Schweizer Rap: Die 10 geilsten Alben des Jahres

… und gleich vorweg ein Disclaimer: ob das die besten zehn sind, lässt sich streiten drüber. (Lieber nicht). Unsere Kriterien: Erfolg, Dopeness und Feierbarkeit.

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Bildlegende: Die Top10 SRF Virus

Eins muss man sagen: Schon schön, Schweizer Rap derart oft auf anständigen Chartplatzierungen zu sehen! Dope! Aber bitte beachten: Charts sind nicht alles – und können trügen. Wo man vor 10 Jahren weiss ich nicht wie viele CDs für einen Platz 1 verkaufen musste, reichen heute in einer schwachen Releasewoche tiefe vierstellige Zahlen – trotzdem schön. Hauen wir rein.

Makala «Varaignee pt 2» | Januar 2015

Mit dem allerersten Song den wir je von Big Daddy Mak hörten, sprang er mit einem Seemannsköpper in unsere Herzen. Der Nachfolger von «Varaignee» ist wieder komplett von Pink Flamingo produziert, der zusammen mit Flew von Moskito wohl zu den aller-progressivsten Produzenten des Landes zählt. Makalas müheloser Stil, die artsy-trappigen Beats von Pink Flamingo, die über-dopen Videos – wer das nicht kennt, ist selber Schuld. Greis sagt über Makala: «Dsch öppe dr einzig Schwiizer wo s wük mau chönt is Usland schaffe.» Jap. Muss er ja, wenn er mit Obama golfen will.

Charts: Freedownload / Lieblingsong: Golf (avec Obama)

Eldorado FM «Luke mir si di Vater» | März 2015

Ok. Mal Klarheit schaffen: Die Soloalben aller Crewmitglieder rangierten von «sehr fucking dope» zu Game-verändernden Klassikern. Auf den fünf Mixtapes tobten sich die EFMler dann jeweils aus, im Kontrast zu den tendenziell Pathos-lastigeren und ernsteren Themen gewidmeten Soloalben. Das Resultat: feinste Unterhaltung auf Amibeats, unglaublich viel Attitüde, gewohnt kryptische Lines und ein hohes Mass an Feierbarkeit. Und dann kommt dieser Manillio doch auf die Idee, das sechste «Tape» zu einem richtigen Album zu machen, mit verkaufen, eigenen Beats, Konzept und allem – und bescherte uns wohl das schönste Geschenk, das uns EFM geben konnte. Bisschen peinlich wie viel wir von dem Album auswendig mitrappen können.

Charts: Nr 2 / Lieblingssong: Hackfleisch bim Jony

Fratelli B «Welt Us» | April 2015

Eineinhalb Dekaden, 200 Konzerte und 4 Alben unter dem Gürtel - und die Veteranen aus Zug zeigen null Müdigkeitserscheinungen. Zug muss man speziell betonen – aus der innerschweizer Stadt kennt man nur wenige Rap Acts ausserhalb des direkten Wirkungskreises. Die Gebrüder Bisig zeigen sich von ihrer besten Seite – was die Qualität der Beats, Videos und der allgemeinen Produktion anbelangt – anderes sind wir uns auch nicht gewohnt von den beiden. Inhaltlich und Rap-technisch zeigen sie sich noch ein Stückchen versierter als auf den Vorgängeralben – aber Fratelli B sind eigentlich das Walser der Rapszene - und bleiben gut.

Charts: Platz 3 / Lieblingssong: Fühle nüt

Xen «Ich gäge mich» | Mai 2015

Höchst stehende Technik, moderne, super nice Beats, krasse Videos (mit unglaublich vielen Clicks) und eine Fangemeinde die ihn nie im Stich lassen würde. Was willst du da noch. Den Bounce-Besuch gab es leider nicht, weil, äh... irgendein Idiot *hust* -Pablo wohl dem Management versehentlich seine Privatadresse in Luzern als Destination angab. Die Bouncer waren in Zürich, Xen vor Pablos Haustüre – wir entschuldigen uns nochmal und freuen uns auf den Nachholtermin beim nächsten Album.

Charts: Platz 2 / Lieblingssong: Sandchaschte

Chlyklass «Wieso immer mir?» | Mai 2015

Hätte wohl niemand gedacht, dass sich doch nochmal ALLE Crewmitglieder auf ein Album packen! Auf dieses Album freuten sich SEHR viele Fans der ersten Blütezeit des Schweizer Raps, uns eingeschlossen – und wurden null enttäuscht. Die Herren beriefen sich auf ihre Stärken: Geschichten erzählen. Ein Storytelleralbum voller traurigen, tragikomischen und nachdenklichen Songs, ein Paar Krimis und dann noch dieser weisse Golf von Baze - ein richtiger Banger.

Charts: Platz 1 / Lieblingssong: Wysse Golf

Moskito «Maxilla» | Mai 2015

Räusper. Ja, that shit freaky. So gut freaky. Luzi ist wohl unser liebster Wortbildmaler im Land, ein Poet, der zu viel Taktgefühl und eine Überdosis Mitteilungsbedürfnis erhielt, und somit wohl der einzige, der in der Lage ist, die kaputten, verschachtelten Beats von Flew korrekt zu berappen. Mit dem Zuzug des Sängers Little Miss Sunshine wurde das Produkt Moskito von seiner ursprünglichen Überdopeness beim ersten Freedownload-Album auf das nächste Level gehoben. Moskito ist und bleibt eine Überraschung, bei jedem Song.

Charts: Platz 71 / Lieblingssong: Hank Moody

LAS «Inoue» | Juni 2015

Wenn es zwei junge Rapper gab, von denen alle behaupteten, die seien der SHIT, gleichzeitig aber wohl nicht mehr als maximal einen Song oder zwei pro Jahr droppten, dann waren es Ali und LCone. Vielleicht brauchte es da die Disziplin eines gestandenen Musikers wie SAD – egal, an was es lag: endlich gab es ein Release der beiden, und noch besser, gleich zusammen und obendrauf noch von einer Schweizer Beatmakerlegende produziert. Ein gefühlvolles Album (was durchaus den einen oder anderen überraschte, der Ali oder jung LC1 auch etwas härter kannte), viel Melodie und saubere Produktionen. Was besonders Spass machte, war die Tatsache, dass die zwei unterschiedlichen Stimmen und Dialekte des Luzerners LC1 und des Churers Ali so gut harmonierten.

Charts: Platz 10 / Lieblingssong: Quanteverschränkig feat Greis

La Base & Tru Comers «Jusqu‘ à la mort» | September 2015

Die Dudes fahren auf Quads auf die Bühne bei der Plattentaufe, laufen rum als wäre es 1996 irgendwo in der Hood in New York und hauen im allgemeinen auf die sprichwörtliche Kacke bis es dir die Hände in die Luft reisst. Gerappt wird ausschliesslich auf den moodigen, Sample-basierten Old School Beats der Tru Comers, der Rapstil etwa so zeitgemäss wie die Faxmaschine – und ohrenberstend dope. Hip Hop klang mal so, dann lange ganz anders, und in Biel klingt er jetzt wieder so – gut so!

Charts: Platz 36 / Lieblingssong: Originoo Comin Tru

S-Hot «Rumble in the Jungle» | November 2015

Dass Produzent Jakebeatz und S-Hot aufeinenader trafen, war für beide ein Geschenk. Begeistert erzählte uns Jake beim Bounce Besuch von einem sicken neuen Rapper (den wir natürlich schon kannten), der seine Booth in Stück und Flamme zerspittet habe. Er erinnere ihn an einen jungen Mory. Was Aggressivität angeht: können wir unterschreiben. S-Hot spuckt sich durch die Beats wie ein Boxer, beide Fäuste oben und Kinnhaken verteilend. Rap über Rap und Strassengeschichten, mit Featurings aus der KWAT-Ecke. Rap aus Basel wird eben wohl immer Haare auf den Zähnen haben.

Charts: Platz 6 / Lieblingssong: Das isch Rap

Greis «Hünd i parkierte Outos» | November 2015

Gut rappen können viele, mittlerweile. Gut rappen und SONGS schreiben, keinen einzigen Füller oder redundanten Representer auf ein Album zu packen, politische und gesellschaftliche Themen abzuhandeln ohne lehrmeisterisch oder überaus ernst zu wirken – das ist die allerfeinste Klasse des Raps. Vielleicht auch der Erfahrung des 37-Jährigen zu verdanken – wobei er eigentlich schon immer solche Alben schrieb... Eine Wohltat, dass er es nochmals getan hat. Eine Nase für gute Beatmakers und talentierte junge Hunde wie Juri und Migo oder Marash & Dave hat er eben auch, dieser Greis, und setzte spät im Jahr eine dezidiert dope Schlussmarke. (Ey und das Album gibt’s auch als COMIC. Whuat – fuck ja.)

Charts: Platz 4 / Lieblingssong: Hünd feat Juri & Migo