Dichter an der Macht

Revolution in München. Und alle sind vor Ort: Ernst Toller und Oskar Maria Graf, Thomas Mann und Rainer Maria Rilke. In «Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen» beschreibt Volker Weidermann die kurze Episode, in der Dichter das Geschehen nicht nur kommentierten, sondern auch bestimmten.

Auch er war Protagonist der Münchner Räterepublik: Der deutsche Schriftsteller Ernst Toller
Bildlegende: Auch er war Protagonist der Münchner Räterepublik: Der deutsche Schriftsteller Ernst Toller Keystone

Am Schluss läuft alles schief. Die Revolution scheitert. Und mehr als tausend Menschen sterben im Kampf oder vor den Gewehren der Exekutionskommandos. Der Traum der Dichter und Denker, die eine bessere Welt nicht nur erschreiben, sondern auch erschaffen wollten, ist endgültig ausgeträumt.

Dabei hat alles so hoffnungsvoll angefangen. Mit Kurt Eisner setzt sich ein Theaterkritiker auf den leeren Sessel des Bayerischen Ministerpräsidenten, der aus einer Monarchie eine echte Volksrepublik machen will. Und nach ihm übernimmt mit Ernst Toller ein junger Dramatiker die Macht, der als Chef der ersten Bayerischen Räterepublik erstmal das Volk fragt, was es denn will. Logisch, dass ein derart naives Vorgehen in einem Land, in dem nach verlorenem Krieg ein ganzes Heer unter Waffen steht, wenig Chancen auf Erfolg hat.

Der Literaturredakteur, Journalist und Schriftsteller Volker Weidermann hat die Geschichte dieser einzigartigen Dichterrevolution aufgearbeitet und erzählt sie 99 Jahre nach ihrem tragischen Ende nach.

Buchhinweis: Volker Weidermann. Träumer - Als die Dichter die Macht übernahmen. Kiepenheuer & Witsch, 2017.

Autor/in: Michael Luisier