Peter Weibel, der schreibende Geriater

Peter Weibel kann Patientenberichte verfassen und auch Prosa schreiben. Er arbeitet als Heimarzt in einem Alterszentrum und kennt sich besonders gut aus mit Menschen, die am Rande des Lebens stehen. Seine Erzählung «Mensch Keun» über den alten Holzbildhauer Hannes versteht er als Mutmacher.

Peter Weibel mit Stethoskop
Bildlegende: Peter Weibel, 71, arbeitet 50 % als Heimarzt SRF

In Hannes Küche hängt ein Spruch: «Ein Tag weniger oder ein Tag näher». Näher am Tod. Hannes hat das Gefühl für die Zeit verloren. Er lebt einfach in den Tag hinein. Ist heute Donnerstag oder Freitag? Egal. Auf dem Wochenkalender sind die «Judith-Tage» rot eingetragen. Judith ist seine Tochter.

Hannes sei gefährdet, er sei einsam und verwahrlost, findet sein Arzt und lässt ihn in eine Klinik einweisen. Doch Hannes kämpft um seine Selbstständigkeit, steht auf und macht sich auf den Weg. Zuhause wartet eine Holzskulptur, die er noch fertig machen will.

Für «Mensch Keun» hat Peter Weibel kürzlich den Kurt Marti-Preis erhalten. In der Laudatio heisst es: «Es ist eine spannende, tiefsinnige und feinfühlige Erzählung, ein Appell auf das Recht in Würde alt werden zu dürfen.»

Das Buch:
Peter Weibel: Mensch Keun (edition bücherlese)

Autor/in: Susanne Sturzenegger