Vaters Garten

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Jahrzehntelang ging man sich aus dem Weg; dann hat der Filmemacher Peter Liechti seine alt gewordenen Eltern mit der Kamera besucht. Entstanden ist das Protokoll einer späten Begegnung mit Vater und Mutter: den Vertretern einer sich leise verabschiedenden Generation.

„Um Himmels Willen – das sind Fragen!“, erschrickt die Mutter, als der Sohn das Gespräch mit seinen Eltern sucht. Er möchte einen Film über sie machen. Jahrzehntelang war man sich aus dem Weg gegangen. Den Anstoss zur Wiederannäherung gab eine zufällige Begegnung des Filmemachers mit einem Fremden: seinem inzwischen über 80 Jahre alten Vater. Je öfter er daraufhin seine Eltern wieder sah, umso mehr rührten ihn ihr hohes Alter und ihr langsames Verschwinden aus diesem Leben und aus einer Welt, die längst nicht mehr die ihre ist.

Peter Liechti bezeichnet seinen Film als den „Versuch einer persönlichen Geschichtsrevision“. Während eines ganzen Jahres haben Gespräche stattgefunden und die Kamera Protokoll geführt. Liechti fühlte sich stets als Fremdling in seiner Familie; im Film geht er dieser Fremdheit mit schonungslos direkten Fragen auf den Grund. Die Eltern lassen sich, einträchtig auf dem Sofa sitzend, darauf ein. Doch je länger die Gespräche dauern, umso deutlicher wird, dass Vater Max und Mutter Hedy - seit 62 Jahren miteinander verheiratet - zwei grundverschiedene Charaktere sind. Beide tragen Träume und Sehnsüchte in sich, die wohl auch deshalb unerfüllt geblieben sind, weil sie so weit auseinanderklaffen.

Wenige Tage vor seinem Tod im April 2014 wurde Peter Liechti für «Vaters Garten» mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet.