Blutiger Sommer?

  • Dienstag, 30. Juni 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 30. Juni 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 1. Juli 2015, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 1. Juli 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 2. Juli 2015, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 2. Juli 2015, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 4. Juli 2015, 14:05 Uhr, SRF info

Über drei Dutzend Tote an einem Badestrand in Tunesien. Eine geköpfte Leiche mit Hinweisen auf den IS in Frankreich. Ein Selbstmordattentat in Kuwait. Die Terrorattacken radikaler Islamisten nehmen neue Ausmasse an. Was bedeuten diese Attentate? Steht uns ein blutiger Feriensommer bevor?

«Überall werden sie in diesem Sommer weiter bluten, weiter sterben. In Tunesien, in Ägypten, in der Türkei, in Spanien, in Italien, in Griechenland: In keinem Urlaubsland werdet ihr mehr sicher sein.» Das sagte der deutsche Dschihadist Abu Hamza al-Almani gegenüber den Medien und warnte damit vor weiteren schrecklichen Anschlägen. Und in London, wo ab Montag das Wimbledon Tennis-Turnier stattfinden wird, konnte offenbar ein Terroranschlag vereitelt werden, es herrscht Alarmstufe Rot.

An den Stränden des Badeortes Sousse, in dem am Freitag 38 Menschen von einem mutmasslich islamistischen Täter erschossen worden waren, herrscht inzwischen gähnende Leere. Nach dem Anschlag in Tunesien verlassen zahlreiche Touristen das Land. Dieser Umstand trifft das nordafrikanische Land ins Mark – auch ganz besonders wirtschaftlich. Der Tourismus, in dessen Kontext der Anschlag geschah, ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des nordafrikanischen Landes.

Erwartet uns ein blutiger Sommer und werden weitere Anschläge folgen? Ist vielleicht auch bald die Schweiz im Visier der Terroristen? Und wie kann man diesem Terror Einhalt gebieten?

Unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren Maghreb-Experten, Menschen aus Tunesien und ein Konfliktforscher.

Positionen

Saïda Keller-Messahli: «Jihadismus, Terrorismus und Hassprediger sind salonfähig geworden. Nur wenn ein politischer Wille der internationalen Gemeinschaft spürbar wird, kann der Islamismus an der Wurzel gepackt werden. Parallel dazu muss die Regierung eine wirtschaftliche Entwicklung in Gang setzen, die gezielt auf die verarmte und seit Jahrzehnten dauernde Vernachlässigung der ländlichen Bevölkerung fokussiert. 5'500 Moscheen stehen in diesem kleinen Land nur 280 Kulturzentren und Bibliotheken gegenüber - das sollte umgekehrt sein.»

Amor Ben Hamida: «Das Ziel der Terroristen ist klar politisch: die Destabilisierung der Länder nach dem arabischen Frühling und die Übernahme der Macht. Leider sind die Bemühungen um eine friedliche und demokratische Zusammenarbeit gescheitert. Hohe Investitionen in Sicherheit und Bildung sowie Arbeitsplatzbeschaffung sind die wichtigsten Mittel, um dem Terrorismus den Nährboden zu entziehen!»

Kurt Spillmann: «Unsere freien Staaten in Europa sind derart verletzlich und offen, dass es für terroristische Gruppierungen wie die IS Terrormiliz ein leichtes ist, Anschläge zu verüben. Was es braucht ist eine genauere Überwachung.»

Kurt Pelda: «Auch in der Schweiz sollten wir endlich den Mut aufbringen, für unsere Grundwerte, die Demokratie und den Rechtsstaat einzustehen. Der Staat sollte gewaltbereite Extremisten beobachten und strafverfolgen und wenn möglich des Landes verweisen.»

Beat Stauffer: «Jihad oder Europa - so lautet die Devise vieler junger Männer in Tunesien und in anderen Maghrebstaaten. Das Phänomen des «Kippens» junger Muslime in arabischen Ländern, aber auch in Europa, beunruhigt mich sehr stark. Junge Männer, die noch vor kurzem Bier getrunken und westliche Musik gehört haben, wenden sich plötzlich radikal-islamischen Gruppen zu.»

Beiträge

  • Gästerunde

    Moderator Thomy Scherrer stellt seine Gäste vor: In der Runde sitzen Maghreb- und Sicherheitsexperten und Menschen mit tunesischen Wurzeln.

  • Saïda Keller-Messahli, Forum für einen fortschrittlichen Islam

    Saïda Keller-Messahli zeigt auf, wie viele Menschen in islamischen Ländern über die Entwicklung des IS und Al Kaida erstaunt sind. Was stellen sich die Islamisten unter dem angestrebten Kalifat vor? Für diese sei der Koran der Staat und nicht das von Menschen gemachte Gesetz mit einer Verfassung.

  • Amor Ben Hamida, Schriftsteller

    Amor Ben Hamida plädiert für mehr Bildung in der arabischen Welt. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung des Maghreb sei alphabetisiert, könne überhaupt lesen. Dort gelte es anzuknüpfen. Im Club liefert Ben Hamida die Erklärung, warum sich die arabische Welt und der Westen derart missverstehen.

  • Kurt Spillmann, Konfliktforscher

    Kurt Spillmann erklärt die Faszination für den Dschihad. Viele junge Männer würden sich in einer solchen aussichtslosen Situation befinden, dass sie sehr anfällig würden für die Blender der Islamisten. Die Versprechen der Islamisten seien für diese Hoffnungslosen viel zu attraktiv. Kurt Spillmann mit einem Psychogramm dieser Identitätssuchenden.

  • Kurt Pelda, freier Journalist, Kriegsreporter

    Kurt Pelda kritisiert die Gleichgültigkeit und Untätigkeit der Schweizer Behörden: Die Schweiz sei viel zu tolerant gegenüber der totalitären Ideologie der Dschihadisten. Kurt Pelda beschreibt, wie er in der Schweiz versuchte, auf ein Konto der Islamisten Unterstützungsgelder einzubezahlen, und wie einfach dies möglich ist, ohne dass man durch den Staat daran gehindert wird.

  • Beat Stauffer, Journalist und Maghreb-Experte

    Beat Stauffer beschreibt, wie sich das Image des Dschihadisten verändert hat. Gerade deshalb seien sie auch nicht mehr wirklich erkennbar und im Hinblick auf weitere Anschläge in der westlichen Welt - vielleicht eines Tages auch in der Schweiz - besonders gefährlich.