Meine keine Familie

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Der Filmemacher Paul-Julien Robert wurde 1979 in eine Kommune hineingeboren. In ein Umfeld ohne Privatbesitz, dafür mit Aktionstherapie, Selbstentäusserung und freier Sexualität. Jeder Tag wurde gefilmt. Ausschnitte dieser Aufnahmen bilden den Kern des Films über eine verlorene Kindheit.

Gemeinschaftseigentum, freie Sexualität, Auflösung der Kleinfamilie - das waren die Grundprinzipien des Friedrichshofs, der grössten Kommune in Europa, die vom Wiener Aktionisten Otto Muehl Anfang der 70er Jahre gegründet wurde.

Der Filmemacher Paul-Julien Robert, der in diese Kommune hineingeboren wurde, begibt sich in „Meine keine Familie“ auf eine persönliche Reise in die eigene Vergangenheit. Ausgehend von Archivmaterial, das im Film erstmalig öffentlich gezeigt wird, konfrontiert der Regisseur sich selbst und seine Mutter mit der Frage: Was ist Familie?

Schon kurz nach ihrer Gründung erlangte die Kommune durch ihre Radikalität eine Bekanntheit über die Kunstszene hinaus. Muehl selbst bezeichnete sie und seine Kommunarden als lebendes Kunstwerk. Innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten wurde der Friedrichshof dann zum Zentrum eines internationalen Netzwerks von über 20 Stadtgruppen. In den assoziierten Kommunen einschliesslich Friedrichshof lebten über halb Europa verstreut zeitweise über 600 Menschen. Eine davon war eine junge Schweizerin: Pauls Mutter.

Die Erwachsenen praktizierten Sex ohne feste Paarbeziehungen, die Kinder wurden im Kollektiv aufgezogen. Seinen leiblichen Vater lernte Paul erst kennen, nachdem die Kommune 1990 geschlossen und ihr Übervater Otto Muehl wegen Unzucht mit Unmündigen angezeigt, später auch angeklagt und schliesslich verurteilt worden war.

„Meine keine Familie“ ist einerseits eine sehr persönliche Reise des Autors in die Vergangenheit, auf der Suche nach seiner verlorenen Kindheit. Andererseits ist daraus ein erschütternder Film über Macht, Manipulation und Missbrauch geworden.