Gentests – wie riskant?

  • Dienstag, 27. August 2013, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 27. August 2013, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 28. August 2013, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 28. August 2013, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 29. August 2013, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 29. August 2013, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 31. August 2013, 14:10 Uhr, SRF 1

Der Brustamputation von Angelina Jolie liegt ein Gentest zugrunde. Mit solchen Tests können auch andere Risiken eruiert werden. Das Leben scheint genetisch planbar. Die Technik ist nicht nur zum Wohl der Menschen. Horrorprognosen können das Leben zur Hölle machen. Die Daten laden zum Missbrauch ein.

Hunderte Frauen und auch Männer lassen sich jährlich auf eine Mutation ihrer Gene testen, die zu einer schweren Krankheit führen kann. Die Prozedur ist aufwändig und hat einschneidende Konsequenzen für die Betroffenen. Deshalb gelten strenge Auflagen, wer zu einem Test zugelassen wird. Ein schlechtes Ergebnis kann zur grossen seelischen Belastung werden, ohne dass die Krankheit je ausbricht. Der Gentest ermittelt immer nur Risiken und stellt keine Prognosen. Deshalb reagieren längst nicht alle auf einen positiven Befund wie z.B. Angelina Jolie mit einer vorsorglichen Brustamputation. Einige verweigern gar den Eingriff der Abklärung.

Der Traum der genetischen Lebensplanung rückt näher. Nebst Krankheitsrisiken tragen die Gene auch Hinweise auf andere körperliche Eigenschaften in sich. Die Verlockung ist gross, diese zu entschlüsseln: Neigt ein Mensch zu Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Alzheimer? Werden Kinder dereinst gross und schlank oder kräftig und klein sein? Eignet sich ihr Körper später einmal eher für das Tennisspiel oder den Radsport? Im Internet florieren Angebote, die Antworten auf die Lebensgeheimnisse versprechen. Eine Speichelprobe genügt.

Experten warnen vor den Grössenfantasien und vor der Missbrauchsgefahr. Viele der Gentests im Internet seien unseriös. Sie setzen auch grosse Fragezeichen hinter den keimenden Traum zur Entschlüsselung des genetischen Bauplans. Neugierde und Hoffnung können sich schnell in Angst und Verzweiflung auflösen – dann nämlich, wenn der Gentest auf eine düstere Zukunft deutet. Noch weiss man viel zu wenig, wie sich ein negativer Befund langfristig auf die Psyche der Betroffenen auswirkt. Zudem fordern Versicherungen, Krankenkassen und auch Arbeitgeber teils schon heute Einblick in die sensiblen Daten. Sollten diese Schlechtes verheissen, könnte sich auch das verheerend auf die Betroffenen auswirken.

Im «Club» diskutiert Karin Frei über die menschlichen, ethischen und rechtlichen Fragen der medizinischen Gentechnik mit folgenden Gästen:

Nicole Küttel, hat genmutierten Brustkrebs operiert
Nicole Hermann, familiär vorbelastet, will Gentest dennoch nicht machen
Dimitri Sarlos, Chefarzt Gynäkologie und Leiter Brustzentrum Kantonsspital Aarau
Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin des Interdisziplinären Instituts für Ethik im Gesundheitswesen
Hansjakob Müller, em. Prof. für Medizinische Genetik Universitätsspital Basel
Serghei Glinca, Geschäftsleiter Wettstein-Apotheke Basel, bietet Lifestyle-Tests an

Beiträge

  • Moderatorin Karin Frei

    Beim medialen Sturm um die Brustamputation von Angelina Jolie kam die wichtige Frage der genetischen Planbarkeit des Lebens zu kurz. Karin Frei will im «Club» die Lücke füllen:

  • Gesprächsrunde

    Über Chancen und Risiken der Gentechnik diskutieren folgende «Club»-Gäste:

  • Nicole Hermann

    Warum will eine Frau den Gentest für Brustkrebs nicht machen, obwohl sie aus einer erblich schwer vorbelasteten Familie stammt?

  • Dimitri Sarlos

    Wer soll aus Sicht des Facharztes seine Gene auf einen Defekt testen lassen?

  • Ruth Baumann-Hölzle

    Einen Gentest abzulehnen könne gute Gründe haben, argumentiert die Ethikerin. Das Beispiel von Angelina Jolie sei zudem trügerisch. Es insinuiere eine Planbarkeit des Lebens, die sich als Illusion erweisen könne:

  • Nicole Küttel

    Die Brustamputation mit anschliessendem Aufbau ist ein komplexer und folgenreicher Eingriff für Frauen. Eine Betroffene und ihr operierender Arzt erzählen:

  • Hansjakob Müller

    Nebst den Gentests für schwere erbliche Krankheiten steht auch die Bedeutung der sogenannten Lifestyle-Gentests zur Debatte. Der anwesende Genetik-Professor äussert seine Zweifel an der Seriosität dieser Tests:

  • Serghei Glinca

    Der Apotheker schildert am Beispiel eines Diät-Testes, was er macht und was aus seiner Sicht der Nutzen für den Kunden ist:

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