Ferien - Der Terror reist mit

  • Dienstag, 5. Juli 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 5. Juli 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 6. Juli 2016, 2:30 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 6. Juli 2016, 8:40 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 6. Juli 2016, 10:55 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 6. Juli 2016, 12:35 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 7. Juli 2016, 5:15 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 7. Juli 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 9. Juli 2016, 9:15 Uhr, SRF info
    • Samstag, 9. Juli 2016, 11:00 Uhr, SRF info

Einmal mehr ist die Türkei Ziel eines terroristischen Anschlags geworden. Diesmal hat es den internationalen Flughafen Atatürk getroffen. Just zu Beginn der Sommerreisezeit. Ferien in Zeiten des Terrors. Eine Club-Diskussion über Sicherheit und Ethik.

Drei Selbstmordattentäter rissen im Istanbuler Flughafen über 40 Menschen mit in den Tod. Weit über 200 Menschen wurden verletzt. Die Spur der Istanbul-Attentäter führt offenbar zu russischen Jihadisten, die der Terrormiliz Islamischer Staat IS nahe stehen. In den letzten zehn Jahren waren grosse Flughäfen immer wieder Ziel von Attentätern: So zum Beispiel 2011 in Moskau oder 2016 in Brüssel, jedes Mal mit zahlreichen Opfern.

Geht es dabei um den Angriff auf westliche Werte? Wenn ja, weshalb trifft es die Türkei, deren Ministerpräsident Erdogan definitiv nicht als islamfeindlich gilt? Wie reagieren - gerade auch als Reisender? Wie sicher ist Reisen noch?

Viele Urlauber meiden ehemals klassische Destinationen wie die Türkei, Ägypten oder Tunesien. Für die betroffenen Regionen eine wirtschaftliche Katastrophe. Wer trotzdem reist, muss sich die Frage stellen, wie ethisch dies im Angesicht von Krieg und Elend ist.

Im «Club» unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren:

Ruth Bossart, SRF Türkei-Korrespondentin
Erich Gysling, Journalist und Nahost-Experte
Michael Weinmann, SRF Aviatik-Experte
André Lüthi, Reisefachmann, CEO Holding Globetrotter Group
Jürg Stettler, Tourismus-Experte Hochschule Luzern

Positionen:

Ruth Bossart: «Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen - eines der bestgesichertsten Gebäudekomplexe des Landes - zeigt, dass der IS jede touristische Einrichtung ins Visier nehmen kann. Deshalb ist eine Ferienreise in die Türkei nicht mehr sicher.»

Erich Gysling: «Jahrelang verschloss die Türkei die Augen vor den Aktivitäten des IS - man duldete Rückzugsgebiete für die Extremisten. In der Hoffnung, man könne sie gegen die kurdische PKK verwenden.»

Michael Weinmann: «Die Anschläge in Istanbul und Brüssel zeigen, dass auch mit ausgebauten Sicherheitsmaßnahmen Terroranschläge nicht verhindert werden können. Der internationale Austausch von Informationen wird deshalb noch mehr an Bedeutung gewinnen.»

André Lüthi: «Terror ist nur eine von vielen Gefahren, deshalb reise ich weiterhin via Istanbul in die Welt hinaus.»

Jürg Stettler: «Wird eine Feriendestination wie Ägypten oder jüngst die Türkei über Jahre von terroristischen Anschlägen attackiert, entwickelt sich eine gravierende Abwärtsspirale: Die politische Stabilität nimmt ab, die Zahl der Touristen geht zurück und die Arbeitslosigkeit nimmt zu. In Ägypten ist der Tourismus in den letzten zwei Jahren eingebrochen und auch die Türkei dürfte touristisch zunehmend unter den Terroranschlägen leiden.»

Beiträge

  • Moderator Thomy Scherrer stellt die Gästerunde vor.

    Ein Gespräch über die Gefahr und Ethik beim Reisen mit Reisefachleuten, einer Türkei-Korrespondentin, einem Aviatik- und Nahostexperten.

  • «Der Terror in der Türkei schränkt unser Leben ein!»

    Ruth Bossart, SRF Türkei-Korrespondentin, lebt seit zwei Jahren in Istanbul. Ein unbeschwertes Einkaufen ohne ständige Sicherheitskontrollen sei nicht mehr möglich. Verändert hat sich auch der Tourismus an der türkischen Südküste. Antalya sei z.B. nicht wiederzuerkennen.

  • «Nach Istanbul würde ich vielleicht reisen, aber nicht relaxed.»

    Erich Gysling, Journalist, Nahost-Experte und Reiseleiter, erklärt, warum die Türkei, die beileibe nicht als islamfeindlich gilt, trotzdem ins Visier des IS geraten ist: Weil die Mehrheit der Luftangriffe der USA, Frankreichs, etc. vom türkischen Incirlik aus geflogen würden. Also erkläre der IS die Türkei für schuldig. Zu all dem hinzu komme die exponierte geografische Lage.

  • «Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie!»

    Michael Weinmann, SRF Aviatik-Experte, sagt, dass viele als Passagier sichtbare Sicherheitsmassnahmen an den Flughäfen zwar für ein Sicherheitsgefühl sorgen würden, die wichtigsten Massnahmen jedoch im Hintergrund getroffen würden.

  • «Der Terror darf uns nicht vom Reisen abhalten.»

    André Lüthi, Reisefachmann und CEO Holding Globetrotter Group, plädiert dafür, dass der Terroraspekt rund um das Reisen nicht aufgeblasen wird. Wer sich aus lauter Angst nicht mehr auf Reisen begibt, gefährdet auch die Existenz von zig Tausenden von Menschen in den Tourismusgebieten.

  • «Als Tourist vergisst man relativ schnell.»

    Jürg Stettler, Tourismus-Experte Hochschule Luzern, sieht die Türkei - sollte es zu weiteren Anschlägen kommen - als Touristendestination stark in Gefahr. In Aegypten und Tunesien sind Touristen-Resorts bereits zu regelrechten Geisterstädten geworden, ohne Touristen, ohne Arbeit für die Lokalbevölkerung.

  • «Die negative Medienberichte machen unser Geschäft kaputt!»

    Die Schweizerin Monica Hersche Uzunyerliler führt an der türkischen Ägäisküste das Boutique-Hotel «La Vela». Trotz den Anschlägen in der Türkei seien bei ihr noch keine Annullierungen eingegangen. Doch längerfristig würde die negative Berichterstattung die Angst bei den Gästen schüren.

Mehr zum Thema