Grozny Blues - absurde Normalität nach den Kriegen

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Die beiden letzten Kriege haben die Tschetschenen traumatisiert. Starke Repressionen, die Islamisierung, einengende Traditionen, Perspektivenlosigkeit und die fehlende Aufarbeitung der jüngsten Geschichte prägen den Alltag. Mittendrin vier starke Frauen die sich für Menschenrechte einsetzten.

Filmregisseur Nicola Bellucci erzählt vom Alltag einzelner Menschen in Grozny, der kriegsversehrten Hauptstadt Tschetscheniens. Es ist dies eine Stadt zwischen Islam und Kreml. Im Mittelpunkt stehen vier Freundinnen, die unter schwierigen Bedingungen für Menschenrechte kämpfen. Die unerschrockenen Frauen dokumentieren schon seit Jahrzehnten mit Kameras die Geschehnisse in und um Grozny. Sie wissen, was es bedeutet, als unabhängige engagierte Frauen in einer islamischen Gesellschaft zu leben.

Die Frauen erzählen von ihren Ängsten und Träumen, von Liebesgeschichten, Zwangsheiraten und den alltäglichen Auswirkungen der staatlichen Repression. Die Folgen der beiden letzten Kriege sind unübersehbar. Die Menschen sind traumatisiert. Sie leben in einer gespaltenen Gesellschaft, in einem Niemandsland, zwischen Krieg und Frieden, Repression und Freiheit, Moderne und archaischen Sitten. Der letzte Bluesclub, der noch regelmässig Livebands mit westlich orientierter Musik beherbergt, steht vor dem Aus. Der Clubbetreiber, eine junge Sängerin und die Musiker leiden wie viele andere unter der religiösen und staatlichen Knebelung.

Geschickt rekonstruiert der Regisseur Vergangenheit und Gegenwart dieser traumatisierten Region, indem er abwechselnd Archivvideomaterial, Manifestationen des gegenwärtigen Neofaschismus und den Alltag der Menschen zeigt. Bellucci ruft so die Verwüstungen durch die Kriege wieder ins Gedächtnis und lässt die neuerbauten Bürotürme und monumentalen Repräsentierbauten wie Grabsteine wirken. Wenn keine bessere Zukunft für Grozny in Sicht ist, dann sollte zumindest jeder über die Ereignisse Bescheid wissen, die dazu geführt haben.