Leben im Verborgenen: «Das Eidechsenkind»

Niemand darf vom Eidechsenkind wissen. Denn seine Eltern sind Saisonniers, sie dürften ihr Kind eigentlich gar nicht in die Schweiz mitbringen. Also lebt das Kind versteckt in den geheimen Winkeln des Hauses, wie eine Eidechse. Aber wer nicht gesehen wird, kann umso besser beobachten.

Leben im Verborgenen
Bildlegende: Leben im Verborgenen (Bild: Colourbox)

In den 60er und 70er Jahren führte das Saisonnierstatut dazu, dass schätzungsweise 15'000 Kinder illegal in der Schweiz lebten. Viele von ihnen lebten im Verborgenen. Der Schweizer Schriftsteller Vincenzo Todisco, selber ein Kind von italienischen Gastarbeitern, hat nun einen eindrücklichen Roman dazu geschrieben. «Das Eidechsenkind» erzählt, was es mit einem Menschen macht, wenn er sich jahrelang verstecken muss. Doch der Roman ist keine psychologische Fallgeschichte, sondern eine literarisch durchkomponierte Erzählung, die auf originelle Weise Einblick in das Leben der italienischen GastarbeiterInnen vor 40 Jahren gibt.
Im BuchZeichen erklärt Vincenzo Todisco, warum er dieses Buch geschrieben hat und was «Das Eidechsenkind» mit ihm selbst zu tun hat.
«Das Eidechsenkind» ist für den Schweizer Buchpreis 2018 nominiert.

Buchhinweise:
Vincenzo Todisco. Das Eidechsenkind. Edition Blau, 2018.
Vincenzo Todisco. Rocco und Maritimo. Rotpunktverlag, 2011.
Vincenzo Todisco. Der Bandoneonspieler. Rotpunktverlag, 2007.
Alessandro Baricco. Novecento. Atlantik Verlag, 2015.
Martina Frigerio. Verbotene Kinder. Rotpunktverlag, 2014.
Marina Frigerio / Susanne Merhar. «...und es kamen Menschen» Die Schweiz der Italiener. Rotpunktverlag, 2004.

Autor/in: Martina Süess