Assessment

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Was für Ziele hat ein Mensch, der in einem Etagenzimmer lebt, keinen Beruf mehr ausübt, dessen soziales Beziehungsnetz zerfällt und der 54 Jahre alt ist? Solche Fragen beschäftigen Experten des Sozialstaates und die Betroffenen in sogenannten Assessments. Ein Film über Macht und Ohnmacht.

Herr Strässle ist mit dem Motorrad in eine Wand gefahren. Frau Speck erkrankte an einem Hirntumor und wurde von ihrem Ehemann verlassen. Herr Nimani leidet seit dem Jugoslawienkrieg an Depressionen. Alle sind auf finanzielle Hilfe des Schweizer Staates angewiesen. Ihre Situation wird in einem Assessment von Vertretern der Sozialversicherungen und des Sozialdienstes beurteilt. Eine Kamera sitzt mit am Tisch und beobachtet, der Zuschauer wirft einen Blick hinter die Kulissen des Sozialstaates.

Seit einigen Jahren findet in der Schweiz eine verstärkte Zusammenarbeit der Sozialversicherungen und -dienste statt. Wichtigster Bestandteil dieser interinstitutionellen Zusammenarbeit sind sogenannte Assessments. In einem Assessment (engl. für Abschätzung, Beurteilung, Prüfung) beurteilen Vertreter der Invalidenversicherung, der Regionalen Arbeitsvermittlung und der Sozialdienste gemeinsam die Situation eines erwerbslosen Menschen. Ziel ist die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

Innerhalb einer Stunde wird mit den Betroffenen ein Integrationsplan aufgestellt. Die darin festgehaltenen Massnahmen sind verbindlich. Wo Menschen, die finanzielle Hilfe vom Staat beanspruchen, auf dessen Vertreter treffen, prägen Macht und Ohnmacht das Gespräch.

In „Assessment“ sitzt man als Zuschauer gewissermassen mit am Tisch. Man schätzt die Situation ein, beginnt sich in die Lage der Betroffenen zu versetzen oder beurteilt die Situation aus Sicht der Assessoren. Filmemacher Mischa Hedinger sieht in diesen Sitzungen Versuchsanordnungen, in denen die sozialen Probleme der Schweiz verhandelt werden. Die Botschaft entsteht in der Beobachtung, aus dem genauen Hinschauen.