Ich, der ohnmächtige Patient?

  • Dienstag, 22. November 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 22. November 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 23. November 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
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    • Samstag, 26. November 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Der alljährliche Ärger mit den steigenden Krankenkassenprämien. Das Dilemma: Patienten, Ärzte und Spitäler sind versucht, das Maximum herauszuholen. Man wünscht sich bei der Gesundheitsversorgung den «Ferrari», bezahlen möchte man aber nur für den «Fiat».

«Früher haben Ärzte oft weniger machen können, als wünschbar war. Heute aber machen Ärzte oft mehr, als sinnvoll ist»: Dies der Vorwurf der Akademie für Menschenmedizin. Steckt wirtschaftlicher Druck dahinter, weil der Spitaldirektor dem Arzt mit seinem Budget im Nacken sitzt? Oder geht es um das Profitdenken der Ärzte? Warum wehren sich Patienten nicht? Sind sie zu schlecht informiert?

Heute gebe es keine Anreize, die Ärzte nach ihrem Verdienst zu fragen. Die Patienten tragen die Kosten ja nicht selber, sind rundum versichert, sprich abgesichert. Und je höhere Krankenkassenprämien die Patienten bezahlen, desto mehr wollen sie für ihr Geld. Zumal das Angebot ja existiert und die Gesundheit unser wertvollstes Gut ist. Der grosse Widerstand regt sich, wenn die Prämien steigen.
Notfall Gesundheitssystem: Wer hat es in der Hand, die Kosten einzudämmen?

Unter der Leitung von Karin Frei diskutieren im «Club»:

Annina Hess-Cabalzar, Psychotherapeutin, Mitbegründerin Akademie für Menschenmedizin, Expertin Palliative Care
Barbara Züst, Geschäftsführerin Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz Felix Schneuwly, Gesundheits-Experte, Mediensprecher Internet-Vergleichsdienst comparis.ch
Thomas Kissling, Hausarzt
Josef Brandenberg, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, Präsident FMCH (Dachverband v. chirurgisch und invasiv tätigen Fachgesellschaften)
Luca Stäger, Geschäftsführer Tertianum Gruppe, Verwaltungsrat Clinica Luganese, Verwaltungsrat Sanitas

Positionen:

Annina Hess Cabalzar: «Egal ob Arzt, Patient oder Spital, man kann das System ausnützen. Die Frage ist, ist das System richtig? Wenn man einen Markt mit Wettbewerb installiert, dann muss man sich nicht wundern, wenn jeder für sich das Maximum herausholen will.»

Barbara Züst: «Heute wird gerade bei nicht dringlichen Gesundheitsproblemen zu schnell entschieden, sei dies für eine Behandlung oder eine Operation. Es ist wichtig, dass die Patienten sich nicht unter Druck setzen lassen und zwei Mal überlegen, ob die Massnahme wirklich auf sie zugeschnitten ist.»

Felix Schneuwly: «Die Patienten müssen viel mehr Druck machen. Der Patient, der besser informiert ist, der verlangt nicht mehr alles, was medizinisch möglich ist. Selbst dann nicht, wenn es um sein eigenes Kind geht!»

Thomas Kissling: «Selbst kranke Ärzte und Politiker sind sich selbst am nächsten, wenn es um die optimalste Gesundheitsversorgung geht. Als Bürger wollen wir bei den Gesundheitskosten sparen, aber als Patient will jeder für sich nur das Beste! Sparen ist ein schlechtes Argument in der Arzt-Patient-Beziehung.»

Josef Brandenberg: «Das Schweizer Gesundheitssystem ist ein Wettbewerb vergleichbar mit einer Radiowanderung. Alle kommen gleichzeitig, wohlbehalten und ohne Atembeschwerden an. Aber, man muss es sich etwas kosten lassen.»

Luca Stäger: «Der Patient ist nicht ohnmächtig. Er ist zum Konsument geworden. Zum einen sagt er sich, bei so hohen Prämien, muss ich auch etwas zurückbekommen. Zum anderen kann sich der Patient heute genügend informieren. Dr. Google sei Dank.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gästerunde vor.

    Ärzte, eine Psychotherapeutin, eine Vertreterin des Patientenschutzes, ein Gesundheitsexperte und ein Spitaldirektor diskutieren über die neuen Herausforderungen des Gesundheitssystems und die Rolle des Patienten in diesem System.

  • «Gesundheit darf kein Jahrmarkt sein.»

    Annina Hess-Cabalzar, Psychotherapeutin, Mitbegründerin Akademie für Menschenmedizin und Expertin Palliative Care, betont, dass die teuerste medizinische Versorgung nicht immer die beste für den Patienten sei. Deshalb seien Aufklärung und möglichst vollumfängliche Information durch die Ärzte - zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Patienten - das A und O.

  • «Es gibt viel Stress im System!»

    Barbara Züst, Geschäftsführerin Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz, skizziert, wie häufig Patientinnen und Patienten bei Entscheiden unter Druck sind und sich nicht genügend Zeit nehmen können, bei einer Behandlung oder einem Eingriff die Vor- und Nachteile abzuwägen.

  • «Generika verschreiben: Die Ärzte müssen handeln!»

    Felix Schneuwly, Gesundheits-Experte, Mediensprecher des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch, plädiert für eine viel offensivere Verwendung von Generika. Doch die wirtschaftlichen Interessen hinter den Originalprodukten seien riesig.

  • «Viele Patienten wissen gar nicht, was ein Hausarzt alles kann.»

    Thomas Kissling, Hausarzt mit eigener Praxis, erklärt, warum viele Patienten statt beim Hausarzt im Spitalnotfall Hilfe suchen. Ein kostspieliges Verhalten, welches nach Alternativen ruft. Der Hausärztemangel würde diese Situation zudem noch verschärfen.

  • «Der Eid des Hippokrates soll modernisiert werden.»

    Josef Brandenberg, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Präsident FMCH, bestätigt, dass gewisse Ärzte unter Druck stehen würden und eine bestimmte Anzahl Fälle vorweisen müssten, um z.B. zu Boni zu kommen. Dies widerspreche ganz klar dem medizinischen Ethos.

  • «Spitalschliessungen sind leider sehr häufig tabu.»

    Luca Stäger, Geschäftsführer der Tertianum Gruppe, Verwaltungsrat Clinica Luganese und Verwaltungsrat Sanitas, schildert die Interessen der Spitalregionen. Mit einem zentralen Spital mit optimalstem Angebot könne man viel sparen, doch die politischen Interessen würden solche Pläne häufig wieder zunichte machen.

  • Die Schweiz als Spitzenreiter bei Hüftoperationen.

  • Einblick in den Spitalnotfall.

  • Strassenumfrage: Wer ist schuld an den hohen Krankenkassenkosten?

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