Hände hoch - Die Schweizer rüsten auf!

  • Dienstag, 28. März 2017, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 28. März 2017, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 29. März 2017, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 29. März 2017, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 29. März 2017, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 30. März 2017, 3:55 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 30. März 2017, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 31. März 2017, 10:00 Uhr, SRF info
    • Samstag, 1. April 2017, 14:05 Uhr, SRF info

Die Gesuche für den Waffenerwerbsschein haben deutlich zugenommen. Vertreter der Waffenlobby sehen darin ein verstärktes Bedürfnis der Leute nach Selbstschutz. Zu recht? Oder muss das Waffenrecht verschärft werden, damit Zwischenfälle vermieden werden können?

Terror- und Mordanschläge haben die Leute verunsichert. Geschätzte zwei bis dreieinhalb Millionen Waffen gibt es in Schweizer Haushalten. Nur die USA, Serbien und Jemen haben weltweit eine noch höhere Schusswaffendichte. Waffenverkäufe an Private boomen. Das zeigen auch die neuesten Zahlen des Rüstungskonzerns Ruag.

Dies könnte sich mit neuen EU-Verschärfungen zum Waffenrecht ändern. So dürften etwa Magazine von Sturmgewehren nur noch maximal zehn Patronen fassen. Oder Schützen, die ihre Dienstwaffe behalten wollen, müssten zwingend Mitglied eines Schützenvereins sein. Mit solchen Regeln soll die Möglichkeit gemindert werden, dass Schusswaffen in die Hände von Terroristen fallen. Das Schweizer Parlament muss diesen EU-Verschärfungen noch zustimmen.

Die Schweizer Waffenlobby leistet jedoch massiven Widerstand. Sie sieht die Tradition des Schützenwesens in Gefahr. Rund 175'000 Schweizerinnen und Schweizer sind Mitglied in einem Schützenverein.

Die Ängste der Bevölkerung und die damit verbundene Aufrüstung stehen einer sinkenden Kriminalitätsrate gegenüber: Seit fünf Jahren sind die Zahlen wieder rückläufig.

Braucht es weitere Restriktionen rund um den Waffenbesitz? Wer soll eine Waffe besitzen dürfen? Und erhöhen Waffen unsere Sicherheit?

Unter der Leitung von Karin Frei diskutieren im «Club»:

Chantal Galladé, Nationalrätin SP/ZH; Mitglied Sicherheitspolitische Kommission
Nicole Dill, Gewaltopfer, Anlaufstelle für Gewaltopfer «Sprungtuch»
Werner Salzmann, Nationalrat SVP/BE, Präsident Berner Schützen
Josef Sachs, Psychiater
Markus Melzl, ehemaliger Kriminalkommissar
Hanspeter Bäni, Filmemacher, DOK «Schütze sich, wer kann – Mit Waffen gegen die Angst»

Positionen:

Chantal Galladé: «Die Angst vor einem Angriff steht in keinem Verhältnis zur lebenslangen Traumatisierung, die sich nach dem Einsatz einer Waffe für die Betroffenen einstellt.»

Nicole Dill: «Ich verstehe jeden, der sich schützen will. Aber nicht jeder und jede sollte eine Waffe erwerben können. Dazu braucht es Ausbildung, einen guten Leumund und eine psychologische Abklärung.»

Werner Salzmann: «Man sollte das Waffenrecht nicht zusätzlich verschärfen. Wenn jemand jedoch auffällig wird, muss man ihm die Waffe wegnehmen. Aber prophylaktische medizinisch-psychologische Tests lehne ich ab.»

Josef Sachs: «Gewalthandlungen und Tötungsdelikte sind seit ein paar Jahren rückläufig. Aber schlimme Einzelfälle wie etwa die Morde von Rupperswil oder terroristische Attentate beeinflussen unser Sicherheitsempfinden viel mehr als die Statistik.»

Markus Melzl: «Jeder Mensch, der mit einer Waffe verletzt oder gar getötet wird, ist einer zu viel. Die geplante Verschärfung des Waffenrechts ist aber vor allem Aktionismus und wird nicht dazu führen, dass Straftaten oder gar Terroranschläge verhindert werden.»

Hanspeter Bäni: «Ich kann nachvollziehen, dass Leute von Waffen fasziniert sind. Als Kind hatte ich ein Luftgewehr und fühlte mich damit unglaublich cool und stark. Doch es käme mir heute nie in den Sinn, eine Waffe zu kaufen und sie daheim neben dem Bett aufzubewahren.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gästerunde vor.

    Waffengegner und -befürworter, ein ehemaliger Kriminalkommissar, ein Psychiater und ein Filmemacher diskutieren über die Aufrüstung der Schweizerinnen und Schweizer.

  • «Waffen zu Hause sind immer ein Sicherheitsrisiko.»

    Chantal Galladé, Nationalrätin SP/ZH und Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission, ist konsequent gegen Waffen in Privathaushalten. Ihr Vater hat sich mit einer Armeewaffe das Leben genommen, als sie elf Jahre alt war.

  • «Ich verstehe, dass sich Frauen bewaffnen möchten.»

    Nicole Dill, Gewaltopfer, Gründerin der Anlaufstelle für Gewaltopfer «Sprungtuch», wurde 2007 von ihrem damaligen Partner entführt, vergewaltigt, gefoltert und dann mit einer Armbrust niedergeschossen. Sie überlebte nur knapp. Die Folgen spürt sie bis heute.

  • «Wir Waffennutzer geraten unter Generalverdacht.»

    Werner Salzmann, Nationalrat SVP/BE und Präsident der Berner Schützen, wehrt sich gegen strengere Regeln, die im Schengenraum gefordert sind. Wer sich eine Waffe besorgen will, könne dies immer auf illegalem Weg tun.

  • «Strengere Waffengesetze können die Suizidzahl senken.»

    Josef Sachs, Psychiater, sieht einen Zusammenhang zwischen Verfügbarkeit einer Waffe und einem Suizid. Es gäbe Menschen, die sich das Leben nicht nehmen würden, wenn sie keine Waffe zur Verfügung hätten; auch wenn es andere Methoden zur Selbsttötung gibt.

  • «Mit meiner alten Dienstwaffe verbinde ich viele Erinnerungen.»

    Markus Melzl, ehemaliger Kriminalkommissar, musste früher im Dienst mehrmals die Waffe ziehen. Schiessen hätte er glücklicherweise nie müssen. Heute besitzt er noch zwei Waffen.

  • «Auch ich habe eine Faszination für Waffen.»

    Hanspeter Bäni, Filmemacher, hat monatelang für seinen Dokumentarfilm in der Szene der Waffennutzer und -verkäufer recherchiert. Bei gewissen Leuten frage er sich schon, warum diese überhaupt einen Waffenschein hätten. Er selber kennt aber die Faszination für Waffen.

  • Doris L.'s Mann hat sich mit der Dienstwaffe das Leben genommen.

  • Gaby Niggli hat sich zum Selbstschutz eine Waffe gekauft.

  • Dadi Dahinden möchte bewaffnet sein.

  • Welche Regeln braucht es für Waffen?

  • Kriminalstatistik 2016: Gewaltverbrechen haben abgenommen.

Mehr zum Thema