Räubergeschichten von der Insel

Die Venezuela-Auswanderer Teres Brunett und Claudio Candrian sind stets gut gelaunt und erzählen Geschichten wunderbar unterhaltend. Dabei gäbe es bei vielen dieser Erlebnisse eigentlich nichts zu lachen.

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Gefesselt mit dem Bikini-Oberteil: Einbruch bei Teres und Claudio

1:57 min, vom 15.4.2016

Fährt man mit Claudio Candrian über die Isla Margarita, dann weiss er an jeder Ecke eine abenteuerliche Geschichte zu erzählen. Zum Beispiel diejenige vom deutschen Bäcker, der nach einem Überfall beschloss, richtig viel Strom auf seinen Elektrozaun zu geben – dummerweise blieb er dann selber an den 120 Volt hängen, was er nicht überlebte. Oder die Geschichte vom Schweizer Prahlhans – grosses Auto, dicke Klunker – der sich eine junge venezolanische Chica anlachte, die ihn dann leider in einen Hinterhalt lockte, wo er von ihren Komplizen ausgeraubt wurde. Oder vom Yachtbesitzer, der in der falschen Bucht geankert hatte und am Ende nur noch in der Unterhose am Ufer stand.

Rätoromanische Lockerheit

Es sind eigentlich schlimme Geschichten, aber so wie sie Claudio erzählt, muss man immer ein wenig schmunzeln. Sogar wenn Teres Brunett berichtet, wie sie selber Opfer eines bewaffneten Überfalls wurde, bleibt es amüsant . Es ist wirklich erstaunlich, wie locker es die Bündner nehmen. Oder wie Claudio auf Rätoromanisch sagen würde: «patschifig».

Teres und Claudio haben sich Strategien zurechtgelegt, um das Risiko von Überfällen zu verringern. Ihr Haus ist gut gesichert, sie sind immer nett und freundlich zu den Leuten und vor allem stellen sie ihren «Reichtum» nicht zur Schau. Claudio sagt, so wie er herumlaufe – mit Ziegenbärtli, kurzen Hosen und Flipflops – sehe er nicht aus, wie einer, der Geld habe.

Tun, was die Räuber verlangen

Falls man tatsächlich Opfer eines Überfalls wird, gilt als wichtigste Regel: Tun, was die Räuber verlangen und sich auf keinen Fall wehren. Die lokalen Verbrecher fackeln nicht lange mit dem Gebrauch von Schusswaffen. Venezuela gehört zu jenen fünf Ländern mit den meisten Schusswaffentoten weltweit – gemessen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Es empfiehlt sich auch, nie viel Bargeld mit sich zu tragen. Claudio erzählt, dass Kunden seiner Autowerkstatt mit der Waffe überfallen wurden, nachdem sie eben am Bankomaten Geld abgehoben hatten.

Teres Brunett und Claudio Candrian: Klamauk beim Kabel verlegen

1:57 min, vom 15.4.2016

Doch diese Räubergeschichten sind letztlich ja nur ein kleiner Teil der Realität in Venezuela. Die grosse Mehrheit der Isla-Margarita-Bewohner sind friedliche und lebenslustige Menschen, die sich auch durch schwierige Lebensbedingungen die Laune nicht verderben lassen. Und deshalb passen Teres und Claudio wohl auch so gut auf diese Insel: Sie behalten ihr Lachen in fast jeder Situation. Selbst bei ganz alltäglichen Tätigkeiten, wie einem Kabel zu verlegen, haben es die beiden Bündner lustig.

Venezuela – ein Land der Extreme

  • Venezuela hat dich höchste Inflation weltweit.
  • Folge der stetigen Geldentwertung: Wer Dollars auf dem Schwarzmarkt wechselt, erhält hundertmal mehr venezolanische Bolivar, als wenn er sie offiziell wechselt.
  • Im Oktober 2015 kostete ein grosses Glas Nutella bis zu dreimal so viel, wie der Mindestlohn eines Venezolaners. Für ein iPhone 6 müsste er bis zu sechs Jahre lang arbeiten.
  • Venezuela verfügt über die grössten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt.
  • Benzin ist spottbillig. Zur Zeit der Dreharbeiten konnte man mit dem Mindestlohn über 70‘000 Liter Benzin kaufen. Mittlerweile ist der Benzinpreis um das 60fache gestiegen.
  • Im Oktober letzten Jahres hätte man für den Preis eines iPhones 6 also fünf Millionen Liter Benzin tanken können. Heute sind es «nur» noch 83‘000 Liter.

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