Das dritte Geschlecht

Intersexuelle Menschen sind weder Mann noch Frau – sie sind etwas eigenes. Die Gesellschaft tut sich schwer mit nicht eindeutigen Zuordnungen. Mit Geschlechtsoperationen im Kindesalter sollte das Problem gelöst werden. Entstanden sind jedoch viele zusätzliche Konflikte. Ein «Club» mit Karin Frei.

Intersexuelle Menschen sind etwas eigenes, etwas zwischen den Geschlechtern, eine Art drittes Geschlecht. Gemäss Schätzungen kommt pro 5000 Geburten ein Baby mit nicht eindeutig ausgebildeten Geschlechtsorgangen zur Welt. Nicht selten wird solchen Kindern bald nach der Geburt ein Geschlecht operativ zugewiesen. Die teilweise zweifelhaften Eingriffe führen bei den Betroffenen oft zu langjährigen psychischen Konflikten. Wie geht die Gesellschaft mit dem Tabuthema «Intersexualität» um und mit welchen Problemen haben intersexuelle Menschen zu kämpfen?

Gesprächsgäste

  • Karin Plattner, Mutter eines intersexuellen Kindes, Selbsthilfegruppe Intersexualität
  • Daniela Truffer, wurde als Zwitter geboren, Gründungsmitglied Menschenrechtsgruppe «Zwischengeschlecht.org»
  • Markus Bauer, Menschenrechtsgruppe «Zwischengeschlecht.org»
  • Rita Gobet, Urologin Kinderspital Zürich
  • Martina Bernasconi, lic. phil. Philosophin
  • Christian Kind, Chefarzt Pädiatrie Ostschweizer Kinderspital

Beiträge

  • Karin Frei, Moderatorin

    Karin Frei, Moderatorin

  • Daniela Truffer, wurde als Zwitter geboren

    Daniela Truffer, wurde als Zwitter geboren

    «Genitaloperationen sind sehr schädlich für die sexuelle Empfindungsfähigkeit und für das Gefühl der körperlichen Unversehrtheit. Die Aerzte müssten diese Klagen, die Betroffene seit 20 Jahren machen, endlich ernst nehmen.»

  • Christian Kind, Chefarzt Pädiatrie Ostschweizer Kinderspital

    Christian Kind, Chefarzt Pädiatrie Ostschweizer Kinderspital

    «Die Abklärung und Behandlung bei einem Kind mit nicht eindeutigen Geschlechtsorganen muss individuell angepasst werden: Je nach der zugrunde liegenden Störung und der psychologischen, sozialen und kulturellen Situation der Familie. Pauschalurteile oder Verbote können der Problematik in ihrer ausserordentlichen Komplexität nicht gerecht werden.»

  • Karin Plattner, Mutter eines intersexuellen Kindes

    Karin Plattner, Mutter eines intersexuellen Kindes

    «Niemand hat das Recht ein Kind mit einer rein kosmetischen Operation einem Geschlecht anzupassen. Jeder Mensch kann nur für sich selbst Gefühle, Wohlbefinden und eigene Persönlichkeit definieren.»

  • Markus Bauer, Menschenrechtsgruppe «Zwischengeschlecht.org»

    Markus Bauer, Menschenrechtsgruppe «Zwischengeschlecht.org»

    «Seit 1950 werden betroffenen Kinder möglichst rasch kosmetisch "genitalkorrigiert", bis in die 1980er Jahre wurde eine als "zu gross" empfundene Klitoris kurzerhand amputiert. Nebst einer kritischen Hinterfragung der heutigen Praxis braucht es auch eine historische Aufarbeitung.»

  • Rita Gobet, Urologin Kinderspital Zürich

    Rita Gobet, Urologin Kinderspital Zürich

    «Wir am Kinderspital der Universität Zürich haben ein interdisziplinäres Team, das betroffene Familien möglichst ganzheitlich betreut. Wichtig wäre es, dass diese seltenen Fälle an einem bis zwei Zentren in der Schweiz konzentriert würden, damit ein Maximum an Information und Knowhow entsteht.»