Entlassungen: Wann trifft es mich?

  • Dienstag, 16. Februar 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 16. Februar 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 17. Februar 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 17. Februar 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 17. Februar 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 18. Februar 2016, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 18. Februar 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 19. Februar 2016, 10:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 20. Februar 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Gegen 20‘000 Jobs sollen in der Schweiz abgebaut werden. Industrie, Banken und Versicherungen erleben eine Kündigungswelle. Die Gründe: Globalisierung, Digitalisierung, Frankenstärke. Die Angst geht um, wen es als nächsten trifft. Können Politik und Wirtschaft die Talfahrt stoppen?

Die Liste der Hiobsbotschaften ist lang: Alstom, Zurich, SBB, Bucher, Sunrise, Credit Suisse, etc. Diese und viele weitere grosse und kleinere Unternehmen reagieren mit Entlassungen auf die Krise. Sie greifen zur Kündigung als eine der Massnahmen im Kampf gegen die negativen Folgen von Globalisierung, Digitalisierung und dem starken Franken.

Doch mit welchen Folgen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Sind diese nur noch Manipuliermasse im globalen Wettbewerb um Gewinnmaximierung? Wie können sie sich gegen die unberechenbaren Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt wappnen? Und mit welchen Perspektiven sollen junge Menschen auf das Arbeitsleben vorbereitet werden?

Unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren im «Club»:

Jacqueline Badran, Unternehmerin, CEO Zeix AG, Zürich, Nationalrätin SP/ZH
Josef Maushart, Unternehmer, CEO und VR-Präsident Fraisa SA, Bellach, Mitglied Swissmem u. Swissmechanic, Präsident Inveso (Industrieverband Solothurn u. Umgebung)
André Schläppi, Unternehmer, CEO Grass & Partner, Zürich, Outplacer
Doris Bianchi, Stv. Leiterin Sekretariat Schweizerischer Gewerkschaftsbund SGB
Reto Lipp, SRF-Wirtschaftsredaktor

Positionen

Jacqueline Badran: «Die wirtschaftspolitische Debatte in der Schweiz läuft seit vielen Jahren falsch. Sie ist fixiert auf Grosskonzerne. Das muss sich schleunigst ändern.»

Josef Maushart: «Ich glaube, dass Schweizer KMU innovieren, automatisieren und internationalisieren müssen, um zu überleben. Dies wird Arbeitsplätze in der Schweiz kosten. Darum kommen wir nicht herum und ist der Preis dafür, dass wir den Anschluss nicht verpassen.»

André Schläppi: «Jede Entlassung ist für die Betroffenen erstmal ein grosser Schock und versetzt sie in einen Ausnahmezustand. Mit einer fundierten Standortbestimmung und intensivem Coaching verhelfe ich den entlassenen Kaderleuten und Fachspezialisten zu einer erfolgreichen beruflichen Neuausrichtung.»

Doris Bianchi: «Die liberale Wirtschaft: ist nicht immer das Gelbe vom Ei: Der Schutz der Arbeiter ist zu wenig gewährleistet. Strengere Kündigungsschutzbestimmungen braucht die Schweiz und einen besseren Schutz für langjährige, vor allem ältere Arbeiter. Entlassungen sind für die Unternehmen in der Schweiz viel zu billig.»

Reto Lipp: «Die Schweizer Wirtschaft muss unbedingt flexibel bleiben. Der Schlüssel dazu liegt in einem guten Ausbildungssystem und konsequenter Weiterbildung.»

Beiträge

  • Reto Lipp: «Es liegt nicht nur an gierigen Investoren!»

    SRF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp erklärt, was wohl viele Schweizerinnen und Schweizer nicht so einfach nachvollziehen können. Obwohl ein Grosskonzern Gewinne schreibt, werden Stellen abgebaut. Und es werden sogar Dividenden ausgezahlt. Das klingt, als ob Mitarbeitende eine rein buchhalterische Masse wären. Reto Lipp widerspricht: «Bei uns in der Schweiz sind es vor allem die Pensionskassen, die unser Geld an der Börse anlegen. Diese Aktien haben sie gekauft, weil sie wussten, dass Dividenden gezahlt werden. Das Management konnte dann nicht anders als diese dann auch zu bezahlen.»

  • Jacqueline Badran: «Für mich ist das ein Horror!»

    Die Unternehmerin und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran findet klare Worte, als Moderator Thomy Scherrer die Sprache auf den Verkauf von Schweizer Firmen wie Sigg oder Syngenta an die Chinesen bringt: «Für mich persönlich ist das ein Horror. Es geht vielfach um reine Beteiligungsgesellschaften. Das ist das seelenlose Gegenteil eines Unternehmens, wie es Herr Maushart führt, eines eigentümergeführten Betriebs, in dem es auch um Menschen geht und nicht einfach nur um die Eigenkapitalrendite.»

  • Josef Maushart: «Was wir brauchen ist Nachhaltigkeit!»

    Unternehmer Josef Maushart fordert in erster Linie Nachhaltigkeit in der Schweizer Wirtschaft. Wer letztlich Eigner einer Firma ist, sei nicht ausschlaggebend. Entscheidend sei, was betreffende Besitzer langfristig im Schilde führen. Josef Maushart: «Was wir brauchen ist Nachhaltigkeit. Eine gesunde Philosophie ist es, die Zukunftstechnologie hier in unserem Schweizer Kern zu halten. Und gleichzeitig unsere Werkbänke international zu verlängern, damit wir im Ausland selber produzieren, was unsere Kunden sonst bei den Chinesen kaufen. So können wir in einem rigorosen Preiskampf bestehen.»

  • André Schläppi: «Auch über 50 Jährige finden eine Stelle!»

    Unternehmer André Schläppi ist sogenannter Outplacer. Im Auftrag einer Firma begleitet er Entlassene auf dem Weg zu einem neuen Job. Tipps wie sich einzelne Arbeitnehmer vor einer allfälligen Entlassungen schützen können, gibt es nicht pauschal. Aber er räumt gewisse Vorurteile beiseite. André Schläppi: «In den Medien hört man oft, dass über 50 Jährige keine Stelle mehr fänden. Das stimmt so nicht. Es dauert allenfalls ein bisschen länger.» Einzelne Arbeitnehmer täten aber gut daran, sich um Weiterbildung zu bemühen und mittels Standortbestimmungen zu überprüfen, ob sie im richtigen Job seien.

  • Doris Bianchi: «Die Politik ist viel zu zaghaft!»

    Die stellvertretende Leiterin des Sekretariats des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes Doris Bianchi nennt die aktuelle Situation vieler Berufsgruppen dennoch prekär. Im Verkauf gebe es gut aus- und stetig weitergebildetes Personal, das gerade in höherem Alter grosse Schwierigkeiten habe, wieder eine Stelle zu finden. Doris Bianchi: «Die Politik und auch der Bundesrat sind viel zu zaghaft in der Umsetzung nötiger Massnahmen für ältere Arbeitnehmende.» Es gäbe beispielsweise nach wie vor kein Automatismus, dass freie Stellen direkt bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet würden.