Pierre Kretz: Der Seelenhüter

Ein Mann sitzt im Keller seines Hauses und hütet die Seelen der toten jungen Elsässer, die in einem der europäischen Kriege des 20. Jahrhunderts gefallen sind.

Pierre Kretz gehört zu den wenigen, die noch Elsässisch sprechen.
Bildlegende: Pierre Kretz gehört zu den wenigen, die noch Elsässisch sprechen. Jean Louis Hess

Der Ich-Erzähler hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zusammenhänge zwischen der Geschichte seiner Familie und der jüngeren elsässischen Geschichte zu ergründen.

Er stösst mit den Erinnerungen an seine Grosseltern, Onkel, Tanten und Eltern stets auf Tod, Schrecken und Groteske: Die Elsässer trugen in jedem Krieg die Uniformen der Verlierer. Und immer mehr einsame Frauen lebten im Elsass. Wir verstricken uns mit dem Erzähler ins Elend, das die Elsässer in diesem kriegerischen Jahrhundert erdulden mussten. Am Schluss macht er sich auf, seinem Leben ein Ende zu setzen. Ob er dies wirklich tut oder in ein neues Leben flieht, wissen wir nicht.

Eine liebevoll erzählte Groteske

Bei allem Schrecken lässt sich das Ganze nicht ohne Humor erzählen, denn zu grotesk ist die ganze Realität. Hinter der Schilderung des Schicksals einzelner Personen und Ereignisse blitzt es vor Schalk und Liebe. Ein starkes Stück.

Moderation: Adrian Küpfer, Redaktion: Markus Gasser