dengue-Fieber

Dengue-Fieber
Legende: Keystone

Die Stechmücke «Aedes aegypti» ist Hauptüberträger des Dengue-Virus. Während der Regenzeit ist die Übertragung durch die tagaktiven Insekten besonders hoch. In den letzten Jahren hat die Häufigkeit der Ansteckungen weltweit stark zugenommen. Mehr...