Demenz: Leben mit dem grossen Vergessen

  • Dienstag, 19. April 2016, 22:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 19. April 2016, 22:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 20. April 2016, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 20. April 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 20. April 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 21. April 2016, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 21. April 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 22. April 2016, 10:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 23. April 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Was in ihnen vorgeht, weiss niemand. Was sie denken und fühlen, behalten sie für sich. Demenzkranke Menschen können sich nicht mehr mitteilen und sind auf Hilfe angewiesen. Irgendwann werden sie pflegebedürftig. Für die Angehörigen bedeutet dies eine enorm grosse Belastung.

In der Schweiz leben schätzungsweise 119'000 Menschen, die an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz leiden. Die Hälfte der Demenzkranken lebt zu Hause und wird von Familienmitgliedern gepflegt.

Für viele ist es eine unerträgliche Vorstellung, an Demenz zu erkranken, eine Krankheit, die nach und nach jede Erinnerung löscht und für den Erkrankten in totaler Abhängigkeit endet.

Was bedeutet es für Angehörige, wenn die gemeinsame Vergangenheit mit der Partnerin ausgelöscht ist? Warum schämen sich viele, ihren dementen Ehemann ins Pflegeheim zu bringen? Für wen ist Demenz schwerer zu ertragen - den Erkrankten oder dessen Angehörige?

Wie es ist, wenn die eigene Partnerin dement wird, wie ein Betroffener die Diagnose aufgenommen hat, was es heisst, schon in jungen Jahren an Alzheimer zu erkranken - die Diskussion im Club unter der Leitung von Karin Frei mit:

Irene Bopp-Kistler, leitende Ärztin Memory-Klink Stadtspital Waid ZH
Fredi Odermatt, Lehrer, erhielt 2015 Diagnose Alzheimer
Christoph Harms, Arzt, Ehefrau mit Alzheimer im Pflegeheim
Ursula Kehrli, Rentnerin, pflegte während Jahren dementen Ehemann
Stefan Basig, Marketing-/Verkaufsleiter, Vater einer 6-jährigen Tochter, Ehefrau jung an Alzheimer erkrankt

Positionen

Irene Bopp-Kistler: «Angehörige von Demenzerkrankten fühlen sich stark und schwach zugleich. Sie fühlen gleichzeitig Zuneigung und Abneigung, sie trauern und haben gleichzeitig den Wunsch nach Freiheit, nach einem Leben ohne Belastungen. Das führt zu einem Trauerprozess, der nie mehr aufhört. Viele Angehörige entwickeln aber auch eine innere Stärke, die sie trägt und ihnen Kraft gibt.»

Fredi Odermatt: «Ich laufe Marathon, mache Bergläufe, mein Körper ist zu 100% fit. Das brauche ich, damit es mir gut geht. Ich will all die Dinge machen, die ich kann und verdränge die Krankheit bewusst.»

Christoph Harms: «Die Demenz meiner Frau lernte mich das Denken des «sowohl-als-auch». Auch in unserer Beziehung. Liebe ist keine absolute Grösse. Nicht wie bei einem Kuchen, von dem jeder ein Stück bekommt. Ich liebe meine Frau Heidi nach wie vor. Nicht ein bisschen, nicht 50 Prozent. Und ich liebe meine neue Partnerin Regina. Sie erhält wegen Heidi nicht weniger Liebe von mir.»

Ursula Kehrli: «Während der Betreuung meines demenzkranken Mannes realisierte ich, dass es auch um mein Überleben geht. Ich musste auch mir selber gut schauen. Das ist essentiell, damit einem die Kraft nicht verlässt.»

Stefan Basig: «Ich wünsche mir, dass Betroffene wie auch die Angehörigen von Menschen mit Demenz den Mut finden, offen über das Thema zu sprechen. Mir tut dies gut und ich erlebe viel Positives, wenn ich meine Sorgen teilen darf.»

Beiträge

  • Irene Bopp-Kistler, Ärztin Memory-Klink Stadtspital Waid ZH

    Die Geriatrie-Ärztin beobachtet immer wieder das Wechselbad der Gefühle bei Angehörigen von Demenzerkrankten: Sie fühlen sich schwach und stark zugleich.

  • Fredi Odermatt, Lehrer, erhielt 2015 Diagnose Alzheimer

    Trotz Diagnose Alzheimer fühlt sich der 60-jährige Mittelschullehrer immer noch fit und wohl. Er versucht, den Befund positiv zu bewältigen und hofft auf Fortschritte in der medizinischen Forschung.

  • Christoph Harms, Arzt, Ehefrau mit Alzheimer im Pflegeheim

    Irgendwann realisierte Christoph Harms, dass er die Partnerschaft zu seiner demenzerkrankten Ehefrau verloren hatte. Als er eine neue Beziehung einging, stellte er sich viele Fragen.

  • Ursula Kehrli, pflegte während Jahren dementen Ehemann

    Ursula Kehrlis liebenswürdiger Mann entwickelte durch die Krankheit auch aggressive und gewalttätige Kräfte. Ihm in seiner Not nicht beistehen zu können, löste bei Ursula Kehrli seelische Not aus. So konnte sie seinen Tod auch als Erlösung sehen.

  • Stefan Basig, Verkaufsleiter, Ehefrau jung an Alzheimer erkrankt

    Stefan Basigs Ehefrau ist mit Anfang Vierzig an Demenz erkrankt. Die junge Familie dachte an alles andere, nur nicht an diese Diagnose, die ein Schock war.

Mehr zum Thema