Der ganz «normale» Sexismus

Glotzen, Grapschen, schlüpfrige Witze – jede Frau kennt ungewollte sexuelle Avancen im Alltag. Dass Donald Trump seine sexistische Prahlerei als «Umkleideraum-Geschwätz» abtut, zeigt, wie selbstverständlich verbale und physische Übergriffe für viele Männer noch immer sind.

Nach den Äusserungen des Präsidentschaftskandidaten startet die Kanadierin Kelly Oxford ihren Twitter Stream #notokay, in dem sie Frauen ermutigt, sexuelle Belästigung publik zu machen. Das Feedback ist enorm. Allein am ersten Abend erhielt Oxford pro Minute 50 Antworten. Mit #SchweizerAufschrei haben nun auch Betroffene hierzulande einen Echo-Raum.

Im Club unter der Leitung von Thomy Scherrer, diskutieren Frauen und Männer aus Forschung, Wissenschaft und Politik über Geschlechterrollen, anzügliche Äusserungen und über die Wirksamkeit solcher Protestwellen.

Ronnie Grob, Journalist «Schweizer Monat»
Güzin Kar, Filmemacherin
Jovita Pinto, Kulturwissenschaftlerin
Franziska Schutzbach, Genderforscherin, Initiantin #SchweizerAufschrei
Markus Theunert, Fachmann für Männer- und Geschlechterfragen
Natascha Wey, Co.-Präsidentin SP-Frauen Schweiz, VPOD-Zentralsekretärin

Positionen der Gäste

Güzin Kar: «Wer befürchtet, durch die Sexismusdebatte würden Männer derart verunsichert, dass ihnen die Lust am Flirten vergehe, übersieht, dass Unsicherheit eine der Grundvoraussetzungen für einen Flirt ist.»
Jovita Pinto: «Sexismus in der Schweiz ist strukturell. Wie Sexismus einen trifft, hängt von der gesellschaftlichen Position ab. Dasselbe gilt für die Art und Weise, wie man Sexismus entgegentritt.
Franziska Schutzbach: «Es gibt eine Art gesellschaftliche Übereinkunft, Frauen eher als Objekt denn als Subjekt zu sehen.»
Natascha Wey: «#SchweizerAufschrei hat gezeigt, dass Sexismus für viele Menschen eine Realität ist. Im Alltag, bei der Arbeit und auch im Feld der Politik.»
Markus Theunert: «Sexismus beginnt im Kopf, niemand ob Frau oder Mann ist davor gefeit.»
Ronnie Grob: «Die Politische Korrektheit läuft Gefahr, die Meinungsäusserungsfreiheit zu beschränken und könnte, konsequent umgesetzt, sogar totalitär werden. Zu 100 Prozent korrektes Verhalten zwischen flirtenden Menschen kann es so wenig geben wie 100-prozentige Sicherheit.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt seine Gäste vor

    Warum und wie kommt es zu Sexismen? Diesen Fragen geht der CLUB mit Fachleuten nach.

  • «Die Angst der Männer, dass Tussis ihnen den Job wegnehmen.»

    Filmemacherin Güzin Kar versucht die Angst der Männer vor Machtverlust zu verstehen und fragt sich, weshalb viele der Gleichwertigkeit nicht mit mehr Gelassenheit begegnen.

  • «Wenn's halt kribbelt...»

    Markus Theunert von männer.ch fragt sich, warum Männer untereinander Übergriffe auf Frauen nicht stärker sanktionieren.

  • «Korrektes Verhalten zwischen Geschlechtern muss gelernt werden.»

    Genderforscherin Franziska Schutzbach ist sich sicher, dass die Kritik an Feministinnen vom eigentlichen Problem des Sexismus abgelenkt.

  • «Ihr Feministinnen erreichen die Leute nicht.»

    Der Journalist Ronnie Grob bezweifelt, dass Themen nachhaltig bei den betroffenen Personen ankommen.

  • «Den Opfern von Übergriffen wird oft nicht geglaubt.»

    Vielerorts würden Übergriffe verharmlost gar normalisiert. Auf diese Weise, weiss die Historikerin Jovita Pinto, schaffe man Strukturen, welche das Problem akzeptieren.

  • «Der springende Punkt ist: Wer hat die Macht?»

    Frauen, welche sich zum Beispiel in der Politik engagieren, irritieren noch immer. Die Co.-Präsidentin der SP-Frauen, Natascha Wey ist sicher, Sexismus werde als Instrument benutzt, um solche Frauen zu verdrängen.