Treusorgende Familienfrau – nein danke!

Im Roman «Die Mütter» erzählt die 28-jährige Afro-Amerikanerin Brit Bennett von einer jungen Frau, die ihren Platz in der Gesellschaft sucht. Sie hat keinerlei Vorbilder und geht ihren Weg konsequent – ohne Rücksicht auf die Erwartungen anderer.

«Die Mütter» ist Brit Bennetts erster Roman
Bildlegende: «Die Mütter» ist Brit Bennetts erster Roman Emma Trim

Nadia, die Hauptfigur, muss zu Beginn des Romans gleich mit einem zweifachen Verlust fertigwerden: ihre Mutter hat sich das Leben genommen, und sie selbst treibt ihr ungeplantes Kind ab. Diese beiden Erfahrungen sind wegweisend für Nadias Leben. Wann immer sie vor einer wichtigen Entscheidung steht, ist Pragmatismus das ausschlaggebende Kriterium.

Gespiegelt wird Nadias Leben einerseits von dem sehr angepassten, bürgerlichen Weg, den ihre beste Freundin geht, und andererseits vom moralisierenden «Chor» von Müttern, den ältesten Frauen der religiösen Gemeinschaft, der auch Nadia angehört, und die den Lebensweg der jungen Frauen verfolgen und kommentieren.

Brit Bennett hat eine präzise, einfühlsame Sprache, ohne pathetisch zu werden, die Figuren, die sie beschreibt, sind lebensnah und vielschichtig – und sie stellt aktuelle gesellschaftliche Fragen. Im persönlichen Gespräch wollte BuchZeichen unter anderem von Brit Bennett wissen, welche Kriterien für junge Frauen für ein glückliches Leben erfüllt werden müssen, welche Rolle Pragmatismus dabei spielt – und was geschieht, wenn jemand in keine Schublade passt.

Buchhinweis:
Brit Bennett. Die Mütter. Aus dem Amerikanischen von Robin Detje. Rowohlt, 2018.

Autor/in: Britta Spichiger